Geschützte Tiere und Anwohner contra Ausbau der B528.

Verkehr: B 528-Weiterbau: Wer muss die Kröte schlucken?

Gefährdete Tierarten und empörte Anwohner könnten die Entlastung von Rayen um Jahre verzögern. SPD-Mann René Schneider spricht von einem „Dilemma“.

„Bufo calamita“, zu deutsch: die Kreuzkröte, passt auf einen Handteller und ist ein sehr kommunikationsfreudiger Lurch. Vor allem im April und Mai schallen die Lockrufe der Kröte bis zu zwei Kilometer weit. Für Nabu-Mann Otto Sartorius gehört die Kreuzkröte derzeit zu den Straßenbau-stoppenden Arten zwischen Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort. Zusammen mit Fledermäusen und Eulen könnten sie Bürgermeister Harald Lenßen und vielen Politikern im Rathaus die Freude über den anscheinend nun beschleunigten Weiterbau der Bundesstraße B 528 vergellen (die RP berichtete). Sartorius ist sicher: „So rasch, wie manche jetzt meinen, kommt die Fünf-Zwo-Acht nicht.“

Zur Erinnerung: NRW-Landesverkehrsminister Hendrik Wüst, CDU, hatte die 4,4 Kilometer lange Verlängerung der B 528 aus ihrem jahrelangen Wartestand heraus auf die Projektliste für 2019 gehoben. Darüber jubelten Bürgermeister Lenßen und zahlreiche Ratspolitiker. Denn die neuen 4,4 Straßenkilometer könnten Rayen vom steten Strom der Lastwagen und Sattelschlepper befreien, die derzeit durch den Ort brettern.

„Wir haben es hier mit einem klassischen Dilemma zu tun“, analysiert der Kamp-Lintforter Landtagsabgeordnete René Schneider (SPD) auf Nachfrage der RP. „Da sind auf der einen Seite die Rayener Bürger, denen Lärm und Abgase des Schwerlastverkehrs mitten durch ihren Ort stinken.“ Für sie müsse dringend etwas getan werden. Andererseits müsse die Landesregierung die Belange des Naturschutzes berücksichtigen. Und auch entlang des jetzt scheinbar mit großen Schritten nahenden, 14,8 Millionen Euro teuren Stückchens Bundesstraße wohnen einige Menschen. Schneider weiß: Manche haben sich gerade erst an dieser Stelle ein Häuschen gekauft – in der festen Erwartung, dass der Weiterbau in Richtung der B 510 nicht kommen wird.

Bedrohte Arten und empörte Anwohner mit Bürgerinitiativen-Erfahrung könnten rasch zu jener kritischen Masse werden, die geeignet ist, ein Fortkommen von Straßenplanung und Straßenbau um Jahre zu verzögern. So sieht das auch Nabu-Mann Sartorius: „Deswegen bin ich jetzt gar nicht in Alarmstimmung.“ Er habe erst in jüngerer Vergangenheit mit Ingenieuren von Straßen NRW telefoniert. Und die hätten ihm bestätigt: Wegen der zahlreichen, nun auch durch den Straßenweiterbau bedrohten Tierarten werde mindestens eine Umplanung fällig. Und die werde einige Jahre in Anspruch nehmen. In den Jubel über die Entlastung von Rayen hinein erklingen Unkenrufe.