Moers: "Team Grafschafter" mit neuem Kopf

Moers : "Team Grafschafter" mit neuem Kopf

Seit 1. Februar leitet Astrid Czubayko-Reiß das Grafschafter Gymnasium an der Bankstraße. Kollegen wie Schüler wertschätzen und mitnehmen, so lautet ihr Plan für die Zukunft.

Die ersten großen Herausforderungen hat Astrid Czubayko-Reiß so gut wie gemeistert: die ersten 100 Tage im neuen Job, das erste Halbjahr an der neuen Schule, das erste Abitur, für das sie verantwortlich ist. Seit 1. Februar ist die 57-Jährige Leiterin des Grafschafter Gymnasiums. Für die gebürtige Gelsenkirchenerin ist es die erste Stelle als "Schul-Chefin", nach 14 Jahren als Lehrerin am Julius-Stursberg-Gymnasium in Neukirchen-Vluyn und anschließendem Wechsel als stellvertretende Schulleiterin ans Städtische Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Kevelaer.

"Der Rollenwechsel ist schon spürbar", sagt Czubayko-Reiß. "Ich bin vorher gefragt worden, was ich mir für die ersten 100 Tage als Schulleiterin vornehme. Nun sind 100 Tage nicht besonders viel Zeit. Ich habe damals gesagt, dass ich danach zumindest das Gefühl haben möchte, die Abläufe an der neuen Schule zu verstehen und nachzuvollziehen. Und, dass es toll wäre, wenn ich darüber hinaus schon eine Idee habe, was man machen kann." Um es kurz zu machen: Ihr 100-Tage-Ziel hat die Schulleiterin erreicht. Astrid Czubayko-Reiß scheint angekommen in der neuen Rolle. Klar ist, dass das nicht ohne Unterstützung funktioniert. "Ich habe ein sehr loyales und wohlwollendes Kollegium vorgefunden", sagt die promovierte Germanistin. "Was das betrifft, ist es wahrscheinlich von Vorteil, dass wir nicht allzu groß sind."

Rund 50 Lehrkräfte arbeiten am Grafschafter Gymnasium. Sie versuche, viel im Team zu machen, also - möglichst viele Menschen in ihre Entscheidungsfindungen einzubeziehen, betont Czubayko-Reiß. "Um die Unterrichtsverteilung für das nächste Schuljahr zum Beispiel haben wir uns jetzt zum ersten Mal gemeinsam gekümmert. Dass das manchmal länger dauert, ist klar. Dafür ist es dann aber auch nachhaltiger."

Menschen wertschätzen und mitnehmen: Für die neue Leiterin des Grafschafter Gymnasiums, die auch als Fachberaterin "Integration" bei der Bezirksregierung gearbeitet hat, gilt das Credo "ihrer" bunten Schule auch in Bezug auf die Schüler. "Ich bin der Entscheider, und das müssen die Jugendlichen wissen", sagt Czubayko-Reiß. "Aber: Wo ich sie beteiligen kann, beteilige ich sie. Vor der Mottowoche der Abiturienten, vor der Schulleitern immer etwas bange ist, habe ich deshalb ein Abkommen mit den Schülern getroffen. Wir haben darüber gesprochen, was geht, und was nicht geht, und das hat wunderbar funktioniert. Auch Schüler müssen lernen, mit Verantwortung umzugehen. Das stärkt alle am Projekt ,Schule' Beteiligten." Also - auch die Schulleitung.

Astrid Czubayko-Reiß weiß, dass in den nächsten Monaten noch eine Menge auf sie zukommen wird. Die Rolle rückwärts von G8 zu G9 steht an. "Klar ist, dass das alte G9 nicht das neue sein wird", sagt sie. "Damals haben sich die Schulleitungen und Kollegen oft alleinegelassen gefühlt, jetzt ist immerhin von vorn herein klar ist, wo wir inhaltlich hin wollen." Dafür ergibt sich ein rein praktisches Problem: "Räume", sagt die Schulleiterin, "gab es am Grafschafter eigentlich immer schon zu wenig. Demnächst müssen wir allerdings einen kompletten Jahrgang mehr unterbringen."

Gelassen bleiben, auch wenn es hoch hergeht: Diesen guten Rat hat Astrid Czubayko-Reiß von Hans Jürgen Hucks mit auf den Weg bekommen, und den nimmt sie an. Morgens vor Schulbeginn am Eingang stehen und jeden Schüler persönlich begrüßen - so, wie es ihr Vorgänger achtzehneinhalb Jahren lang als Schulleiter jeden Tag im Dienst getan hat -, möchte sie aber nicht. "Das wäre nicht authentisch", sagt sie. "Das wäre nicht ,CZ'. Ich mache lieber mein eigenes Ding."

(RP)
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