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Meerbusch: Schönheit aus Chrom und Stahl

Meerbusch : Schönheit aus Chrom und Stahl

Nur Augen für die aufpolierten alten Karossen hatten die Besucher am Sonntag auf der Ilvericher Festwiese. Oldtimer-Fans präsentierten ihre Meisterwerke, die meistens eine ganz eigene Geschichte haben.

Zum Auftakt lief wettermäßig noch alles bestens für das Ilvericher Dorffest, zu dem der Bürgerverein auf die Festwiese eingeladen hatte. Es blieb trocken und ein wunderschöner Sonnenuntergang umrahmte die Musik der Coverband "Mammaplatzda".

Johannes Max Riemann zeigt seinen Mercedes mit Uli und Jan Münker (v.r.). Den Wagen vermietet er auch als Hochzeitsauto. Foto: Dackweiler, Ulli

Etwas skeptisch waren die Gesichter der Organisatoren hingegen am Sonntag zur Oldtimer Show. Letztlich parkten auf der Wiese aber 40 historische Vehikel, von bullig bis kompakt. Zu ersteren zählte ein 66er Chevrolet C 10 Pickup in leuchtendem Rot und mit kraftstrotzendem 5,7 Liter V8-Motor unter der Haube. Zu den letzteren ein ebenfalls in leuchtendem Rot lackierter Fiat 500, mit größerer Bereifung, dickem Auspuffrohr sowie offenstehender Motorhaube ein besonders heißer "Cinquecento".

Als Werner Verhülsdonk sein silbernes Borgward Isabella Cabrio gegenüber eines schwarzen Mercedes-Benz 190 SL geparkt hatte, schienen sich die beiden Klassiker mit der gleichen Eifersucht im Blick zu mustern wie einst die italienischen Filmdiven Sophia Loren und Gina Lollobrigida. Vor sieben Jahren hatte der Gastronomie-Kaufmann Verhülsdonk mit Sohn Peter den Borgward, Baujahr 1958, auf der Essener Techno-Classica entdeckt.

"Ich fand das Auto absolut toll, hätte es aber nie gekauft, weil es mir zu teuer schien", sagte Verhülsdonk. Zu seinem 65. Geburtstag kam er allerdings doch noch zu seinem Traumauto, denn die Familie hatte für den Borgward zusammengelegt. "Seitdem machen wir viele schöne Ausfahrten und haben an der 25. Kitzbühler Alpenrallye teilgenommen, bei der die Isabella sogar den 2400 Meter hohen Groß-Glockner gemeistert hat", erzählt Dagmar Verhülsdonk stolz.

Das Glück, dass auch seine Frau seine Auto-Leidenschaft teilt, hat ebenfalls Akki Buschmann. Heute ist er mit einem kleinen Renault 4 CV "Grand Luga" von 1955 auf die Festwiese gerollt. Kaum zu glauben, aber wie Buschmann versichert, war das viertürige Wägelchen mit gerade mal 49 Pferdestärken zu seiner Zeit ein Rallye-As, das ungleich potentere Sportwagen das Fürchten lehren konnte.

Vier Jahre hat die Restaurierung des seltenen Renault-Exemplars gedauert, heute ist er in einem Zustand, der den damaligen Neuzustand übertrifft. Mit einem Mercedes-Benz der Baureihe /8 fährt Johannes Riemann auf die Wiese. Seit dem babyblauen Exemplar, das einmal sein Onkel fuhr, ist er diesem Mercedes-Jung-Klassiker verfallen. "Mit 18 hatte ich meinen ersten, doch der TÜV hatte damals etwas gegen zu viele Roststellen, da habe ich mir geschworen, sobald du mal genug Geld hast, kaufst du dir wieder einen", so der Journalist.

Heute ist er Eigentümer eines 230er in elfenbeinfarbenem Lack. A propos Elfenbein, "Wie in Indien, wo Arbeitselefanten zu ihren Unterhalt beitragen müssen, muss auch mein /8er für seinen Unterhalt sorgen, deshalb kann man ihn beispielsweise für Hochzeitsfahrten mieten", so Riemann.

(RP/rl)