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Meerbusch: Debatte um Hindenburgstraße hält an

Meerbusch : Debatte um Hindenburgstraße hält an

In einem Bürgerantrag hatte der Nierster Christian Thieme die Stadt aufgefordert, die nach dem ehemaligen Reichspräsidenten benannte Straße in Büderich umzutaufen. Im Hauptausschuss wurde die Entscheidung nun vertagt

Am 30. Januar 1933 ernannte er in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Reiches Adolf Hitler zum Reichskanzler: Paul von Hindenburg. Bis heute sind in vielen deutschen Städten noch Straßen nach ihm benannt — so auch in Büderich. In einem Bürgerantrag hatte der Nierster Christian Thieme jetzt jedoch gefordert, die Straße umzutaufen. Auf Antrag der FDP wurde die Entscheidung im Hauptausschuss nun vertagt.

"Wir wollen, dass die Bürger stärker an der Entscheidung teilhaben. Deshalb würden wir sie gerne verschieben", begründete Klaus Rettig, Fraktionsvorsitzender der Liberalen, den Antrag. Bis zur nächsten Sitzung des Hauptausschusses wolle man eine Informationsveranstaltung für Bürger und Politik organisieren, um über die Person Hindenburgs und die Entscheidungen in anderen Städten zur Umbenennung von nach ihm benannten Straßen aufzuklären. Unterstützung für dieses Anliegen bekam Rettig sowohl von der SPD als auch von den Grünen: "Wir halten das für eine sehr sinnvolle Idee, und ich würde mich auch anbieten, für eine solche Veranstaltung Dokumentationen über Hindenburg zu organisieren", erklärte Jürgen Peters von den Grünen.

Kritik an dem Vorhaben gab es hingegen von der CDU: "Ich glaube, jeder weiß, wer Hindenburg war, und wir hatten 50 Jahre die Gelegenheit, die Straße umzubenennen. Warum sollten wir das jetzt tun?", sagte Franz-Josef Radmacher. Es gebe Dutzende Fälle von Personen, die nach heutiger Ansicht nicht ehrenvoll gehandelt hätten und dennoch von historischer Bedeutung seien. "Dann müsste ich auch überlegen, die Bismarckstraße umzubenennen — der hat ja schließlich auch drei Kriege begonnen." Renate Kox, ebenfalls von der CDU, betonte außerdem, dass eine Umbenennung inklusive umfassender Bürgerinformation sehr hohe Kosten für die Stadt bedeuten würde. "Da haben wir doch dringendere Probleme."

Am Ende der Sitzung wurde die Entscheidung dennoch vertagt: Die FDP erklärte, zu dem Thema noch Beratungsbedarf zu haben, woraufhin die Fraktionen ihrem Antrag zustimmten.

(lai)