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Nettetal: Workshop mit einer Feuerschluckerin in den Herbstferien

Kinder- und Jugendprogramm in Nettetal : Was Kinder beim Feuerspucken lernen

Mit dem Workshop „Feuerfakir mit Feuerpädagogen“ im Jugendtreff Piet 8 ging das Kulturrucksack-Herbstferien-Programm jetzt zu Ende.

Karina Lange lässt eine brennende Fackel über ihre Handfläche gleiten. Die Kinder im Hof vom Jugendtreff Piet 8 staunen. „Und jetzt seid ihr dran“, sagt Lange. Jeder darf sich eine Fackel nehmen und selbst probieren, wie weit er geht. Natürlich haben alle davor eine Einweisung bekommen. Die Flammen in direkten Kontakt mit der Hand kommen zu lassen, ist erst der fünfte und letzte Schritt, den die Kinder ausprobieren dürfen. Zusammen mit dem Workshop „3D-Drucken mit 3D-Stiften“ war der Nachmittag „Feuerfakir mit Feuerpädagogen“ das letzte Kulturrucksack-Angebot in den Herbstferien.

Die angemeldeten Kinder waren in guten Händen: Karina Lange ist eine ausgebildete Feuerpädagogin. Interesse am Spiel mit dem Feuer hatte sie schon immer, aber die große Leidenschaft zu diesem heißen Element entdeckte sie erst vor zehn Jahren bei einer Reise nach Australien. Dort traf sie auf Feuerkünstler und war sofort fasziniert. Als sie direkt aufgefordert wurde, die Fackel selbst anzuzünden, hatte auch sie erst Angst und großen Respekt vor der offenen Flamme.

Lange beschreibt den Umgang mit Feuer wie Fahrradfahren: „Man braucht viel Technik, aber wenn man es einmal kann, verlernt man es auch nicht mehr so schnell.“ Vor sechs Jahren fing sie an, auch im pädagogischen Umfeld das Spiel mit dem Feuer Kindern zu zeigen und ist im Verein „Feuerpädagogik e.V.“ tätig.

Bei dem Workshop „Feuerfakir mit Feuerpädagogen“ in Hinsbeck sind die Kinder alle noch unter 14 Jahren und lernen deshalb noch kein Feuerspucken oder Feuerschlucken. Mit dem nötigen Respekt und Sicherheitsvorkehrungen ist es aber für Kinder kein Problem, mit Feuer umzugehen. Dabei darf jeder selbst entscheiden, wie weit er gehen möchte. Im Jugendtreff Piet 8 kam schon dreimal der Feuerfakir vorbei. Der Workshop findet auch dieses Mal im Rahmen des Programms Kulturrucksack statt.

Das Wichtigste beim Umgang mit Feuer ist das Löschen. Deshalb ist das auch das erste, was die Kinder beim Workshop lernen müssen. Die Teilnehmer bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit dem heißen Element mit. Während einige kaum Berührungsängste haben und so viel wie möglich ausprobieren möchten, beobachten andere das ganze lieber aus der Ferne.

Nach dem Löschen beginnen die fünf Stufen. Beim ersten Schritt zündet sich jedes Kind eine Fackel an und darf dann die Flamme kurz berühren und ein wenig mit ihr spielen. Noch näher an die Flamme kommt man beim zweiten Schritt, bei dem die Kinder ihre Hand vom unteren Teil der Fackel langsam hochgleiten lassen. Danach müssen die Kinder so stark pusten, dass die Flamme kaum noch zu sehen ist. Die vierte Stufe nennt Lange das „Zaubern mit dem Feuer“. Hier hält man die Hand wie eine Halbkugel und zieht die Flamme mit sich. Hier brauchen die meisten Kinder erst etwas Überwindung, um mit der Hand so nah an die Flamme zu kommen. Erst bei der letzten Stufe berührt die Fackel schließlich die Handfläche, die man überstreckt halten muss.

Laurenz (11) hat großen Spaß an dem Umgang mit Feuer. Als die Kinder drei Fackeln auf einmal löschen sollen, ruft er: „Geht das auch mit vier?“ Auch Lennart (13) ist mutig und lässt am Ende die Flamme über seine Hand gleiten. Die 11-jährige Lydia hat zunächst noch großen Respekt, aber schon nach kurzer Zeit traut auch sie sich immer näher an die Fackeln heran.

Am Ende des Workshops haben die Kinder ein anderes Verständnis von Feuer. Manche konnten Ängste überwinden, wie zum Beispiel Kilian (11), der sich am Ende auch traut, allein eine Fackel zu löschen. Aber sie haben auch gelernt, Respekt vor dem Feuer zu haben.

Zum Schluss durften die Kinder noch selbst kreativ werden und eine eigene kleine Choreographie mit brennenden Fackeln vorführen.

Der Dortmunder Verein „Feuerpädagogik“, Mitglied im Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, klärt auch über die Gefahren von brennbaren Flüssigkeiten im Mund- und Rachenraum und Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Brandverletzungen auf.