Moers: "Die Eurorettung wird schweineteuer"

Moers : "Die Eurorettung wird schweineteuer"

Bei einer Podiumsdiskussion zur Wahl konnten gestern Schüler des Berufskollegs für Technik Politiker befragen.

Hat die Jugend Scheu vor der Politik? Fast könnte man es glauben an diesem Vormittag im Berufskolleg für Technik. Kaum ein Jugendlicher wagt es anfangs, sich in die ersten Reihen zu setzen, direkt unter den Augen der fünf Politiker, die gleich auf Fragen der Jungwähler antworten sollen.

Das Podium hat eine Lücke: Michael Terwiesche, Bundestagskandidat der FDP, ist nicht erschienen. Für Kerstin Radomski (CDU), die kurzfristig Terminprobleme bekommen hat, ist Ingo Brohl, Fraktionschef der Moerser CDU eingesprungen. Gabriele Kanders, Kandidatin der Linken, wird durch Sascha H. Wagner vertreten, den Geschäftsführer der Landespartei. Nur zwei der Bundestagskandidaten sind im Original da: Ulla Schauws (Grüne) und Siegmund Ehrmann (SPD).

Schulleiter Josef Nießen moderiert die Runde und sorgt mit einer Glocke dafür, dass niemand beim Reden auf Autopilot schaltet. Zu Beginn zeigt Nießen einen witzigen Wahlaufruf der IG Metall. Die Atmosphäre entspannt sich spürbar, und die Schüler lassen sich nicht lange bitten, als die Fragerunde beginnt.

Es geht gleich ans Eingemachte: Ein Jungwähler will wissen, wie teuer die Euro-Rettung wird. Da müssen die meisten passen. Ingo Brohl ist aber sicher: "Es wird schweineteuer." Der CDU-Ratsherr hat als einsamer Vertreter des schwarz-gelben Lagers keinen leichten Stand, schlägt sich aber wacker. Gelegentlich räumt er ein, nicht alle Details des Wahlprogramms zu kennen. Ehrmann ist gut vorbereitet und gibt präzise Antworten, Schauws appelliert eher ans Gefühl, Wagner zeigt sich gewandt, streift allerdings beim Thema Steuersätze das Fettnäpfchen: "Ich weiß nicht, ob ihr hier je mehr als 6000 Euro im Monat verdienen werdet . . ."

Da tauschen viele Schüler betretene Blicke. Denn ihre berufliche Zukunft beschäftigt die jungen Zuhörer sehr. Sie fragen nach Mini-Jobs, nach einem gesetzlichen Mindestlohn. Ein Schüler bekommt lauten Beifall, als er den Politikern sagt: "Leiharbeit ist moderne Sklavenarbeit, und ich will, dass Sie dagegen etwas tun." Siegmund Ehrmann räumt ein, dass dieses Problem auch auf die frühere rot-grünen Bundesregierung zurückgeht. "Damals, um 2003, hatten wir große Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Daher haben wir für mehr Flexibilität gesorgt." Was damals geholfen habe, sei allerdings in den vergangenen Jahren aus dem Ruder gelaufen und habe einen aufgeblähten Niedriglohnsektor geschaffen. "Wir müssen nun Korrekturen anbringen."

Mit mehr als einer Stunde Verspätung taucht dann doch noch FDP-Kandidat Michael Terwiesche auf, empfangen von einem aufmunterndem Applaus. "In meinem Kalender stand der Termin unter 10.45 Uhr", entschuldigt sich der Liberale. Kaum sitzt er, muss er beantworten, ob er für die Legalisierung von weichen Drogen eintritt. Bei diesem Thema können Ulla Schauws und Sascha H. Wagner bei vielen Jugendlichen deutlich punkten: Grüne und Linke wollen das Verbot von Haschisch aufheben. Terwiesche zeigt sich dagegen als kein Freund von Narkotika: "Ich habe vor Jahren das Rauchen aufgegeben." Was Nießen zur Frage veranlasst: "Was haben Sie denn geraucht?" Allgemeine Heiterkeit. Dass Politik ein bisschen Respektlosigkeit vertragen kann, ist auch eine Erkenntnis, die Schüler aus der Diskussion mitnehmen.

(RP)