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Stadtsportbund Mönchengladbach nicht zufrieden mit sportmotorischen Tests in Grundschulen

Bei sportmotorischen Tests : Alarmierende Zahlen an Gladbachs Grundschulen

Die Ergebnisse der sportmotorischen Tests in Gladbacher Grundschulen liegen vor. Rund jedes fünfte Kind hat Förderbedarf. Sonja Beba vom Stadtsportbund will die Situation verbessern.

Die Fallzahl ist nicht unendlich groß, doch das Ergebnis der Studie ist durchaus alarmierend. 122 der 568 Grundschulkinder, die an den sportmotorischen Tests der Stadt und des Stadtsportbundes Mönchengladbach (SSB) teilgenommen haben, haben motorischen Förderbedarf, also rund jedes fünfte Kind. 62 Prozent der Kinder konnten zum Befragungszeitpunkt nicht schwimmen. Nur 16 Kinder waren motorisch besonders talentiert. Die Zahlen wurden am Dienstag im Sportausschuss vorgestellt.

„Leider sind die Zahlen nicht überraschend. Wir haben schon in den Gesprächen mit den Kindern festgestellt, dass sie mehr Zeit vor der Konsole verbringen als in der freien Natur“, sagt Sonja Beba, die beim Stadtsportbund das Projekt leitet. Bewegung, sagt sie, sei keine Selbstverständlichkeit mehr für die Kinder. Man kann von einem „Konsolenproblem“ sprechen.

Die Studie fördert jedoch einen klaren Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und den motorischen Fähigkeiten zutage. „Vor allem Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Status sind von Übergewicht und Adipositas betroffen“, ist eine Erkenntnis der Studie. Indes liegen viele der zehn Grundschulen, an denen die Tests durchgeführt wurden, in Stadtgebieten, in denen es auch weniger Bewegungsmöglichkeiten für Kinder gibt.

Insgesamt sind 38 Prozent der Kinder, die an der Studie teilgenommen haben, bereits Mitglied in einem Sportverein (mehr Jungen als Mädchen). Kinder, die im Sportverein sind, haben seltener Bewegungsdefizite, auch das ergab die Untersuchung.

Ein wichtiger Faktor, die Grundschulkinder zur Bewegung zu animieren, ob nun im Verein oder auf andere Art, sind die Eltern. „Die Eltern müssen das unterstützen, ohne sie geht es nicht“, sagt Beba, gesteht aber auch, dass es „schwierig ist, Kinder, Eltern und Vereine zusammenzubringen“. Weswegen der Stadtsportbund immer wieder entsprechende Angebote machen will.

Es gibt bereits Maßnahmen, das Motorik-Problem anzugehen. Am 3. Oktober 2019 gab es auf der Sportanlage Radrennbahn einen Aktionstag „Finde dein Talent im Sport“, bei dem den Kindern der Vereinssport näher gebracht werden sollte. Am 19. September 2020 soll es den nächsten Aktionstag geben, für 2021 sind zwei angedacht, „einer für Hallensportarten und einer für Sportarten, die draußen stattfinden“, sagt Beba.

Um die motorischen Fähigkeiten der Kinder mit Förderbedarf zu verbessern, wurden in allen zehn Schulen Bewegungsfördergruppen aufgemacht. „Die Angebote vor 16 Uhr wurden gut angenommen, die Gruppen, die nach 16 Uhr stattfanden, wurden dagegen wenig bis gar nicht besucht“, sagt Beba. Der SSB hat außerdem Ogata-Sport-AGs organisiert.

Beba weist auch darauf hin, dass die Kinder in den Vereinen nicht nur physisch gefordert werden, sondern auch soziale Kompetenzen lernen. Entsprechendes hat die Studie bestätigt. „Kinder, die im Verein aktiv sind, haben ein ausgeprägteres Sozialverhalten, weil sie lernen, sich in Gruppen zu bewegen und einzuordnen“, sagt Beba.

Für August und September ist der so genannte „Re-Check“ der Ergebnisse angesetzt. „Wir hoffen, dass wir ihn auch durchführen können. Da wegen der Corona-Krise aber die Bewegungsgruppen in den Schulen pausieren mussten, sind da kaum veränderte Ergebnisse zu erwarten“, sagt Beba.

Generell hat der Corona-Lockdown eher das Problem verstärkt, dass die Kinder zu oft und zu lange vor der Spielkonsole sitzen anstatt sich im Freien zu bewegen. Auch deswegen ist klar: „Es ist wichtig, dass der Schulsport auf keinen Fall weiter reduziert wird. Der Sport in der Schule ist der Ansatz, die Kinder in Bewegung zu bringen. Unsere Vereine sind bereit, das auch zu tun. Wir erarbeiten weitere Ideen, die Kinder für den Vereinssport zu interessieren“, sagt Beba.