1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Serie Meerbuscher Bundestagskandidaten: Heveling — in Berlin für die Heimat streiten

Serie Meerbuscher Bundestagskandidaten : Heveling — in Berlin für die Heimat streiten

Will CDU-Kandidat Ansgar Heveling (41) wie 2009 in den Bundestag einziehen, muss er seinen Wahlkreis direkt gewinnen

Gestern war Ansgar Heveling noch einmal in Berlin. Er war extra in die Hauptstadt gereist, um dort eine Besuchergruppe aus dem Rhein-Kreis Neuss zu empfangen. Das könnte das letzte Mal gewesen sein. Doch die Wahlanalysen sehen den Korschenbroicher aktuell bei 45 Prozent. Diese Prognose für den 22. September hört er gerne. Ein Motivationsschub – zweifelsohne. Aber Ansgar Heveling ist lange genug in der Politik, um zu wissen: "Die Entscheidung fällt nicht in Umfragen, bei Schützenfesten oder bei Wahlveranstaltungen, sie fällt am Wahltag." Und dem sieht Heveling gelassen entgegen.

Der Abgeordnete, verheiratet mit Claudia und Vater von Sohn Adrian (8), ist auf keiner Liste abgesichert. Der Bundestagswahlkampf ohne doppelten Boden entspricht seinem Naturell. "Es schläft sich gut damit", versichert der engagierte Christdemokrat mit den Schwerpunkten Recht, Kultur und Medien. "Ich finden es richtig, im Wahlkreis gewählt zu werden."

Er war in Meerbusch, Jüchen, Kaarst und im Krefelder Süden ebenso oft anzutreffen wie in seiner Heimatstadt Korschenbroich. Allein 21 Schützenfeste in seinem Wahlkreis standen in dieser Saison auf seinem Terminplan: "Die ganzen Veranstaltungen, Besuche, Frühstücksgespräche und Kontakte habe ich nicht gezählt."

Ihn findet man auch mit seiner Privatnummer in jedem Telefonbuch. "Ich habe mich nach der Wahl zum Bundestagsabgeordneten bewusst dafür entschieden." Er will auch für ältere Menschen in seinem Wahlkreis direkt erreichbar sein, die über keinen Internetanschluss verfügen. Davon wird auch regelmäßig Gebrauch gemacht. Wenn er in Berlin ist, stellt Ehefrau Claudia den Kontakt zu ihrem Mann in der Hauptstadt her. Sein Prinzip: "Die Bürger vor Ort sollen entscheiden, wer sie in Berlin vertritt. Ich habe dafür vier Jahre hart gearbeitet und deutlich gezeigt, dass ich meine Heimat mit Leidenschaft in Berlin vertreten habe." Auch schon mal gegen seine Parteifreunde: Mit einem möglichen Konverterstandort Osterath ist Heveling nicht einverstanden – und stimmte nicht mit der Union fürs Netzausbaubeschleunigungsgesetz. Seit 1989 gehört er der Union an – zunächst der Jungen Union, bis er 1991 in den CDU-Ortsverband Korschenbroich wechselte.

Seine Motivation, politisch etwas zu bewegen, hat für den Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Korschenbroich heute noch Gültigkeit: "Nicht meckern, sondern selber zupacken." Diese Einstellung wurde über die Jahre hinweg kreisweit immer wieder mit Führungspositionen belohnt. Zuletzt war der Volljurist in der Zeitspanne von 2005 bis 2009 als Ministerialbeamter im Büro des damaligen NRW-Finanzministers Helmut Linssen (CDU) in Düsseldorf im Einsatz.

Hevelings Ziel ist klar abgesteckt. Er will wieder nach Berlin: "In der ersten Wahlperiode ist man Neuling. Man muss in die Arbeit langsam hineinwachsen." Dass das dem Rechtsexperten aus dem Rhein-Kreis Neuss gut gelungen ist, kann jeder an der Zahl seiner Reden nachvollziehen. Er gehört mit 62 zu den eifrigsten Debattenrednern im Bundestag.

Der Brauchtumsfreund – er marschiert als Grenadier bei "Unges Pengste" und beim Neusser Schützenfest mit – hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Damit erklärt er auch sein spezielles Engagement für den Opferschutz. Der Weiße Ring hat ihn im Juni in ein europäisches Fachgremium berufen, um "Opferschutz im EU-Strafrecht neu zu verankern". Als Mitglied im Rechtsausschuss haut er aber nicht mit der Faust auf den Tisch. Er ist kein Polterer. Er mag es kultiviert. Er ist ein Freund der Schönschrift und der wohlformulierten Worte.

(RP)