Ende Juni ist Schluss: Opladens letzter Metzger macht dicht

Ende Juni ist Schluss : Opladens letzter Metzger macht dicht

An der Birkenbergstraße endet eine 100 Jahre alte Familientradition der Rosenstocks.

Die Nachricht verbreitete sich in Opladen wie ein Lauffeuer: Die Metzgerei Rosenstock schließt. „Kunden reagierten geschockt und traurig“, berichtete Robert Rosenstock nicht weniger unglücklich über das bevorstehende Ende. Alle acht Mitarbeiter haben bereits neue Stellen.

Am 30. Juni endet eine Familientradition, die durch Großvater Lorenz Rosenstock im Jahr 1919 – und somit genau 100 Jahre zuvor – in Leichlingen begründet wurde, damals noch unter dem Namen „Rosenstock und Gerling“. Während Gerling in Leichlingen blieb, ließ sich Rosenstock ab 1921 in der Opladener Birkenbergstraße 26 nieder. Vater Heinz führte das Geschäft ab 1953 weiter, Robert übernahm die Leitung im Jahr 1993.

Zwar war schon länger absehbar, dass keine seiner beiden Töchter am Beruf und an einer Geschäftsübernahme interessiert war. Auch der allgemeine Trend – die Zahl der regionalen Metzger sinkt kontinuierlich – war keineswegs förderlich fürs Geschäft. Immer mehr Metzgereien müssen wegen fehlender Nachfolge, hoher Auflagen und schier unüberschaubarer Konkurrenz schließen. „Gutes hat eben seinen Preis, und das muss bezahlt werden“, sagt Rosenstock.

Sein Wiesdorfer Kollege Bert Emundts, ehemaliger Obermeister der Fleischerinnung, sieht das ebenso und kommentiert: „Es tut mir außerordentlich leid, dass wieder ein Handwerksbetrieb mit ortsnaher Versorgung wegfällt. Letztlich entscheidet der Verbraucher, welche Produkte er kauft. Ich kann nur raten, darauf zu achten, Waren aus der Region zu beziehen. Wenn man sich nur für billig entscheidet, werden wichtige Strukturen zerstört. Wir Metzger können nicht billig und haben keine Mischkalkulation wie ein Supermarkt, können uns somit am Verdrängungswettbewerb nicht beteiligen.“

Für Rosenstock als letzten Opladener Metzger gibt es allerdings gleich mehrere Gründe, warum er seinen Betrieb in wenigen Wochen endgültig geschlossen hält. Zum einen seien es behördliche Bedingungen, die Investitionen von mehr als 200.000 Euro erfordert hätten, um den Laden weiterhin betreiben zu können. Dazu kommen die weggefallenen Parkplätze an der nahe gelegenen Kämpchenstraße, die zum Kundenrückgang beigetragen haben. Letztlich entscheidend aber war seine Erkrankung, die Rosenstock frühzeitig zur Aufgabe bewogen hat. „Wenn ich könnte, hätte ich gerne noch einige Jahre weitergemacht“, betont der 55-Jährige, der künftig weiterhin die Prüfungen der Metzger für die Fleischerinnung Rhein-Berg/Oberberg abnehmen und unterstützend betreuen wird.

Und er hat noch mehr Pläne für die Zukunft. Die drehen sich vordergründig um den Umbau des Geschäftes in eine Wohnung. Denn Rosenstock möchte seinen Lebensmittelpunkt auf jeden Fall in Opladen behalten – und das, obwohl er, wie er sagte, „in den nächsten Jahren schwarz sieht für die Birkenbergstraße“.

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