Leverkusen/Köln: Hingesehen - Pärchen hilft Seniorin nach Raub

Leverkusen/Köln : Hingesehen - Pärchen hilft Seniorin nach Raub

Zivilcourage: Lea Zabka und Tim Herz haben einer Quettingerin nach einem Überfall beigestanden. Sie wurden nun von der Polizei geehrt.

Lea Zabka kann sich noch gut an die ältere Frau erinnern, die ihr im November vergangenen Jahres am Holzer Weg in Quettingen begegnete. "Sie war sehr aufgebracht und erzählte uns, dass ihre Handtasche weg sei", sagt die 20-Jährige, die damals mit ihrem Freund Tim Herz (21) gerade einen Parkplatz im Viertel suchte. Die beiden erinnerten sich an zwei junge Männer, die ihnen aufgefallen waren - wie sich später herausstellte, war einer von ihnen der Handtaschenräuber. Mit der guten Täterbeschreibung konnte der 18-Jährige noch in der Nähe des Tatorts gefasst werden. Die Ermittler entdeckten die Handtasche der Seniorin samt Inhalt zwischen geparkten Autos. Lea Zabka und Tim Herz werden im Herbst als Zeuge vor Gericht gegen den 18-Jährigen aussagen.

Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob ehrte die beiden Leverkusener für ihre Courage, sich für andere einzusetzen. "Sie haben die Kultur des Wegschauens durchbrochen", sagt Jacob. Im Polizeipräsidium wurden 17 Frauen und Männer für ihr beispielhaftes Verhalten geehrt - "Hinsehen, handeln, Hilfe holen" heißt die Kampagne der Polizei, die es nun seit 20 Jahren gibt.

Auch der Kölner Niklas Grobecker hat Zivilcourage bewiesen: Seine Mutter hatte gekocht, deshalb war der 26-Jährige im Mai abends bei ihr in der Komödienstraße. "Wir hörten plötzlich einen Hilfeschrei, bei dem sofort klar war: Das ist Ernst", sagt der Medizinstudent. Er lief auf die Straße und sah einen Mann auf dem Boden liegen. "Er war blutüberströmt, über ihm kniete eine Frau, die völlig außer sich war und weinte." Mark Vogel kam dazu und wollte auch helfen, die beiden 26 Jahre alten Männer hielten die Wunden des Mannes zu. "Mark hatte saubere Wäsche im Rucksack, wir nahmen eine Unterhose und machten daraus eine Kompresse", erzählte Grobecker. Der Verletzte hatte mehrere Stichwunden. "Komm, Junge! Du schaffst das!" hätten sie immer wieder gesagt und ihn wach gehalten, bis der Notarzt kam. Der 27 Jahre alte Mann aus dem Obdachlosenmilieu überlebte, die Polizei konnte den flüchtigen Täter festnehmen.

Udo Hochheiser hat Anfang des Jahres dafür gesorgt, dass ein Bankräuber gefasst werden konnte. Der 61-Jährige wollte mit seiner Frau Kontoauszüge bei einer Postbank in Köln-Höhenberg holen, als das Paar Schreie aus dem Schalterraum hörten. Ein 18-Jähriger hatte mit einer abgebrochenen Glasflasche auf den Kopf eines Angestellten eingeschlagen und Geld gefordert. Hochheiser stürmte rein. "Mit drei Mann haben wir den umgehauen. Da hab ich nicht viel nachgedacht." Zu dritt hätten sie sich auf den Täter gesetzt, bis die Polizei kam. Das, sagt Jacob, sei nicht die empfohlene Vorgehensweise, "niemand sollte sich in Gefahr bringen", aber was die Helfer taten, sei effektiv gewesen.

(hsr)
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