Sportschießen: Sportschützin Mager hat schon ihr Olympia-Outfit

Sportschießen : Sportschützin Mager hat schon ihr Olympia-Outfit

Mainz Jessica Mager hatte viel Gepäck, als sie gestern Mittag die Kurmainz-Kaserne in Mainz verließ. Wendejacke und Poloshirt, Badeslipper und Gymnastikbeutel, fünf Kappen und eine elektrische Zahnbürste gehören zur 65-teiligen Olympiaausrüstung, die die Gewehrschützin bekam. Die Taschen quollen über.

"Ich werde die Kleidung bestimmt mehr als einmal anziehen", sagte die Leichlinger Athletin. Es sind ja ganz besondere Kleidungsstücke für sie. Denn es sind die für ihre ersten Olympischen Spiele. Als "unbezahlbar" bezeichnet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Ausrüstung.

"Gut, am Anfang dran zu sein"

Von morgen an sind es noch vier Wochen bis zu Magers größtem Wettkampf. Samstag, 28. Juli, 8.15 bis 16 Uhr, The Royal Artillery Barracks, Frauen, Luftgewehr, 10 Meter, Qualifikation, Finale und Siegerehrung — so steht es im Programm der Spiele. "Ich finde gut, dass wir gleich zu Anfang an der Reihe sind", sagt die 24-Jährige. Dann sei der Vorlauf, der das Nervenkostüm doch arg belasten kann, nicht so lang. Die Turner um ihren Lieblingssportler Fabian Hambüchen und die Schwimmer kann sich Mager in Ruhe anschauen, wenn sie ihren eigenen Wettkampf hinter sich hat. Ob ihr der Einzug ins Finale gelingt, ist die große Frage. "Es wird eng", sagte sie. In den Weltcups zeigte sich zuletzt, wie dicht die Weltspitze beieinander ist.

Doch der frühe Termin, den das Programm den Luftgewehrschützinnen zuweist, hat auch einen Nachteil. Gerade als Olympia-Debütantin würde sie gern an der Eröffnungsfeier am Vorabend teilnehmen. Doch möglicherweise ist die Belastung durch stundenlanges Stehen zu groß, und sie muss auf diesen Höhepunkt in jeder Athletenkarriere verzichten. "Vielleicht gibt es aber die Möglichkeit, dass wir nur mit einmarschieren und vorzeitig zurück ins olympische Dorf gehen", hofft sie.

Mager lebt in Solingen, der SV Trompete 04 Leichlingen ist ihr (auch in allen Olympiaunterlagen verzeichneter) Stammverein, und der Post SV Düsseldorf machte sie zur Olympia-Teilnehmerin. Sie arbeitet als Groß- und Außenhandelskauffrau bei der TML Technik GmbH, einem Düsseldorfer Unternehmen, das Spezialmaschinen für Stahlwerke herstellt. Auch in den vorolympischen Monaten ging die Schützen ihrem Beruf nach. Einzige Einschränkung: Die Firma reduzierte ihr Wochenpensum auf 30 Arbeitsstunden.

Mitte kommender Woche reist sie noch zu einem Testwettkampf nach Innsbruck, anschließend treffen sich die deutschen Olympia-Schützen für drei Tage in Berlin. In der vorolympischen Woche trainiert sie für drei Tage auf den olympischen Anlagen, bevor sie noch einmal für drei Tage nach Hause nach Solingen reist.

(RP)
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