Mönchengladbach: Mein Schrebergarten, die hippe Heimat

Heimat-Serie : „Hippe Heimat“ Schrebergarten

Von wegen spießig: „Laubenpieper“ sind heute oft Vorreiter in Sachen Naturschutz. Ein Blick in einen Kleingarten.

Gartenzwerge, Feinripp-Unterhemd, Grillkohle? Es gibt Menschen, bei denen startet sofort das Kopfkino, wenn sie an Kleingärtner denken. Doch das alte, piefige Image von Laubenpiepern ist längst passé. In Odenkirchen sind die Parzellen-Bewirtschafter echte Vorreiter, was Naturschutz und Nachhaltigkeit angeht. Ihre Kleingartenanlage ist ökologisch wertvoll. Der Verein „Zum Burggrafen“ bekam dafür sogar einen ersten Preis.

Die Odenkirchener Anlage an der Rostocker Straße ist wie jede andere in der Stadt öffentlich zugänglich für Jedermann. Bei den Burggrafen-Kleingärtnern kann man das schon am Eingang auf einem Schild lesen. Jeder ist willkommen, egal wie alt, egal welcher Nationalität. In die einzelnen Parzellen und Lauben dürfen Besucher natürlich nicht so einfach hereinspazieren. Aber auch von den öffentlichen Wegen gibt es viel zu sehen und jede Menge Tipps für Garten- und Naturliebhaber.

Nicht nur in den Beeten der Kleingartenanlage „Zum Burggrafen“ grünt und blüht es bereits herrlich. Foto: Gabi Peters

Dass die Burggrafen-Kleingärtner viel Wert auf Umweltfreundlichkeit legen, ist schon nach wenigen Schritten zu erkennen. Gleich neben dem Vereinshaus, das auch für Privatfeiern vermietet wird, liegt eins von mehreren Biotopen – mit Insektenhotel, Totholzhaufen und Trockenmauer. Ein kleines Paradies für Insekten und Reptilien. „Wir arbeiten eng mit dem Nabu zusammen“, sagt Fachberater Frank Peltzer. „Die Naturschützer geben uns Tipps, Pflanzensamen und Weidenruten.“ Letztere werden zum Beispiel in Kürze wieder angeliefert. Denn auf dem Kinderspielplatz der Anlage sollen Iglus entstehen.

Gleich in der Nähe des Spielplatzes befindet sich das Kinderbeet. Mädchen und Jungen von der Kita „Mühlenkinder“ in Güdderath pflanzen, pflegen und ernten hier regelmäßig ihr eigenes Gemüse und Obst. Alles „Bio“ natürlich. „Als die Kinder hier das erste Mal ihre eigenen Kürbisse geerntet haben und stolz vorzeigten, hatten wir richtig Pippi in den Augen“, sagt Peltzer. Vereinsvorsitzender Friedrich Brill kann dem nur beipflichten: „Das war richtig emotional.“ Es mache einfach Spaß, zu sehen, wie begeistert die Kinder bei der Sache seien. Und: Die Arbeit in der Kleingartenanlage hat Folgen. „Viele möchten keine gekauften Tomaten mehr essen, weil die ihnen nicht mehr schmecken“, berichtet Peltzer. „Das haben sie zu Hause erzählt, und jetzt interessieren sich auch wieder mehr junge Familien für einen Kleingarten.“ Es gab Zeiten, da hatte Brill 20 interessierte Laubenpächter auf der Warteliste.

Franz Peltzer (links) und Friedrich Brill am Bauerngarten der Anlage. Foto: Gabi Peters

Besonders umwelt- und bienen- freundlich wurde die Odenkirchener Anlage, als Brill und Peltzer in den Vorstand kamen. Als alte Gehölze Wildblumenwiesen weichen sollten, sahen das nicht alle Parzellen-Bewirtschafter sofort ein. Aber mittlerweile sind etliche „Laubenpieper“ infiziert, haben ihr eigenes Insektenhotel und bienenfreundliche Blumen in ihren Beeten. Klar, es gebe auch noch die, die nur zum Grillen in den Garten kommen. Aber die seien in der Minderheit, genauso wie die, die ihre Parzelle mit pflegeleichten Rasen auslegen. „Tennisplatz“ nennen Brill und Peltzer diese Gärten scherzhaft.

Bei Hans Prickel sieht das ganz anders aus. Der 80-Jährige hat schon Zwiebeln, Kartoffeln, dicke Bohnen und Schwarzwurzeln angepflanzt. Der Verzehr des eigenen Gemüses scheint jung zu halten. „Gucken Sie sich mal an, wie schwungvoll der den Garten umgräbt“, sagt Peltzer anerkennend.

In der dreifach ausgezeichneten Kleingartenanlage (Gesamtsieger, 1. Platz umweltfreundlicher Garten und 3. Platz kinderfreundlicher Garten) wird demnächst noch einiges passieren. Zu Kräuterbeet, Bienen- und Schmetterlingswiese und einem Beet mit Pflanzen aus Naturschutzgebieten sollen sich demnächst noch zwei Bienenstöcke gesellen.

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