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Gewalttat in Moers: Mordprozess nach Messerangriff in Bordell startet

Gewalttat in Moers : Mordprozess nach Messerangriff in Bordell startet

Im April hat ein Mann in einem Repelener Nachtclub eine Frau mit einem Messer getötet. Jetzt steht er vor Gericht. Fast zeitgleich beginnt der Prozess gegen fünf junge Männer, darunter zwei Moerser. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Gruppenvergewaltigung vor.

Es war wohl das tragische Ende eines gewalttätigen Beziehungsstreits, der sich an einem Samstagabend Anfang April in einem polizeibekannten Etablissement in Repelen abgespielt hat. Am Ende ist eine Frau tot. Möglicherweise hatte die Getötete versucht, einer 31 Jahre alte Kollegin zur Hilfe zu kommen, als diese im Nachtclub von ihrem Ex-Freund angegriffen wurde. So jedenfalls wurde es sich am Tag „danach“ im Stadtteil erzählt. Was genau im Nachtclub am Jungbornpark geschehen ist, hat die Kriminalpolizei in den vergangenen Monaten ermittelt. Der Schwurgerichtsprozess vor dem Landgericht Kleve startet am 11. November.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Täter, einem 47 Jahre alten Duisburger, Mord, versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Laut Anklage soll er am 6. April gegen 21.45 Uhr das „Moulin Rouge“ durch die Hintertür betreten und einen Raum aufgesucht haben, in dem sich die beiden Frauen miteinander unterhielten. Mit einem 18 Zentimeter langen Küchenmesser soll der Mann auf die beiden 31 und 38 Jahre alten Prostituierten losgegangen sein. Die ältere erlitt Stichverletzungen an Lunge und Herz. Anschließend, so die Anklage, wandte sich der Angreifer der 31-Jährigen zu. Er drückte sie auf einen Tisch und verletzte sie am Rücken und im Gesicht.

Trotz ihrer schweren Verletzungen konnten die beiden Frauen über den Hinterhof des Bordells in einen benachbarten Imbiss flüchten. Dessen Betreiber alarmierte Rettungskräfte und Polizei. Die 38-Jährige starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die 31-Jährige überlebte dank einer Notoperation. Der Angeklagte und sie haben ein gemeinsames Kind.

Um Gewalt gegen Frauen geht es auch in einem zweiten Prozess, der am 15. November vor der auswärtigen Strafkammer des Landgericht Kleve beginnt. Auf der Anklagebank sitzen fünf junge Männer im Alter zwischen 24 und 29 Jahren. Zwei der Beschuldigten kommen aus Moers, zwei aus Wesel und Dinslaken, ein Angeklagter ist Krefelder. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftliche Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vor. Die Männer sollen Anfang es Jahres in Krefeld zwei junge Frauen betäubt, nacheinander vergewaltigt und die Übergriffe mit  Handys gefilmt haben. Hinter den Taten steckte offenbar eine perfide Masche.

Seit Mitte 2018 sollen die Angeklagten gezielt Frauen in einer Diskothek in der Düsseldorfer Altstadt angesprochen haben, um sich an ihnen zu vergehen. Ihren potenziellen Opfern stellten sich die Männer  als „Jamal“, „Sammy“, „Momo“, „Memo“ oder „Bilal“ vor. Die Namen waren frei erfunden. Zweimal ging der Plan aus Sicht der Truppe auf: zum ersten Mal am 15. Februar. An diesem Tag sollen sich drei der Beschuldigten an einer Frau in der Wohnung des Krefelders stundenlang vergangen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter ihrem Opfer vorher K.o.-Tropfen verabreichten. Das Betäubungsmittel ist auch als Vergewaltigungsdroge bekannt. Nach der Tat konnte sich die Frau jedenfalls an nichts mehr erinnern. Sie ging auch nicht zur Polizei.

Tat Nummer zwei ereignete sich laut Anklage am 20. März. Damals sollen vier der Männer eine 21 Jahre alte Frau aus Duisburg vergewaltigt haben. Zwar zeigte auch dieses Opfer die Täter nicht an – jemand aus ihrem Umfeld verständigte aber die Polizei. Nach einer Foto-Fahndung kamen drei der fünf Tatverdächtigen Anfang April in Untersuchungshaft. Zwei der Beschuldigten sollen Anfang März zudem zwei Minderjährige angesprochen haben. In diesem Fall scheiterte eine Vergewaltigung wohl, weil die K.o.-Tropfen eines der Mädchen bewusstlos machten. Beide Mädchen sollen da schon in der Krefelder Wohnung gewesen sein. Das zweite Mädchen soll dort freiwillig Sex mit zwei Beschuldigten gehabt haben.