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Mönchengladbach: Bei Familie Ratkovic ist das ganze Jahr Karneval

Karnevalsfamilie in Mönchengladbach : Das ganze Jahr ist Karneval

50 Auftritte absolvieren Mia und Thea pro Karnevalssession in Altenheimen, Kitas und Schulen. Was es für eine Familie bedeutet, wenn die Kinder Gardetanz als Hobby wählen.

Was – nur zwei Auftritte an diesem Tag? Da guckt Mia schon fast enttäuscht. Die Siebenjährige ist begeistertes Funkenmariechen in der Juniorengarde der Mönchengladbacher Prinzengarde und kann von Auftritten gar nicht genug bekommen. Doch am Abend nach bis zu fünf Einsätzen während eines Sessionstages ist vor allem eine müde: Mutter Yvonne Ratkovic. Ihre beiden Töchter – auch die fünfjährige Thea tanzt schon bei den Junioren – wirbeln dann noch durch die Wohnung, proben die Schritte, die sie den Solotänzerinnen abgeguckt haben und hören Karnevalsmusik.

Rund 50 Auftritte absolvieren die jungen Tänzer während der Session. Die Juniorengarde besteht zurzeit aus zwölf Mädchen und Jungen, die von Cindy Glasmacher trainiert werden. Sie treten in Altenheimen und Kitas, Schulen oder auch den Hephata-Werkstätten auf. Während der Hoch-Zeit des Karnevals in Mönchengladbach sind die Wochenende dicht, wie Yvonne Ratkovic bestätigt. „Aber ich mache das sehr gern, solange die Kinder Spaß daran haben.“

Die Juniorenkarnevalsgarde tritt bei der Arbeiterwohlfahrt auf. Mia und Thea genießen die Auftritte. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Wenn Kinder im Karneval mitmachen, ist die ganze Familie gefordert. Weil die Eltern oder Großeltern die Kleinen natürlich noch begleiten. Gardist kann man nämlich gar nicht früh genug werden. Schon ab drei Jahren können die Kinder mitmachen und die schicken Uniformen tragen, die es Mia und Thea besonders angetan haben. Die beiden sehen auch hinreißend aus im rot-weiß-goldenen Outfit. Aber ehe sie beide voll kostümiert zur Abfahrt bereit sind, geht einige Zeit ins Land. „Wir brauchen mindestens eine Stunde Vorbereitung“, sagt Yvonne Ratkovic. So eine Uniform besteht aus vielen Teilen mit etlichen Knöpfen und Ösen. Die Strumpfhose will besonders vorsichtig angezogen werden, sonst reißt sie. Thea hat schon die dritte Strumpfhose in Gebrauch, aber naja. Die Frisuren brauchen auch Zeit, deswegen hilft an diesem Tag Yvonne Ratkovics Mutter Claudia Hamacher mit. Beim Flechten von Mias Bauernzopf ziept’s ein wenig, aber dafür hält er dann auch mehrere Auftritte durch. Und Thea strahlt, als auch ihre Frisur mit Haarspray fixiert wird.

Mutter Ratkovic kleidet Mia und Thea für ihren großen Auftritt ein. Auch die Zöpfe müssen geflochten werden. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Dann geht’s zum ersten Auftritt des Tages in die Begegnungsstätte der Awo an der Brandenberger Straße. Der Saal ist bunt geschmückt, die Besucher kostümiert. Die Juniorengardisten versammeln sich eine halbe Stunde vor ihrem Auftritt, um sich warm zu machen. Doch das reicht den jungen Tänzerinnen noch nicht. Mia und Thea wirbeln weiter und zeigen, dass sie das volle Programm mit perfekt hoch geworfenen Beinen beherrschen. Endlich ist es soweit: die Juniorengarde marschiert ein, Kommandant Karl gibt die Kommandos und die jungen Tänzer begeistern mit Radschlag, Handstand und Spagat und ernten heftigen Applaus.

Aber Juniorengardisten sind nicht nur während der Session aktiv – für sie ist das ganze Jahr Karneval. Die Karnevalshits laufen bei Familie Ratkovic auch im Hochsommer oder zur Weihnachtszeit. Yvonne Ratkovic macht das nichts aus. „Ich wollte als Kind auch immer Funkenmariechen sein, aber es hat nicht geklappt“, sagt sie. Jetzt hat sie Spaß daran, ihre Töchter zu begleiten. Karneval ist ein Lebensgefühl – das die ganze Familie teilt.