Mönchengladbach: Kinder sollen wieder zu Fuß zur Schule gehen

Verkehrserziehung in Mönchengladbach : Kinder sollen wieder zu Fuß zur Schule gehen

Polizei: „Wir brauchen keine Elterntaxis, wir brauchen starke Kinder.“ Die Schulwegaktion ist wieder gestartet.

Die Kinder der Kita „Villa Sonnenschein“ haben’s drauf: Am Bordstein muss man mehrfach in beide Richtungen schauen, bevor man über die Straße geht. Sie wissen sogar, wie sie sich verhalten müssen, wenn sie zwischen parkende Autos hindurch müssen.

In der „Villa Sonnenschein“ wird viel Wert auf Verkehrserziehung gelegt. Die Kita liegt an einer Straße, an der oft viel zu schnell gefahren wird. Deshalb wird mit den Mädchen und Jungen oft geübt, wie man über die Straße kommt, auch wenn keine Ampel oder Zebrastreifen da ist.

Am Freitag bekamen alle Kinder, die in ein paar Monaten zur Schule gehen, ein Schulwegheft, das zum Projekt „Sicher zur Schule“ von Verkehrswacht, Stadtsparkasse und Borussia-Stiftung gehört. Und auch die Eltern wurden mit einer Broschüre ausgestattet. Denn sie sollen zusammen mit ihren Kindern den Schulweg üben. Und sie sollen überzeugt werden, dass Kinder wieder zur Fuß zur Schule gehen. Damit soll auch das Problem „Elterntaxis“ eingedämmt werden, das es nicht nur vor Schulen, sondern auch vor Kitas gibt. Autos parken mitten auf der Straße, Fußgänger und Radfahrer bahnen sich ihren Weg vorbei an hupenden Fahrzeugen und gestressten Eltern.

Der tödliche Unfall eines Mädchens im Dezember vergangenen Jahres, an dem ein Elterntaxi beteiligt war, habe gezeigt, wie wichtig das Projekt ist, bei dem Kinder lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen, sagt Markus Frieben von der Borussia-Stiftung. „Wir brauchen keine Elterntaxis, wir brauchen starke Kinder.“ Das findet Polizist Karl-Heinz Ditges, von den Kindern nur Kalle, genannt. Er betreut 30 Kindergärten und übt mit den Mädchen und Jungen, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten sollen.

Kalle Ditges bietet aber auch Elternveranstaltungen an. Das Interesse daran lasse jedoch manchmal zu wünschen übrig, sagt er. „Ich habe Kindergärten mit 120 Kindern, und zur Elternveranstaltung kommen nur vier Teilnehmer“, sagt er. Das sei zum Glück nicht überall so, aber das gebe es durchaus.

Kalle Ditges wird nicht müde zu erklären, wie wichtig es ist, dass sich die Eltern an der Verkehrserziehung beteiligen. „Sie sind Vorbilder“, sagt er. „Ich sehe die Kinder an zwei bis drei Tagen, die Erzieherinnen an 220 Tagen, die Eltern an 365 Tagen.“ Entschuldigungen für eine Nicht-Teilnahme an den Elternveranstaltungen, wie „Ich muss arbeiten“ oder „Da läuft Champions League“, lässt der Polizist nicht gelten. Eltern müssten sich für die Kinder bei einem so wichtigen Thema ein Zeitfenster nehmen. „Oder sie schicken Oma oder Opa, Tante oder Onkel, die später mit den Kindern üben“, sagt er.

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