Mönchengladbach: Niers und Gladbach werden renaturiert zum Schutz vor Hochwasser

Umbau der Gewässer : Gladbachs neue Liebe zum Wasser

In Lürrip soll der alte Gladbach wieder sichtbar werden. Im Bresgespark wird die Niers renaturiert und der Bungtbach wurde zur Auenlandschaft. Die Flüsse haben die Stadt schon immer geprägt und werden nun wiederentdeckt.

Es muss mal eine Zeit gegeben haben, in der die Einwohner von Mönchengladbach ziemlich stolz gewesen sind auf das Gewässer vor den Toren der Stadtmauer. Am Fuße des Abteibergs floss der Gladbach, von Waldhausen bis zum heutigen Uedding. Er trieb Mühlen an, war Teil der Lebensgrundlage. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist er aber gänzlich aus dem Stadtbild verschwunden, ihn gibt es nur noch als schnurgeraden Kanal in Lürrip. Ein Rinnsal aus Abwasser mit gelegentlich toten Fischen darin. Zumindest in Lürrip steht Mönchengladbach da vor einer Zeitenwende: Der alte Gladbach soll aus seinem Kanal herausgeholt werden. Ebenso wie die Niers, die im Bresgespark aus ihrem Kanal befreit wird. Ebenso wie der Bungtbach, mit dem dies schon vor Jahren gelungen ist. Man kann sagen: Gladbach entdeckt seine historischen Gewässer neu.

Im Stadtzentrum soll der Geroweiher vergrößert werden. Man denkt über eine Tiefgarage unter dem heutigen Parkplatz nach, der dafür wieder zum Teich wird. In der Brache der City Ost trägt gar ein ganzer geplanter Wohnkomplex des Investors Catella den Namen „Seestadt“. „Wasser, nämlich zum Beispiel die Niers und der Gladbach, war der Grund, überhaupt hier zu siedeln“, sagt Barbara Weinthal, Leiterin des städtischen Fachbereichs Umwelt. „Wir wollen das Wasser wieder in die Stadt holen. Mönchengladbach hat immer vom Wasser gelebt und wurde vom Wasser geprägt.“

Wenn eine Stadt neu am Wasser baut, dann hat das aber nicht nur planerische Gründe. Der Bungtbach etwa, den die NEW für fünf Millionen Euro renaturiert hat, ist heute eine Auenlandschaft, die bei Starkregen vom Abwasser gespeist wird. Das soll Hochwasser andernorts verhindern, ist jetzt aber auch Lebensraum für 14.000 Pflanzen und Tiere wie Libellen, Fischreiher, Wasservögel, Muscheln und Fische.

Die NEW ist auch dafür zuständig, den Gladbach wieder in ein natürlicheres Flussbett zu bringen. Die Renaturierung ist in drei Abschnitten geplant. Der erste Bauabschnitt ist der auf dem Reme-Gelände in Lürrip. Dieser Umbau befinde sich laut NEW derzeit in der Genehmigungsplanung. „Es ist vorgesehen, diese Planung Mitte des Jahres bei der Stadt zur Planfeststellung einzureichen“, sagt Sprecherin Daniela Veugelers. Das Planfeststellungsverfahren dauert dann rund ein Jahr. Wenn das abgeschlossen ist, sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden. Außerdem wird, ähnlich wie am Bungtbach, ein Regenklärbecken gebaut. Dort wird schmutziges Wasser gereinigt, bevor es in den Bach eingeleitet wird.

Auch die Niers wird in den kommenden Jahren in ähnlicher Weise umgebaut. Das übernimmt der Niersverband, auch, aber nicht nur, weil schlängelnde Flüsse viel schöner sind als kerzengerade Kanäle. Sondern weil die Wasserrahmenrichtlinie der EU bis 2027 einen wirksamen Hochwasserschutz vorsieht. Das geht mit renaturierten Flüssen und Bächen günstiger als mit Regenrückhaltebecken. Im ersten Bauabschnitt wird die Niers im Bresgespark für rund 4,5 Millionen Euro auf einer Länge von 1,1 Kilometern umgebaut werden, aus der gerade verlaufenden Niers wird ein sich in Schleifen durch das Gelände schlängelnder, dann 2,3 Kilometer langer Fluss werden. Die Renaturierung wurde im August 2016 zur Genehmigung eingereicht. Umgebaut ist aber noch nichts. Wie Margit Heinz, Sprecherin des Niersverbandes sagte, könnte bei optimalem Verlauf 2020 Baubeginn sein, wahrscheinlich aber eher 2021. Und das ist nur der Beginn für die Niers. „Auf Mönchengladbacher Stadtgebiet müssen wir insgesamt 16 Kilometer Niers umbauen, um den Flusslauf zu verändern und die Fließgeschwindigkeit zu reduzieren“, sagt Professor Dietmar Schitthelm, Vorstand des Niersverbands.

Es wird lange dauern, aber Gladbachs Identität und Bezug zum Wasser verändern.

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