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WG-Leben im Alter – warum denn nicht?

Moers : WG-Leben im Alter – warum denn nicht?

Die Vorteile liegen auf der Hand. Gemeinsames Wohnen beugt der Einsamkeit vor.

Liebe Mitmoerser, wie wollen Sie im Alter leben? Ich wage mal die Prognose: höchstwahrscheinlich nicht alleine. Aber in einer WG? Wohngemeinschaften  hängt ja so ein gewisses Klischee an – vom geplünderten Gemeinschaftskühlschrank über stetig schwelenden Ärger über den Putzplan bis hin zum Duft von müffeligen Socken.

Dabei liegen die Vorteile einer Senioren-WG auf der Hand. Die Mitbewohner können sich umeinander kümmern, wenn einer von ihnen gebrechlich oder pflegebedürftig wird. Sie können die Lasten des Alltags gemeinsam stemmen und gleichzeitig nach dem eigenen Tagesrhythmus leben. Die anfallenden Wohnkosten werden geteilt, die Bewohner können auch eine Haushaltshilfe oder einen ambulanten Pflegedienst gemeinsam organisieren. Und, was ich am allerwichtigsten finde: Ein harmonisches Zusammenleben in der WG beugt der Einsamkeit im Alter vor.

Der wohl prominenteste Bewohner einer solchen Alters-WG in Deutschland ist der ehemalige Bremer Oberbürgermeister Henning Scherf. Schon 1987 gründete er sie gemeinsam mit seiner Frau und zehn Freunden. Man sei zu einer Art Wahlfamilie zusammengewachsen, sagt er. Über sein Leben in der Gemeinschaft hat Scherf ein Buch geschrieben. „Grau ist bunt“ ist im Herder Verlag erschienen. Lesen Sie da mal rein!

Vielleicht unterschätzen wir unsere Senioren aber auch, wenn wir sagen: „Naja, nette Idee, aber mit wildfremden Menschen Küche und Terrasse teilen, das würde ich nicht wollen“. Tatsache ist: Immer mehr ältere Menschen sagen „ja!“ zu so einer Wohnform, vor allem in Großstädten. Dort hat die Entscheidung sicher auch, aber nicht nur etwas mit steigenden Mietpreisen zu tun – sondern mit dem Traum von Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit. Ich persönlich kann mir das Leben in so einer WG sehr gut vorstellen. Alt werden unter Freunden – was gibt es Besseres? Ach so: In der Cecilienschulen-WG gibt es vier Einzelkühlschränke!

julia.hagenacker@rheinische-post.de