Leichtathletik : Speerwurf-Duo im EM-Finale

Linda Stahl und Katharina Molitor überstehen die Qualifikation bei der Europameisterschaft in Helsinki. In einem schwachen Wettkampf bleiben beide Leverkusenerinnen unter der 60-Meter-Marke. Morgen geht es um Medaillen.

Mindestens 60 Meter hatten die Veranstalter in Helsinki als Qualifikationsweite für das Finale im Speerwurf der Frauen ausgegeben. Hätten sie sich sklavisch daran gehalten, morgen Abend (18.30 Uhr deutscher Zeit) würden die Britin Goldie Sayers (60,90 Meter) und die Ukrainerin Vira Rebryk (61,84) den EM-Titel unter sich ausmachen, und die Bronzemedaille fände gar keinen Abnehmer.

So aber wurde das zwölfköpfige Teilnehmerfeld mit jenen aufgefüllt, die unterhalb der 60 Meter am besten waren. Dazu gehörten auch die beiden Leverkusenerinnen Linda Stahl als drittbeste (59,65 Meter) und Katharina Molitor als siebtbeste Werferin (58,34). Auch die dritte Deutsche, Christina Obergföll, kam nur auf 59,49 Meter. "Eigentlich waren die Bedingungen gut. Über 60 Meter hätten es schon sein sollen. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat", sagte Molitor, die in der ersten Qualifikationsgruppe am Mittag ran musste und noch vor dem großen Regen fertig wurde. "Im Finale muss es besser werden. Ich hoffe, dass ich dann einen raushauen kann", sagte die EM-Vierte von 2010.

Als Stahl mit der zweiten Qualifikationsgruppe im Stadion begann, kam ein heftiger Regenschauer herunter. Im dritten Versuch näherte sich die amtierende Europameisterin immerhin bis auf 35 Zentimeter an die 60-Meter-Marke an. "Den letzten Versuch bin ich mit leicht zittrigen Knien angegangen, weil ich gar nicht wusste, wo ich bis dahin stand", sagte Stahl. "Fürs Finale hat die Leistung von heute aber keine Aussagekraft. Da werden die Karten neu gemischt"

Helge Zöllkau, Heimtrainer des Duos beim TSV Bayer 04, geht ebenfalls davon aus, dass seine beiden Schützlinge noch reichlich Luft nach oben haben. "Es wäre schlimm, wenn das schon alles gewesen wäre", sagte er und verwies auf das ein oder andere graue Haar, das Stahl und Molitor bei ihm mit den zähen Würfen hervorgebracht hätten. "Vielleicht haben die beiden das Ganze ein bisschen unterschätzt", mutmaßte Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Bayer-Leichtathleten und ebenfalls in Helsinki vor Ort.

Nicht mehr in Finnland, sondern zurück in Deutschland ist seit gestern dagegen Aleixo-Platini Menga. Beim Leverkusener Sprinter haben sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Er zog sich einen Kreuzband- und Außenbandriss im Knie zu. "Er wird in den nächsten Tagen operiert. Man überlegt derzeit noch, wo", sagte Wellmann. Menga habe ihm aber bei aller Enttäuschung geschrieben: "Ich komme zurück!".

(RP)
Mehr von RP ONLINE