Quartalsbilanz Covestro profitiert vom Aufschwung nach Corona - aber: Sorge vor Produktionsstillständen

Leverkusen/Dormagen/Krefeld · Unter anderem dank dem China-Geschäft erzielt das Leverkusener Unternehmen mit Standorten auch in Dormagen und Uerdingen im Frühjahr knapp 19 Prozent mehr Umsatz. Der drohende Gas-Engpass aber könnte die Produktion stilllegen.

 Produktion beim Global Player Covestro.

Produktion beim Global Player Covestro.

Foto: Covestro

Preiserhöhungen haben dem Kunststoffhersteller Covestro noch zu deutlichem Wachstum im zweiten Quartal verholfen. Der Umsatz kletterte von April bis Juni um knapp 19 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, wie das Leverkusener Unternehmen am Dienstag mitteilte. „Im zweiten Quartal haben wir von einer schneller als erwarteten Erholung nach den Lockdowns in China und einer intakten Nachfrage nach unseren Produkten profitiert“, sagte Finanzchef Thomas Toepfer. „Im laufenden zweiten Halbjahr haben die gesamtwirtschaftlichen Risiken noch einmal deutlich zugenommen, insbesondere mit Blick auf die sehr hohen Energiekosten sowie Unwägbarkeiten bei der Gasversorgung an unseren deutschen Standorten.“ Diese machen rund ein Viertel der weltweiten Produktionskapazitäten des Unternehmens aus.

Kurzfristig versucht Covestro seinen Gasbedarf etwa durch die Umstellung auf ölbasierte Generatoren zur Dampferzeugung zu senken. Sollte es im weiteren Jahresverlauf aber zu einer Rationierung der Gasversorgung kommen, könne dies einen Teillastbetrieb bis hin zum kompletten Stillstand einzelner Produktionsanlagen zur Folge haben. Bei einer weiteren Verschärfung der Situation rechnet Covestro mit einem Zusammenbruch ganzer Liefer- und Produktionsketten.

Covestro hatte bereits am Freitag das vorläufige Quartalsergebnis (Ebitda) veröffentlicht, das mit 547 (Vorjahreszeitraum: 817) Millionen Euro zwar besser als erwartet ausfiel. Der Konzern bekam aber deutlich gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie rückläufige Absatzmengen zu spüren. Wegen der Explosion der Energiepreise und der sich weiter abschwächenden Weltwirtschaft hatte das Unternehmen seine Ziele deutlich gesenkt und geht nur noch von einem Ergebnis von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro aus statt von 2,0 bis 2,5 (Vorjahr: 3,1) Milliarden Euro. Für das dritte Quartal rechnet Covestro mit einem Ergebniseinbruch auf 300 bis 400 (862) Millionen Euro. Der Vorstand senkte auch die Prognose für den freien operativen Cashflow deutlich.

(rtr)
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