Moers: Syrische Bauingenieurin erzählt von ihrer Flucht

Weltfrauentag bei der Awo in Moers-Repelen : Syrische Bauingenieurin erzählt von ihrer Flucht

) Im Internationalen Zentrum der Awo Repelen standen am Internationalen Frauentag besonders geflüchtete Frauen im Mittelpunkt. Teilnehmerinnen der Kurse und Gruppen sowie Interessierte trafen sich zu einer Veranstaltung mit offenem Podiumsgespräch.

Der Kampf für Frauenrechte sei gleichbedeutend mit dem Kampf für Demokratie und Menschenrechte, betonte die neue Leiterin des Zentrums, Asiye Koc. Dies seien zentrale Anliegen der Arbeiterwohlfahrt, die vor 100 Jahren von einer Frau, Marie Juchacz, gegründet worden sei. Obwohl die Frauen seitdem viele Rechte erstritten hätten, sei das Engagement weiterhin notwendig, solange Frauen diskriminiert würden.

Die 54-jährige Mayada Day mag zwar keine typische Geflüchtete sein. Die aus Syrien stammende Bauingenieurin und Archäologin hat einen Doktortitel und arbeitete 26 Jahre lang als Dozentin an der Universität von Aleppo. Doch ihr bewegender Bericht, den sie mit Bildern illustrierte, gab einen Einblick in die erschütternden Umstände, mit denen syrische Familien im Kriegsgebiet und auf der Flucht konfrontiert waren und immer noch sind. Day beschrieb die Ängste der Menschen und die Konflikte, die durch die Enge entstehen, wenn ganze Großfamilien monatelang auf engstem Raum zusammenleben müssten, weil Wohnungen zerstört sind und unbewohnbar werden. Sie erzählte, wie sie mehrmals knapp dem Tode durch Anschläge und Bomben entronnen war.

Große Sorge hatte sie, die selbst verwitwet ist und keine Kinder hat, um ihre jugendlichen Nichten, die im Kriege großen Gefahren ausgesetzt gewesen seien. Day erzählte, wie schwierig es gewesen sei, ihre verstorbene Mutter angemessen zu beerdigen und wie sie mit dem Vater, seit einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt, die Flucht in die Türkei gewagt habe.

Schließlich kam Day im Februar 2016 alleine nach Moers und versucht seitdem, hier Fuß zu fassen. Auch beruflich.

Der zweite Teil der Veranstaltung wurde von Olga Weinknecht und den Teilnehmerinnen des Projekts „Recolour your Life“ gestaltet. Weinknecht ist bei der Awo Bereichsleiterin für Flucht, Migration und Integration und hilft geflüchteten, traumatisierten Frauen, ihr „Leben wieder bunt zu machen“. Rund 60 Frauen besuchen die offenen Treffen, die zweimal wöchentlich im Jugendzentrum „Zoff“ stattfinden.