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Meerbusch: Feiertag der Strümper Schützen

Meerbusch : Feiertag der Strümper Schützen

Kräftige Schauer prasseln auf den Festplatz an der Ecke Fritz-Wendt-Straße/Osterather Straße herunter. Ein Wetter, bei dem die meisten Menschen daheim bleiben. Aber das Meer aus Regenschirmen verrät: Dort wird Schützengeschichte geschrieben.

Zum Vogelschießen sind sie alle gekommen. "Die Kandidaten mögen jetzt nach vorne treten", sagt Karl-Heinz Rütten, Präsident des Heimat- und Schützenvereins Strümp (HSV), über die Lautsprecheranlage. Die Spannung steigt. Schon vorher machten verschiedene Namen die Runde — doch jetzt ist die Stunde der Wahrheit. Meerbuscher aus allen Ortsteilen halten Ausschau. Dann ist klar: Peter Wellemsen von der Marine-Kompanie ist der einzige Königsanwärter.

Der 68-Jährige wirft noch einen schnellen Blick zu seiner Lebensgefährtin Uschi Kamp, dann geht es los. Und es dauert. "Der Vogel ist für einen spannenden Wettkampf mit mehreren Kandidaten gebaut worden", erklärt Michael Schmidt, Sprecher des HSV. Davon lässt sich Peter Wellemsen nicht aufhalten. Knall auf Knall geht es zur Sache. Ab dem 43. Schuss brechen auf einmal die Wolken auf, die Sonne strahlt. Beim 44. Schuss splittert ein Großteil des Holzvogels nach unten — und mit dem 45. ist es dann um 18.17 Uhr so weit: "Hurra!", gehen alle Hände in die Höhe, der Vogel ist unten.

trümp hat einen neuen König. Peter III. Wellemsen ist bereits der zweite König in seiner Familie. Sein Onkel Paul war von 1958 bis 1961 bereits das Oberhaupt der Strümper Schützen. "Ich bin heute Mittag erst gefragt worden", sagt Uschi Kamp ganz benommen. In Strümp muss in den meisten Fällen die Ehefrau das Okay geben. "Das war ein Herzenswunsch von mir", sagt Peter Wellemsen direkt nach seinem Triumph

. Schon vor 21 Jahren nahm er beim Vogelschießen teil, damals musste er sich geschlagen geben. Jetzt hat es geklappt. Und dabei ist Peter Wellemsen kein Unbekannter — vielen ist er als "der Schuster von Strümp" bekannt. Der heutige Rentner arbeitete zuletzt im Düsseldorfer Schauspielhaus. Wenn er nicht für die Marine-Kompanie im Einsatz ist, ist er für seine beiden Töchter und seine Enkel da. "Er fährt auch gerne nach Berlin zur Pferderennbahn", sagt Thomas Knechten von der Marine-Kompanie.

So groß die Freude an diesem Tag ist, bedeutet ein neuer König auch den Abschied von seiner alten Majestät König Josef Arts. Bereits am Vortag huldigte das Festzelt König "Jupp" ein letztes Mal beim Königsabschiedsabend. "Sie sangen alle zusammen das auf mich umgeschriebene Lied 'An Tagen wie diesen'", sagt Josef Arts. Mit seiner Regentschaft in Begleitung seiner Ehefrau Marlene sei "ein Traum in Erfüllung gegangen". Wunderschön sei die Zeit als König gewesen. Dies stehe nun Peter Wellemsen alles noch bevor — lang lebe der König.

(RP/rl)