Handball : "Gekommen, um aufzusteigen"

Die Drittliga-Handballer des Leichlinger TV scheinen für die kommende Saison personell gut gerüstet. Vier Neuzugänge versprechen einen deutlichen Qualitätsgewinn. Zwei davon machen schon mal klare Ansagen.

An diesem Abend begegnet Jens Reinarz vielen Händeschüttlern. Ab und zu gibt es eine Umarmung. Mal fallen dabei nette Worte, mal wird geflachst. Es ist Reinarz' 30. Geburtstag. Aber den verbringt er nicht im Kreise von Familie und Verwandten, sondern mit seinen neuen Teamkollegen vom Leichlinger TV. Anerkennende Worte, dass er trotz Ehrentages zum Training erscheint, quittiert er knapp: "Ich bin halt Profi."

Es sagt das mit Augenzwinkern, aber es lässt seine Einstellung zum Handball erahnen. Und es passt ins Bild: Der LTV scheint für kommende Saison personell bestens gerüstet. Tragende Pfeiler des Vizemeisters wurden gehalten, komplettiert wird der Kader durch ein Quartett, das einen deutlichen Qualitätsgewinn verspricht: Reinarz spielte zuletzt mit dem Bergischen HC in der Ersten Liga, aus Hagen kommt der polnische Juniorennationalspieler Artur Giela, aus Spanien siedelt Felix Janssen samt seiner EHF-Pokal-Erfahrung ins Rheinland um, und Andre Loschinski zieht es vom OSC Rheinhausen an die Wupper.

"Mir kam das Angebot des LTV gelegen. Es war Zeit für etwas Neues", sagt Loschinski, der nun dort trainiert, wo er im April für lange Gesichter sorgte. Als er beim 36:35 des OSC Leichlingen auf der Zielgeraden der Saison ins Stolpern brachte. "Das tut mir natürlich leid – im Nachhinein", fügt der 27-Jährige mit ironischem Unterton an. Völlig überzeugend klingt indes das Lob für sein neues Team: "Starke Leistung, mit einem doch recht schmalen Kader Zweiter zu werden." Nun, da es für alle Positionen mindestens zwei Kandidaten gibt, ändern sich aber auch die Ansprüche. Reinarz macht eine klare Ansage: "Ich bin hergekommen, um aufzusteigen. Loschinski nickt: "Vizemeister kann nicht das Ziel sein." Wie der Titel zu erreichen ist? "Alle müssen sich zerreißen", fordert Reinarz, der den LTV als "zweitehrgeizigstes Handball-Projekt in der Region" bezeichnet.

Allerdings wächst mit personellen Alternativen die Konkurrenz. Beim LTV setzen sie drauf, dass diese belebend wirkt. Natürlich wollen sich Reinarz und Loschinski als Dauerlösungen für die Startformation empfehlen. Einen Selbstläufer erwarten sie aber nicht. Auch der Kaufmann Reinarz nicht, der künftig zwar seinen Beruf "mehr in den Vordergrund stellen" will, aber aus seiner Erstliga-Vergangenheit keine Ansprüche ableitet: "Ich fange bei null an. Keiner sollte hier sein Ego über das eines anderen stellen."

Aufdrängen durch Leistung lautet also die Formel. Aber auch: gönnen können. "Ich werde am Ende bestimmt nicht ausrechnen, ob jemand anders auf meiner Position zehn Minuten mehr gespielt hat", merkt Loschinski an. Dass der LTV durch die jüngsten Weichenstellungen unterwegs ist in eine Zweitliga-Zukunft, erscheint für das Duo vorstellbar. "Aber", schränkt Loschinski ein: "Wir tun gut daran, kurzfristig zu denken. Jetzt steht erst mal die aktuelle Saison an."

(RP)
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