Mit der "Sportmotorischen Testung" sollen Kinder in Mönchengladbach in Bewegung gebracht werden

Sport in Mönchengladbach : Stadt will Kinder in Bewegung bringen

Mit sportmotorischen Tests wollen Stadt und Stadtsportbund bewegungsarme Kinder in den ersten Klassen ausfindig machen. Sie sollen mit Hindernislauf und Ballspielen gefördert werden. In zehn Grundschulen geht das Projekt an den Start.

Viele Kinder in Mönchengladbach bewegen sich zu wenig. Zu verlockend sind die digitalen Medien, das Spielen mit dem Handy. In der schönen neuen Digitalwelt sitzen die Kinder drinnen, starren auf ein Display und daddeln statt draußen herumzutoben. Auch Eltern sind übervorsichtig geworden und schicken die Kinder nicht mehr zum Spielen ins Freie. Jedenfalls gibt es immer mehr Kinder in der Stadt, die man in schönstem Verwaltungsdeutsch als „bewegungsarm“ bezeichnet. Sie können schlecht hüpfen, auf einem Bein stehen oder gar rückwärts laufen, haben keine Erfahrung beim Ballspiel. Bei der Schuleingangsuntersuchung fällt auf, dass sie motorische Grundfähigkeiten nicht mehr sicher beherrschen.

 Dagegen will die Stadt Mönchengladbach nun gemeinsam mit dem Stadtsportbund etwas unternehmen. „Sportmotorische Testung“ lautet die Zauberformel. Die Grundschüler sollen im zweiten Schuljahr bestimmte Tests durchlaufen. „Diese sollen nicht schwierig sein“, erklärt Jürgen Huppertz vom Fachbereich Schule und Sport im Schulausschuss. „Wir wollen nur die motorischen Grundfähigkeiten ermitteln.“ Und zwar mittels solcher Dinge wie Hindernislauf oder Koordination am Ball. „Das, was wir früher vielleicht nicht alle gern gemacht haben, aber konnten“, sagt Huppertz. Zwei Jahre später, also wenn die Kinder in der vierten Klasse sind, soll es eine erneute Testung, einen Re-Check geben. So weit, so gut, aber nicht grundsätzlich neu. Ähnliche Testungen werden auch in Düsseldorf und Viersen durchgeführt. Der Gladbacher Ansatz geht aber weiter. Hier greift die Kooperation mit dem Stadtsportbund. Zwischen den beiden Tests, also im dritten Schuljahr, wird es eine Bewegungsfördergruppe für als bewegungsarm erkannte Kinder geben, geleitet von Trainern der Sportvereine. So werden die motorischen Defizite nicht nur erkannt, sondern auch behoben. Die Kinder werden zusätzlich in Bewegung gebracht, ihre Motorik wird geschult.

Begonnen wird mit dem Projekt in zehn Grundschulen, die mit Hilfe der Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen und Daten der Sozialraumanalyse identifiziert wurden. Dazu gehören unter anderen die Carl-Sonnenschein-Grundschule, die evangelische Grundschule Pahlkestraße, die Hermann-Gmeiner- und die Franz-Wamich-Grundschule. Die Bewegungsförderung wird zusätzlich zum Sportunterricht angeboten.

Aber auch für Kinder mit besonders ausgeprägten motorischen Fähigkeiten soll sich der Motorik-Test auszahlen. Sie sollen in die Vereine geholt werden, wo sie ihre sportlichen Talente entwickeln können. Eine Talentiade und Sporttage in den Schulen sind geplant, bei denen sich Eltern, Kinder und Vereine kennenlernen können. „Die Eltern wissen oft gar nicht, welche Vereine in der Nähe der Schule vorhanden sind“, erklärt Huppertz. Für all diese Aktivitäten stellt der Stadtsportbund seine Kompetenzen und Kontakte zur Verfügung.

Die Finanzierung der sportmotorischen Testungen erfolgt über Mittel, die für die Jugendförderung der Vereine zur Verfügung stehen und über ein Förderprogramm des Landes. „Das Projekt ist auf sechs Jahre abgesichert“, sagt Huppertz. Das macht es möglich, zu erkennen, ob der Ansatz funktioniert und die motorischen Defizite erfolgreich behoben werden können.

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