Boxer Sahan Aybay aus Moers will Weltmeister werden

Aybay auf Weltmeisterkurs : Zwei Fäuste für Moers

Sahan Aybay hat sich von den Straßen Meerbecks zum Deutschen Meister geboxt. Jetzt will der 22-Jährige an die Weltspitze. Sein großes Vorbild ist nicht Tyson, nicht Klitschko. Sondern Papa.

Die Karriere eines Boxers beginnt am liebsten ganz unten. Zum Beispiel in Meerbeck, bei Sahan Aybay, einem jungen Türken, der mit 16 Jahren gerade so die Hauptschule schafft und dem man eher zutraut, irgendwann berüchtigt statt berühmt zu werden.

Er ist ein schwieriges Kind, prügelt sich auf der Straße. Respekt hat er nur vor den Eltern, draußen ist Aybay der harte Kerl. Schule? Braucht kein Mensch. Streit? Klar, aber dann richtig. So gehörte sich das. Aber der Junge ist auch klein und dick. In der Schule nennen ihn deshalb alle nur Bärenmarke, so wie die rheinland-pfälzische Kondensmilchmarke mit dem grinsendem Bär im Logo. Doch die Zeiten sind vorbei.

Heute traut sich niemand mehr, den 22-Jährigen so zu nennen. Sahan Aybay heißt jetzt „The Shadow“, Kampfgewicht 72,4 Kilo, ist dreifacher deutscher Amateur-Boxmeister und tritt seit kurzem gegen die Profis an. Seinen Gegnern ließ er bisher keine Chance. Sieben Siege in sieben Kämpfen. Aybays nächstes Ziel: Gennadi Golowkin schlagen, den amtierenden Weltmeister im Mittelgewicht. Und damit, sagt er, macht er seine Heimat Moers weltberühmt.

Aybays Handschlag sitzt, nicht unhöflich fest, aber man spürt die Kraft eines Mannes, der sich an die Spitze boxen will. Der 22-Jährige kommt gerade von der Arbeit. Hauptberuflich kämpfen, das geht nicht, trotz nationaler Titel. „Als Boxer wirst du nicht reich“, sagt er. Gleich muss Aybay wieder weiter, zum Training. Am 7. Juli tritt er in Leverkusen in einem Kampf unter freiem Himmel an. Aybay wird dort gegen einen Kosovaren boxen. Endrit Morina, 24, und bisher genau wie er ungeschlagen.

„Ich boxe aber eigentlich lieber gegen Ältere, die können meist besser einstecken“, sagt er. „Auf einen 30-Jährigen kann man fünf Runden einschlagen, aber in der sechsten gewinnt er mit drei gezielten Schlägen, weil man kurz nicht aufgepasst hat.“ Aybay weiß das, aber er sucht diese Herausforderungen. Ein zukünftiger Weltmeister müsse jeden besiegen können, auch die, die im ersten Moment unschlagbar wirken.

Früh ist klar, dass der Moerser Jung Talent hat, und das, obwohl er erst mit zwölf mit dem Boxen anfängt. Das erste Mal im Ring steht Aybay in Rheinkamp. Schnell wechselt er nach Oberhausen, dort sind die Gegner stärker, irgendwann wird es schwierig, überhaupt Trainingspartner am Niederrhein zu finden. 2012 wird er zum ersten Mal deutscher Meister und fährt zur WM nach Armenien. Dort gewinnt er einen Kampf, im zweiten scheidet er aus, aber was soll’s, denkt er sich. Es geht weiter.

Immer  dabei: Vater Yilmaz, ein Kickboxlehrer, der als Gastarbeiter nach Deutschland kam und unter Tage malocht hat. Idole in der Branche hat Aybay nicht, nur Papa. „Wenn Klitschko dein Vorbild ist, wirst du nie besser, als er“, sagt er. „Mein Vater hat mir beigebracht, was Respekt bedeutet und wie man keine Angst hat.“ In Moers will Aybay selbst Vorbild sein, nicht für zukünftige Boxer, sondern als Sportler für die junge Generation. „Das ist mir wichtig. Moers ist eine wundervolle Stadt mit tollen Menschen.“

Bis zu zehn Mal trainiert Aybay in der Woche, samstags und sonntags zum Teil drei Mal am Tag, dazu ein straffer Ernährungsplan, damit er vor den Wettkämpfen kein Kilo zu viel hat. „Als Sportler musst du dich selbst respektieren, sonst schaffst du das alles nicht.“ Dabei unterstützt ihn sein Trainer Momi Guetarri aus Oberhausen. „Ohne diesen Mann wäre ich niemals so weit gekommen“, sagt Aybay. Derzeit sucht der 22-Jährige nach Sponsoren, um seine Kämpfe zu finanzieren. Denn ohne Geld kommt man im Boxen nicht weit.

Bis zu seinem nächsten Kampf am 7. Juli will Aybay das Training noch mal anziehen. Gewicht halten, Technik schärfen, den Gegner studieren. Damit die Karriere des Jungen aus Meerbeck eines Tages ganz nach oben führt. An die Weltspitze.