Tag der Arbeit in Mönchengladbach So demonstrierten Gewerkschaften zum 1. Mai

Mönchengladbach · Bei einer Demonstration, Kundgebungen und Kinderprogramm ging es auf dem Rheydter Markt um Tarifabschlüsse, Vier-Tage-Woche und Sozialpolitik.

 Vertreter von Gewerkschafen und Parteien trafen sich am 1. Mai zur Kundgebung auf dem Rheydter Markt.

Vertreter von Gewerkschafen und Parteien trafen sich am 1. Mai zur Kundgebung auf dem Rheydter Markt.

Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Der 1. Mai ist seit jeher der Tag der arbeitenden Klasse. Wenn auch die Teilnehmerzahlen beim Zug durch die Stadt und überhaupt die Mitgliederzahlen in den einzelnen DGB-Gewerkschaften zu wünschen übrig ließen, so war der Rheydter Markt am Montag doch gut gefüllt. Friedensappelle, Hinweise auf das Erreichte und lautstarke Forderungen nach weiteren sozialen Errungenschaften bestimmten die Ansprachen. Kinderprogramm, Bratwurst und Bier dazu waren unverzichtbar.

Die Szene wurde bestimmt von den Gewerkschaften, doch auch Parteien und gesellschaftliche Initiativen waren präsent. „Angesichts immenser Kaufkraftverluste muss es eine verstärkte Umverteilung geben“, forderte Frank Indervoort, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Harald Goltz, Beisitzer der  Arbeitsgemeinschaft für Arbeit der SPD, stimmte ihm zu und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Vier-Tage-Woche: „Voller Lohnausgleich bei hohem KI-Einsatz“, so lautet sein Credo. Sozialverträgliche Klima- und Energiepolitik und nicht zuletzt die damit verbundenen Arbeitsplätze spielten am Nachmittag eine große Rolle. Die klare politische Linie wurde vermisst.

Christoph Schmitz vom Verdi-Bundesvorstand gab zu bedenken, dass es ohne gewerkschaftlichen Druck damit nicht klappen werde. Das bewiesen doch die jüngsten Streiks mit ihrem hohen Druckpotenzial zu Genüge. „Nationalismus und Rassismus“, so machte Schmitz einen Ausflug in die  öffentliche Diskussion, seien keine Meinungen, sondern Verbrechen. „Ungebrochen solidarisch die Idee der freien Gewerkschaften leben“, nur so könne laut Schmitz daraus etwas werden. Patrick Stock, DGB-Stadtverbandsvorsitzender in Mönchengladbach, reihte sich in die Appelle ein „mit existenzsichernden Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen“. Klaus Neufeld  vom DGB Kreisverband Viersen forderte, „nachhaltig Flagge zu zeigen“.

Bei der angestrebten ökologischen Transformation des Landes müssten alle mitgenommen werden, so Neufeld. Nicht zuletzt in einem starken Sozialstaat, der sich zunehmend immensen Herausforderungen zu stellen habe. „14 Millionen Kinder leben nahe oder sogar unter der Armutsgrenze. Ein Skandal in diesem reichen Land!“ Angesichts dieser Tristesse muteten die Ausführungen von Oberbürgermeister Felix Heinrichs teilweise geradezu als Erfolgsmeldungen an. „Unsere Stadt“, so der Oberbürgermeister, „hat derzeit einen Höchststand an Beschäftigten.“  Tarifabschlüsse dürften trotzdem nicht auf die Schultern der Schwächsten abgeladen werden.

„Mach meinen Kumpel nicht an“, dieser Slogan aus dem Mund des SPD-Politikers fand viel Zuspruch bei den Besuchern. Erweitert wurde er auf die globale Ebene: „Wir haben die eine Welt und damit Verantwortung für alle.“  Und wie man alle diese sich zuspitzenden Krisen aushalten könne, da wusste Heinrichs auch Rat: „Wenn es einen verlässlichen öffentlichen Dienst gibt.“ Der habe in den spontanen Worten eines zustimmenden Besuchers doch gerade in diesen Tagen gezeigt, „wo der Hammer hängt“.

Klassenkämpferisches Heißmachen  der direkten Art blieb bei diesem ehedem „Kampftag der Arbeiterklasse“ genannten Treffen weitgehend aus. Weder ertönten die alten Lieder, noch verstieg sich ein Redner, den radikalen Systemwechsel zu fordern. „Ohne Gewerkschaften wären wir immer noch Leibeigene des Kapitalismus“ – diese Aussage klang scharf, wurde aber nicht gerade bejubelt. Zur Diskussion  trug an diesem Tag  auch die alevitische Gemeinde mit einem Plakat bei, das Handlungsbedarf auf einem immer wichtiger werdenden Gebiet signalisierte, nämlich bei der Bildung: „Ein Weg ohne Wissen führt in die Dunkelheit.“