Extraschicht auf Rheinpreussen in Moers

Kultur : Explosive „ExtraSchicht“ in Moers

In Bottrop und Ibbenbüren schließen die letzten Zechen. Das Bergwerk West in Kamp-Lintfort fuhr als letzte niederrheinische Zeche vor Jahren seine letzte Schicht. Bei der „Nacht der Industriekultur“ schwang Wehmut mit.

In Moers waren die Maschinenhalle Pattberg und der Schacht IV der Zeche Rheinpreussen die Veranstaltungsorte der „ExtraSchicht“. Der Schacht IV galt viele Jahre lang als das „Goldschächtchen“ von Hochstrass. Knapp 3000 Bergleute fuhren hier zwischen den Jahren 1904 und 1962 täglich ein und förderten fast 50 Millionen Tonnen Steinkohle zu Tage. Ab 1962 diente die Anlage noch als „Abwetterschacht“, ehe sie 1990 vollständig außer Betrieb genommen wurde. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde der Schacht IV der Zeche Rheinpreussen als Industriedenkmal wiedereröffnet. Bei Führungen durch ehemalige Bergleute wie „Kumpel“ Michael Kahlert, der interessierten Gästen regelmäßig am „Lehrstollen“ der Zeche Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort die traditionelle Bergbaukultur näherbringt, hatten die Besucher Gelegenheit, die Moerser Bergbaugeschichte in den Katakomben der Fördermaschinenhalle anhand zahlreicher Exponate und Anekdoten auf sich wirken zu lassen. Während ein Stelzenläufer die jüngeren „ExtraSchicht“-Teilnehmer auf der Zechenstraße vor der Maschinenhalle unterhielt, bot sich den Erwachsenen die Möglichkeit, wahlweise am Würstchenstand oder am Bierwagen in entspannter Atmosphäre miteinander zu plaudern.

In der Maschinenhalle der Zeche Rheinpreussen fanden derweil kurze Auftritte von Moerser Gruppen statt. Standen bei den „Püttrologen“ von der „Schlosserkameradschaft Niederberg“ in erster Linie Ruhrgebiets-Schlager auf dem Programm, so sangen die „Witches of Pitches“ internationale Hits wie „I will survive“, „California Dreamin“ oder Billy Joels wunderbare Ballade „The longest time“.

Auch das Ensemble des Schlosstheaters war erneut bei der „ExtraSchicht“ vertreten und führte eine interessante Variante von Richard Wagners „Rheingold“ auf, in der sich hart arbeitende Bergleute und geldgierige Großindustrieelle um das kostbare Gold stritten, auf das man unter Tage gestoßen war, um schließlich gemeinsam das Lied „Nehmt Abschied Brüder“ anzustimmen. Während draußen die Dämmerung anbrach, sang der „Knappenchor Rheinland“ in der Maschinenhalle bei Kerzenlicht Bergmannslieder wie etwa das „St. Barbara-Lied“ oder das legendäre „Steigerlied“, bei dem auch das Publikum kräftig mitsang.

Die illuminierte Fördermaschine war ein Augenschmaus. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Vor dem 48 Meter hohen Fördergerüst, das inzwischen in rotes Licht getaucht worden war, fand dann das vielfarbige Feuerwerk statt, zu dem sich alle Besucher auf der Zechenstraße versammelt hatten und gebannt in den erleuchteten Himmel guckten. „Wir mögen die stimmungsvolle Atmosphäre hier“, erzählte Jutta aus Moers, die gemeinsam mit ihrer Freundin Anne aus Rheinberg bereits mehrfach an der „Nacht der Industriekultur“ teilgenommen hat und deren Vater und Großvater in Moers im Bergbau gearbeitet haben. Gebannt wendeten sie sich dann wieder der Maschinenhalle zu, deren Fassade mit den weißen Silhouetten von Bergleuten illuminiert worden war.