Mönchengladbach: Landscaping im Quartier Abteiberg

Projekt in Mönchengladbach : Spurensuche im Quartier Abteiberg

Das Projekt „Audiovisuelles Landscaping“ will den Stadtteil um den Abteiberg hör- und sichtbar machen. Projektleiter ist das Arbeitslosenzentrum. Im Haus an der Lüpertzender Straße wird das Ergebnis im Sommer präsentiert.

Museum Abteiberg, Münsterbasilika und Roermonder Höfe sind prominente Eckpunkte im Erscheinungsbild des Quartiers rund um den Abteiberg. Das birgt einen Schatz an bedeutenden Kultur- und Bildungseinrichtungen und erlebt zurzeit einen städtebaulichen Veränderungsprozess.

Der argentinische Fotograf Fabio Borquez und der Klangkünstler Kai Welf Hoyme aus Mönchengladbach haben sich auf Spurensuche begeben, um sich künstlerisch mit dem Quartier und den dort beheimateten Menschen, Räumen und Orten auseinanderzusetzen. Ihre unterschiedlichen Sichtweisen sollen sich verbinden in einem audiovisuellen Landscaping. Das noch offene Ergebnis wird im August/ September im Arbeitslosenzentrum (ALZ) an der Lüpertzender Straße gezeigt.

Das Arbeitslosenzentrum ist Projektleiter und betreut damit eines von 49 Vorhaben der freien Kulturszene, die durch die Stadt gefördert werden. „Wir sind dankbar, dass unser Konzept überzeugt hat“, stellt Karl Sasserath, Leiter des ALZ, zufrieden fest. Das Format soll nicht nur erwerbslose Menschen ansprechen, sondern auch diejenigen, die üblicherweise nicht ins Haus kommen würden. Projektkoordinator Bernhard Jansen setzt mit der Wahl der Künstler Fabio Borquez und Kai Welf Hoyme bewusst auf zwei Kreative mit unterschiedlichen Lebensläufen und künstlerischen Positionen.

Bei der Zusammenführung ihrer Arbeiten ist Reibung erwünscht. „Wir sind gespannt, wie sich alles entfalten und die daraus entwickelte Präsentation aussehen werden“, sagt Jansen und verspricht einen garantiert unkonventionellen wie auch experimentellen Ansatz. Der soll keine Dokumentation des Viertels darstellen, sondern über den künstlerischen Blick die Wahrnehmung anregen. Angedacht ist ein Rahmenprogramm mit Kooperationspartnern, wie zum Beispiel Schule und Firmen. Noch steht vieles auf Anfang, die Ideen klingen vielversprechend.

Kai Welf Hoyme will den Klängen und Geräuschen des Ortes nachspüren. Das werden sicherlich Umgebungsgeräusche sein, vermutlich auch Stimmen, eventuell der Orgelklang im Münster. „Ich halte mein Ohr an das Quartier“, sagt der Klangkünstler, der das Geräusch- und Klangszenarium in collagenartiger Form künstlerisch verfremden und weiterführen will. Er denkt unter anderem an einen „Chor“ von Schülern und Anwohnern. Der Park könnte als Ort der Ruhe auf die Komposition einwirken.

Borquez ist Fotograf mit dem Hintergrund eines Architekten. Das spiegelt sich in den Fotos, die einen ersten Schritt seines bisherigen Arbeitsprozesses ausmachen. Sie zeigen architektonische Details vor dunklem Grund, von dem sich die Motive über die Beleuchtung auf eigenwillige Weise absetzen. In diesem Szenarium wirkt eine Museumsansicht beinahe zeichenhaft, symbolisch aufgeladen. Er wolle ebenso die unschönen Seiten des Quartiers zeigen, vermutlich auch in einer unerwarteten Ästhetik, betont der Argentinier. Das Schöne und Hässliche, Oben- und Unten-Sein im gesellschaftlichen Gefüge benennt er als Teile eines Rades, das Leben heißt und jederzeit einer Umkehrung der Verhältnisse unterworfen sein kann.

Sein Anliegen sei die Reflexion und dafür wähle er einen konkreten Ansatz, sagt Borquez. Seinen Part in der Präsentation hat er als einen Parcours angedacht, der vermutlich auf eine Installation mit einer Dramaturgie hinauslaufen werde – ob filmisch oder fotografisch, ist noch nicht entschieden. Kai Welf Hoymes Klangwelten ergänzen den visuellen Part, im Ansatz vermutlich spielerischer als der von Borquez´, wie der Künstler verrät.

Mehr von RP ONLINE