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Mönchengladbach: Opa-Kolumne von Dieter Weber - Serienmarathon

Opa-Kolumne : Wie „Inessss“ bei Opa für sprachliche Hürden sorgt

Die Helden unsrer Kindheit haben wir oft in TV-Serien gefunden. Das war auch bei unserem Kolumnisten so. Seine Enkelinnen machen es ihm nach – auch wenn sich ihre Idole von seinen deutlich unterscheiden.

Ich hasste die sonntäglichen Nachmittagsspaziergänge mit den Eltern. Dauerregen, Schneestürme, Minusgrade – das habe ich herbeigesehnt, weil sie die Runde durch meinen Geburtsort Grefrath verhinderten. Und warum? Weil ich auf den Ruf „Fury!“ und das Wiehern eines Pferdes gewartet habe. Die Geschichten des Hengstes mit dem Jungen Joey waren mein sonntäglicher Höhepunkt. Ob ich die 25-minütige TV-Folge sehen konnte, bestimmte, was ich später mit meinen Freunden Hans-Jürgen und Herbert nachspielte. Verpasste ich „Fury“, war ich außen vor.

Neben „Fury“ waren „Lassie“, „Rin-tin-tin“ und „Flipper“ TV-Höhepunkte für Kinder der späten 1950er und frühen 1960er Jahre. Ich möchte nicht in Erinnerungen schwelgen. Aber es gibt Parallelen zu heute. Auch wenn die heutige Kinder-Generation neue TV-Möglichkeiten und einen anderen Medienkonsum hat, gehört eine Frage meiner Enkelinnen Hannah (10), Matilda (7) und Elisa (4) zu den häufigen: „Dürfen wir eine Folge gucken?“

Die Unterschiede zu früher sind allerdings gewaltig. Wenn wir damals eine TV-Serienfolge verpasst hatten, mussten wir auf Wiederholungen jahrelang warten. Heute ist alles abrufbar. Es gibt Mediatheken, Youtube und spezielle TV-Angebote, die man bezahlen muss. Sind unsere Enkelinnen bei uns zu Besuch, gibt’s lediglich das klassische Programm. Da kann man Serien über die Mediathek gucken – aber durchaus in einer Dauerschleife, wenn man’s will.

Eines ist so wie zu meiner Kinderzeit: Folgen werden nachgespielt. Und da bin ich als Opa gefragt. Dies umso mehr, weil während der Corona-Pandemie Freundinnen und Freunde als Mitspieler ausfallen. Das Problem dabei: Ich bin als „Schauspieler“ zwar willig, aber ich kenne die Inhalte nicht oder kaum. „Find me in Paris“ zum Beispiel ist eine Zeitreise einer jungen Ballett-Tänzerin. Die Serie gehört nicht zu meinen TV-Favoriten, und für Balletttanz bin ich wenig geeignet. Meine Enkelinnen dagegen machen Ballett und haben alle Folgen schon mehrfach gesehen.

Interessant ist es für mich, die Abläufe des TV-Guckens zu beobachten. Die Jüngste sitzt in der Mitte und bestimmt, welcher Serienteil geschaut wird. „Nein – die nicht. Die auch nicht. Ich will die!“, fordert sie. Die Großen kuschen, um Streit zu vermeiden. Kaum läuft der Filmeinstieg, beginnt die Verteilung der Rollen: „Ich bin die!“ „Nein, ich will Lena Grisky sein, du kannst Dorothea oder Romy sein!“ Mir sagen Figuren und Namen nichts. Das ist ein Fehler. Denn beim Nachspielen nehmen meine Enkelinnen darauf wenig Rücksicht, Schwächen bei der Umsetzung werden nicht akzeptiert. „Mann, Opa! So ist das nicht in der Folge. Du musst besser aufpassen“, höre ich.

Noch schwieriger ist es für mich, Figuren zu identifizieren. „Ich bin Inessss!“, sagt Elisa. Wie viele Vierjährige stößt sie bei S-Lauten leicht mit der Zunge an. „Ach, du bist Ines“, antworte ich. Empört ruft sie: „Inessss!“ Weil ich einen mir unbekannten Namen, eventuell mit dem englischen „th“ vermute, spreche ich nach: „Du bist Iness!“ Elisa ist entsetzt: „Opa, Inessss! Inee-essssss!“ Ich habe mir die TV-Serie samt Nachspann danach angeguckt. Das Mädchen heißt Ines, französisch „Inessss“ ausgesprochen.

Vielleicht kann ich Elisa überzeugen, bei der künftigen Wahl eines Namens Opas Hörvermögen nicht zu überfordern. Monika ist doch auch schön.

Kolumnist Dieter Weber ist Opa von Hannah (10), Matilda (7) und Elisa (4). An dieser Stelle berichtet er regelmäßig vom aufregenden Opa-Leben.