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Kirchenrätin in Moers: „Das Presbyteramt ist etwas, was Freude macht“

Kirche in Moers : Kirchenrätin: „Das Presbyteramt ist etwas, was Freude macht“

In einem Jahr sind Presbyteriumswahlen. Nicht immer sind Kandidaten leicht zu finden. Kirchenrätin Beate Ludwig gab Vertretern von evangelischen Gemeinden gute Tipps.

Am 1. März 2020 wählen die evangelischen Christinnen und Christen in den Gemeinden ihre Gemeindeleitungen, die Presbyterien. Das Datum scheint weit entfernt, aber bis dahin muss viel erledigt sein. Vor allem müssen Frauen und Männer, die Freude daran haben, gemeinsam mit anderen eine Kirchengemeinde zu leiten, ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklären. Denn im September 2019 müssen bereits die Wahllisten feststehen.

Doch wie finden die Interessierten und die Gemeinden zueinander? Um den derzeitigen Presbyteriumsmitgliedern in den Gemeinden des Kirchenkreises Moers zu dieser Frage Tipps zu geben, ist Beate Ludwig nach Moers gekommen. Abgeordnete aus den Gemeinden von Budberg und Wallach-Ossenberg-Borth über Hoerstgen und Meerbeck bis Rheinhausen und Homberg waren nach Repelen ins Gemeindehaus gekommen. „Die Wahlen sind für uns evangelische Christinnnen und Christen ein hohes und demokratisches Gut. Deshalb müssen wir sehr achtsam damit umgehen“, erklärte die Soziologin, die bei der Evangelischen Kirche im Rheinland Dezernentin in der Genderstelle ist. „Berichten Sie Interessierten von der Arbeit in der befriedigenden aber auch anstrengenden Gemeindeleitung. Machen Sie deutlich, dass man in diesem Amt etwas gestalten und auf den Weg bringen kann“, so die 57-Jährige. „Das Presbyteramt ist etwas, das Freude macht, in dem man theologisch arbeiten kann und in dem man eine große Verantwortung trägt.“

Den Presbyterinnen und Presbytern riet sie, ihre Sitzungskultur zu überprüfen. „Wer nach einem harten Arbeitstag in eine vielstündige Sitzung geht, wird schnell die Lust verlieren, kreativ zu sein. Sitzungen sollten einladend, kurz und gut moderiert sein. Moderation sollte eine effektive Struktur der Sitzungen ermöglichen, Vielredner stoppen und auch zurückhaltende Personen motivieren.“

In der regen Diskussion bestätigten die Presbyterinnen und Presbyter, dass man von der Kompetenz im Verwaltungsamt des Kirchenkreises Moers profitieren und immer darauf zugreifen könne, so dass man bei wichtigen Fragen nicht alleine dastehe. Überlegt wurde auch, wie man vermeiden könne, dass Presbyteriumsmitglieder, die gerne im Amt bleiben würden, die eigenen Gegenkandidatinnen und –kandidaten suchen müssten. Die Kirchenrätin schlug vor, dafür einen „Finde-Ausschuss“ zu gründen, der die Suche von interessierten Frauen und Männern übernehme. Auch könne man öffentlich werben, im Gemeindebrief, mit Flugblättern, in Geschäften oder Anzeigen in Zeitungen.

Um auch die künftigen Presbyter und Presbyterinnen nicht zu überlasten, könnten Ausschüsse gegründet werden für bestimmte Fragen, etwa für Bauangelegenheiten, Fragen zu Kindertageseinrichtungen etc. Darin müssten nicht unbedingt nur evangelischen Gemeindeglieder mitarbeiten. Manchmal ließen sich für zeitlich überschaubare Projekte auch leichter Menschen gewinnen als für eine mehrjährige verbindliche Mitgliedschaft im Presbyterium. Grundlegend für die Suche nach Kandidaten ist die Frage, welche Kompetenzen in der nächsten Wahlperiode, die vier Jahre dauert, benötigt würden. Wenn ein Neubau ansteht, sind andere Fähigkeiten gefragt als wenn eine inhaltliche Neuausrichtung der Gemeinde geplant ist. Zu diesem Zweck teilte Beate Ludwig eine Kompetenzmatrix aus, die die Presbyterien nutzen und ihren Bedürfnissen entsprechen umgestalten können.

Schließlich gingen die etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Abends in Arbeitsgruppen, schnippelten sich aus Zeitschriften ihr Wunschpresbyterium zusammen, probierten die Kompetenzabfragen aus, schrieben Anzeigen, erstellten Leitfragen für ehrliche und offene Gespräche mit Interessierten und tauschten sich anschließend über ihre Erfahrungen aus.

„Das war ein erfolgreicher Abend“, freute sich Beate Ludwig. „Die evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Moers sind sehr kreativ und engagiert.“

(RP)