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Nach Brand: Stadt Moers sucht Wohnungen für Flüchtlingsfamilien

Es geht um Flüchtlingsfamilien : Nach Brand: Stadt sucht Wohnungen

Ein Hochhaus an der Römerstraße ist nach einem Feuer leergezogen worden. Flüchtlingsfamilien mussten behelfsweise in einer Sammelunterkunft untergebracht werden. Dass die Stadt für sie nun öffentlich Wohnraum sucht, sorgt für Diskussionen.

Das Feuer in einem Haus an der Römerstraße am 21. April hat die Stadt vor Probleme gestellt. Mit einem öffentlichen Aufruf sucht sie jetzt Wohnungen für Flüchtlingsfamilien. Fast alle Wohneinheiten des nach dem Brand leer gezogenen Hochhauses, nämlich 29, hatte die Stadt für Flüchtlinge angemietet. Insgesamt 127 Menschen aus diesen Wohnungen mussten anderweitig untergebracht werden. „Gut die Hälfte konnten wir inzwischen in andere Wohnungen vermitteln“, sagte Stadtsprecher Klaus Janczyk am Dienstag. Für 53 weitere Personen (14 Familien) seien Lösungen in Anbahnung. Für neun weitere Familien sucht die Stadt noch Wohnungen oder Häuser. Besonders Objekte mit vier bis fünf Zimmern fehlten. „Für Familien mit drei oder vier Mitgliedern Wohnungen zu finden ist relativ unproblematisch“, sagte Janczyk. „An größeren Wohnungen für fünf oder sieben Familienmitgliedern herrscht aber grundsätzlich Mangel.“ Zumal die Stadt nur marktübliche Preise zahle. Es komme leider vor, dass Vermieter „Hotelpreise“ verlangen.

Glück im Unglück: Familien aus dem Haus an der Römerstraße konnten in der zuletzt leerstehenden Flüchtlingsunterkunft an der Filder Straße untergebracht werden. Allerdings sind deren Räume nicht für Familien ausgelegt. Und: Die reaktivierte Unterkunft an der Filder Straße wird für andere Zwecke gebraucht. Dorthin soll ein Teil der alleinstehenden Flüchtlinge umziehen, die derzeit in der Unterkunft Franz-Haniel-Straße wohnen. Hintergrund: Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie hat das Bundesarbeitsministerium empfohlen, Zimmer in „Sammelunterkünften“ für Flüchtlinge nur noch einzeln zu belegen – dafür benötigt die Stadt aber zusätzlichen Räume.

Die öffentliche Suche der Stadt nach Wohnungen für Flüchtlingsfamilien hat bei Facebook („Was ist los in Moers“) eine große Diskussion ausgelöst. „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, dennoch platzt mir hier gerade die Hutschnur. Ist der Stadt Moers überhaupt bewusst, wie schwer es ist eine bezahlbare Wohnung in dieser Größenordnung zu finden?“, lautet einer von vielen kritischen Kommentaren. Ein anderer: „Für die Flüchtlinge wird immer alles möglich gemacht und für die die Jahre lang Steuern zahlen und alles die stehen wieder auf dem Trockenen.“ Klaus Janczyk betonte, dass die Stadt für Flüchtlinge im Asylverfahren eine Fürsorgepflicht habe. „Nach Abschluss des Verfahrens, wenn sie bleiben dürfen, müssen sie sich selbst um eine Wohnung kümmern.“ Der Stadtsprecher unterstrich außerdem: „Als Kommune haben wir alle Bedürftigen im Blick. Selbstverständlich können sich auch Wohnungssuchende mit Berechtigungsschein bei uns melden.“ 627 Wohnungssuchende mit Wohnberechtigungsschein waren 2019 bei der Stadt registriert, ungefähr die Hälfte davon Einpersonen-Haushalte. Wohlbemerkt habe es sich nicht um Menschen gehandelt, die auf der Straße standen, sondern um solche, die aus verschiedenen Gründen eine andere, preisgünstige „Sozialwohnung“ gesucht haben – zum Beispiel, weil die alte zu teuer, zu klein oder nicht seniorengerecht war. Vermieter könnten freiwerdende Sozialwohnungen auch nicht nach Gutdünken weitergeben, sagte Janczyk. „Wir haben als Stadt ein Belegungsrecht.“

Auch um Obdachlose kümmere sich die Stadt, soweit dies möglich und erwünscht sei, in Zusammenarbeit mit der Caritas. So wohnten derzeit 23 obdachlose Personen in städtischen Unterkünften.

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