Familien in Mönchengladbach: Mehr Eltern nehmen Frühe Hilfen an

Familien in Mönchengladbach : Mehr Eltern nehmen „Frühe Hilfen“ an

Über die Fachstelle können Eltern Hilfe in allen Lebenslagen bekommen. Das Angebot wird seit Jahren immer besser angenommen, auch weil es inzwischen bekannter ist. Die Stadt will das Präventionsangebot weiter ausbauen.

Fast 3700 Mal haben Eltern 2018 Rat bei der Fachstelle Frühe Hilfen gesucht. Damit ist diese Zahl seit der Gründung vor neun Jahren stetig gestiegen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Im Vergleich zu 2017 wurden noch mal mehr als 150 zusätzliche Anfragen gestellt – 2011 waren es nur 500.

Die Fachstelle sowie das Netzwerk Frühe Hilfen kümmern sich darum, dass Eltern von Kindern bis sechs Jahren Informationen, Beratung und Ansprechpartner vermittelt bekommen – und zwar in jeder Lebenslage. Sozialdezernentin Dörte Schall nennt Beispiele: Wenn Eltern überfordert sind, können Familienpaten vermittelt werden, die Zeit mit den Kindern verbringen und so die Eltern entlasten. Wenn Kinder schlecht in der Schule sind, wird gemeinsam nach Nachhilfeangeboten gesucht, und sehr aktiven Kindern kann ein Sportangebot helfen.

„Wir freuen uns, dass wir das kleine Anfangsprojekt so ausweiten konnten“, sagt Schall. Inzwischen nehmen rund drei Viertel der frischgebackenen Eltern die Willkommensbesuche der Frühen Hilfen an, zu denen Mitarbeiter eine Tasche mit einem kleinen Geschenk und Infomaterialien vorbeibringen. „Dabei soll vermittelt werden: Da ist jemand, an den ich mich wenden kann, wenn ich Hilfe brauche“, sagt Schall. Dass nicht noch mehr Eltern von dem Angebot Gebrauch machen, liege auch daran, dass sie bei dem zweiten oder dritten Kind keine weiteren Informationen brauchen – oder aber keine Fremden in ihre Wohnung lassen wollen.

Dass die Anfragen bei der Kontaktstelle gestiegen sind, erklärt die Sozialdezernentin unter anderem mit der gestiegenen Bekanntheit des Angebots. So würden inzwischen bei den Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt, zu denen Eltern verpflichtet sind, die Mediziner in Mönchengladbach auf die Hotline der Frühen Hilfen hinweisen. „Es wissen also alle Eltern in Mönchengladbach von dem Angebot“, sagt Schall. Zudem würden sich Eltern vermehrt trauen, nach Hilfe zu fragen. Dabei handele es nicht immer um schlimme Fälle. „Es kann auch mal darum gehen, dass sich ein Elternteil einen Arm gebrochen hat und nicht mehr wickeln kann. Da vermitteln die Frühen Hilfen dann zum Beispiel an die Krankenkassen“, sagt Schall.

Ziel aller Maßnahmen der Frühen Hilfen sei es, zu verhindern, dass Eltern überfordert sind. In extremen Einzelfällen hatte unter anderem eine solche Überforderung dazu geführt, dass Eltern in Mönchengladbach ihre Säuglinge umgebracht hatten. Im Oktober 2015 war so der kleine Leo gestorben, im Februar 2018 der kleine Ben. „Durch die Präventionsangebote versuchen wir zu verhindern, dass Eltern in solche Überforderungssituationen kommen“, sagt Schall. Ob die Angebote wirken, kann die Dezernentin nicht belegen: „Prävention ist schwer messbar“, sagt sie.

In diesem Jahr will die Stadt die Angebote der Frühen Hilfen weiter ausbauen. So werden ab dem Sommer auch Eltern von Zweijährigen angeschrieben, um sie – etwa wenn sie zugezogen sind – über die Angebote zu informieren oder daran zu erinnern. Auch sollen Mütter-Cafés ausgebaut werden, in denen Frauen mit Fachleuten über den Wiedereinstieg in den Beruf sprechen können – noch immer vor allem ein Frauenproblem, sagt Schall. Deshalb sollen in diesem Jahr auch die Väter weiter in den Mittelpunkt rücken und motiviert werden, mehr Erziehungsarbeit zu übernehmen. Dafür müssten sie sicherer im Umgang mit den Kindern werden: „Aber in Krankenhäusern wird oft noch der Frau gezeigt, wie man wickelt“, sagt Schall.