Kultur: Industriekultur im Spiel von Licht, Gesang und Theater

Kultur : Industriekultur im Spiel von Licht, Gesang und Theater

Bei der Extraschicht am 30. Juni leben Schacht IV und die Maschinenhalle auf Pattberg neu auf - zum Abschied des Steinkohlenbergbaus. Das Motto lautet: "Des Bergmanns Stolz".

Die Premiere im vergangenen Jahr glückte. Erstmals tobte bei der Extraschicht in Moers an zwei Standorten der Industriekultur das Leben: In und den Schacht IV sowie in und um die Maschinenhalle Pattberg. So herrscht an diesen markanten Orten erneut Leben, wenn am 30. Juni in 25 Städten der Metropolregion Ruhr ab 18 Uhr die Extraschicht gefeiert wird.

"Jedes Jahr haben wir 50 Prozent mehr Besucher", freut sich Wilfried Scholten, der stellvertretende Vorsitzende des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins. "Beim ersten Mal, 2015, hatten wir auf Schacht IV 800, das zweite Mal 1200 und das dritte Mal 1800. Diesmal könnten es über 2500 Besucher werden, zumal wir bei den ersten drei Malen schlechtes Wetter hatten. Vielleicht regnet es ausnahmsweise nicht." Die Mitglieder des Vereins haben das Programm auf Schacht IV unter das Motto "Des Bergmanns Stolz" gestellt, weil Ende 2018 der Steinkohlenbergbau in Deutschland endet, wenn die letzten beiden Zechen in Ibbenbüren und Bottrop schließen. "Jeder Bergmann ist stolz, in den Berg zu fahren", sagt Guido Lohmann, der Vorstand der Volksbank Niederrhein. "Ich komme aus einer Bergbaufamilie in Hamm. Opa und Onkel waren auf dem Pütt. Ich habe das Gefühl des Miteinanders, der Zusammengehörigkeit gespürt und geliebt. Dieses Gefühl des Miteinanders soll weiterleben. Deshalb unterstützen wir als Volksbank die Extraschicht bereits zum vierten Mal."

Dieses Gefühl geben die Mitglieder des Grafschafter Museumsvereins weiter, wenn sie am letzten Samstag im Juni Gruppen zwischen zehn und 20 Personen eine Dreiviertelstunde lang die Fördermaschinenhalle der einstigen Zeche Rheinpreußen an der Franz-Haniel-Straße zeigen. "Die Besucher spüren die Authentizität", sagt Jens Heidenreich, Wirtschafts- und Tourismusförderer der Stadt Moers, die der zweite große Sponsor der Extraschicht ist. "Es ist nichts Gekünsteltes."

Passend dazu haben Schauspieler des Schlosstheaters Moers Geschichten aus dem Leben Moerser Kumpel ausgewählt, um daraus ein Theaterstück zu formen, das sie um 19 Uhr und um 21 Uhr aufführen. Schließlich bildet Schacht IV eine markante Kulisse für Kultur. So ist die Fördermaschinenhalle um 23, 0.30 und 1.30 Uhr Teil einer Illumination. Oder sie bildet um 22.15 Uhr den Hintergrund, wenn 40 Sänger des Knappenchores Rheinland ein Kerzenkonzert geben. Dazu wird gegen 22.45 Uhr ein Höhenfeuerwerk abgebrannt, um nur einige der Aktionen zu nennen.

Das Programm in der Maschinenhalle Pattberg steht unter dem Motto "Halle der Erinnerungen". "Die Maschinenhalle wird so natürlich wie möglich gezeigt, ohne störende Podesterie", sagt Frederik Göke, der dort das Programm organisiert. "Der Raum wird mit Licht, Musik und Chorgesang in Szene gesetzt." Zum Beispiel singt um 18 Uhr der Chor "Joyful Voices" und um 19 Uhr der Chor Pianoforte. Oder um 18.30, 19.30 und 20.30 Uhr präsentiert das Duo Diagonal mit Deana Kozsey und Holger Ehrich in einem kleinen Zirkuszelt vor der Halle das "Kleinste Variéte der Welt." Oder Josephine Bode, "improviser in residence", lässt ab 22 Uhr mit dem Rutger Miller Ensemble die Maschinenhalle sphärisch schwingen.

Karten für die Extraschicht sind ab sofort bei der Stadtinformation Moers, Kirchstraße 27, zu haben. Sie kosten für alle Spielorte 17 Euro. Bei der Stadtinformation liegen auch Flyer mit dem kompletten Programm an den beiden Moers Spielstätten aus sowie eine Broschüre mit allen Angeboten an den 50 Spielstätten. Peter Gottschlich

(got)