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Serie Unsere Bundestagskandidaten: Linken im Wahlkreis ein Gesicht geben

Serie Unsere Bundestagskandidaten : Linken im Wahlkreis ein Gesicht geben

Gabriele Kaenders tritt für die Linke im Wahlkreis 114 an. Die 62-Jährige setzt sich vor allem für soziale Gerechtigkeit ein.

Diese Frau kennt ihre Grenzen, und sie hat keine Angst vor ihnen. Gabriele Kaenders (62), Direktkandidatin der Linken im Wahlkreis 114 (Krefeld-Nord, Moers, Neukirchen-Vluyn) weiß: Das Direktmandat wird sie bei der Bundestagswahl am 22. September nicht holen. Da macht sie sich nichts vor. Was sie bis dahin tun kann und will: Ihrer Partei im Wahlkreis ein Gesicht geben. Und den Linken im Bundestag ein paar kleine Prozentpunkte mehr verschaffen.

Zuerst ist da bei Kaenders immer das Bauchgefühl. Sie gibt offen zu, dass sie nicht von allem gleich viel Ahnung hat, dass sie sich bei gewissen Dingen erst schlau machen muss. "Das bringt's doch nicht – ich tue der Partei keinen Gefallen, wenn ich Wissen vorgebe, wo noch keins ist", sagt sie. Wenn sie so eine Lücke bemerkt, beeilt Kaenders sich, sie zu schließen: "Da bin ich diszipliniert."

Ganz zu Anfang, als sie mit Dirk Hooymann für die Offene Linke Liste/PDS im Stadtrat von Moers saß, haben die beiden viele Fehler gemacht, falsche Anträge gestellt – Formsachen. Mittlerweile, nach neun Jahren Ratsarbeit, weiß Kaenders, wie es geht. Ihre berufliche Tätigkeit im Finanzamt dürfte geholfen haben – "die Verwaltungsarbeit kam mir schon zugute, um in die politischen Strukturen hineinzufinden." Was auch geholfen hat: Schulungen der Partei. Denn Kaenders ist eine aufmerksame Zuhörerin – auch und gerade in Gesprächen und Diskussionen mit ihren politischen Gegnern. "An den entscheidenden Stellen will ich den Finger in die Wunde legen. Ich sage, wenn da etwas nicht passt", sagt Kaenders. Auf Brüche möchte sie aufmerksam machen – und dann ihre Idee dazu erzählen. Oder eben erst einmal das Bauchgefühl.

Kaenders' Idee und die ihrer Partei ist eine von sozialer Ausgewogenheit, von Chancengleichheit – und auch von einer Standhaftigkeit der Politiker. "Wenn die Ampel hier in Moers beispielsweise in Sachen Kita-Plätze von dem abgeht, was in den Parteiprogrammen steht, nur um Stimmen zu sammeln, ist das nicht in Ordnung", sagt Kaenders. Gegen Umfaller und Mit-dem-Strom-Schwimmer hat sie etwas – Bauchmenschen, Charaktertypen, die liegen ihr.

Wenn Gabriele Kaenders während einer Ratssitzung in Moers am Rednerpult steht, können sich sämtliche Zuhörer und Zuschauer einer Sache sicher sein: dass ihr Redebeitrag authentisch daherkommt. Gedrechselt, verschwurbelt sprechen ist nicht das Ding der in Hochstraß Geborenen. "Ich bemühe mich immer, einfach zu sprechen und zu schreiben, damit mich jeder verstehen kann", sagt sie. Chancengleichheit halt. Und: "Am Ende soll es bei Politik schließlich um die Menschen gehen. Ein Rat ist nicht dazu da, sich selber zu feiern."

350 Themenplakate hat die Linke im Wahlkampf in Moers und Neukirchen-Vluyn verteilt. Gabriele Kaenders – obwohl das Gesicht der Partei im Wahlkreis – ist auf keinem davon zu sehen. "Den Nutzen, durch die Plakate in den letzten Wochen Stimmen zu fangen, halte ich ohnehin für marginal", sagt Kaenders.

(RP)