Mönchengladbach: Das Geschwisterdiplom

Geschwisterschule in Mönchengladbach : Wie Kinder lernen, großer Bruder und große Schwester zu sein

Im Krankenhaus Neuwerk lernen Kinder, wie Babys getragen, gewickelt und gebadet werden. Am Ende gibt es sogar ein richtiges Diplom.

Mayas und Lottas Schwesterchen Greta soll zu Ostern geboren werden. Mias kleine Schwester kommt in einem Monat zur Welt und auch der dreijährige Malte wird bald großer Bruder sein. Um sich auf diese neue und wichtige Rolle vorzubereiten, sind die vier an diesem Nachmittag in die Geschwisterschule im Krankenhaus Neuwerk gekommen. Schwester Jenny holt sie im Foyer ab und bringt sie in einen Raum, in dem Babypuppen, eine Badewanne, Wickelmaterialien und ein Kinderbett bereitstehen.

„Diese Puppe heißt Clara und ist so groß und so schwer wie ein Baby“, sagt die Kinderkrankenschwester, die den Geschwisterkurs leitet, als alle gemütlich auf einer Matte auf dem Boden sitzen. Malte nimmt behutsam die Puppe auf den Arm. „Worauf muss man achten, wenn man ein echtes  Baby hochnimmt?“, fragt Schwester Jenny. Maya ist schon sieben, hat eine verschmitzte Zahnlücke  und weiß Bescheid. „Man muss immer den Kopf stützen“, erklärt sie, während sie nun die Puppe in den Armen wiegt. Und außerdem dürfe man das Baby beim Ausziehen nicht  auf den Kopf stellen, lacht sie, als sie beginnt, die Puppe auszuziehen und sie dabei auch mal schräg hält. Schwester Jenny bereitet inzwischen das Badewasser vor. „Legt einem Baby beim Ausziehen keine Kleidung aufs Gesicht“, warnt sie. „Es kann dann nicht atmen.“

Jetzt wird Puppe Clara gewaschen. Die Kinderkrankenschwester zeigt, wie man ein Baby sicher im Wasser halten kann. Nun taut auch die zweijährige Mia auf und greift voller Eifer zum Waschlappen. Zuvor hat sie das Ganze etwas aus der Ferne betrachtet. „Sie freut sich sehr auf ihre kleine Schwester“, sagt Mias Mutter, die ausnahmsweise beim Geschwisterkurs dabei ist. „Ich wollte gern, dass sie das Krankenhaus schon bei diesem Kurs kennenlernt, damit sie weiß, wo das Baby geboren wird.“ Die Kinder sind weiter mit Begeisterung bei der Sache. Lotta hat Feuchttücher entdeckt. „Damit kann man dem Baby den Popo saubermachen“, strahlt sie.  Dann legt  Mia der nun rundherum sauberen Clara gekonnt die Windeln an. Nachdem die Puppe schlafen gelegt wurde, sehen sich die Kinder noch gemeinsam ein Bilderbuch an. „Ein Baby, das im Bauch der Mutter wächst,  ist zu Anfang kleiner als ein Gummibärchen“, erklärt Schwester Jenny. „Es ist nur so groß wie eine Erbse.“

Zum Schluss  geht es in den Kreißsaal. Der Raum präsentiert sich in Borussengrün. „Gemütlich wie ein Wohnzimmer“, findet Maya, während Lotta es sich auf einem Kissen bequem macht.  „Hast du dir das so vorgestellt?“ fragt die Kinderkrankenschwester. Maya schüttelt den Kopf. Nein, sie habe ganz viele Geräte erwartet.

Die Kinder dürfen noch ein Neugeborenes bestaunen, das satt und zufrieden auf dem Arm seines Papas schläft. Sooo klein… Dann ist der Kurs zu Ende und sie bekommen eine Urkunde, ein richtiges  Geschwisterdiplom. Die kleinen  Geschwister können kommen. Die Älteren sind gut vorbereitet.

Und was können Eltern zu Hause tun, um die Großen auf den Familienzuwachs einzustimmen und Eifersucht zu verhindern? „Es ist gut, sie viel einzubinden. Sie zum Beispiel mal zum Frauenarzt mitzunehmen, damit sie auf dem Ultraschallbild das Baby sehen können“, sagt Schwester Jenny. Nach der Geburt rät sie, die Älteren auf jeden Fall ins Krankenhaus mitzunehmen. „Und später viel zusammen kuscheln.“ Wenn die Größeren außerdem noch in die Pflege des Babys eingebunden werden, komme es ihrer Erfahrung nach nicht zu Eifersüchteleien.

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