Handball Kölsche Jungs, echte Fründe – und Gegner

Langenfeld · Der Drittligist SG Langenfeld trifft am Freitag seinen Ex-Spieler Dustin Thöne wieder. Longerich ist die alte Heimat von Trainer Markus Becker.

 Immer volle Pulle: Dustin Thöne pflegt beim Handball alles aus sich herauszuholen. Trainer sehen ihn ihm einen „emotionalen Leader“.

Immer volle Pulle: Dustin Thöne pflegt beim Handball alles aus sich herauszuholen. Trainer sehen ihn ihm einen „emotionalen Leader“.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Dies ist auch die Geschichte einer Freundschaft. Markus Becker, der Trainer des Handball-Drittligisten SG Langenfeld (SGL), tritt mit seiner Mannschaft am Freitag (20 Uhr) auf der anderen Rheinseite beim Longericher SC an – für den er vor seinem Engagement in Langenfeld 22 Jahre als Spieler und Coach tätig war. Eine der wesentlichen Säulen der Gastgeber ist Dustin Thöne – ebenfalls ein Ur-Kölner, der 2013 aus Longerich nach Langenfeld wechselte und vier extrem erfolgreiche Jahre später zurück zu seinem alten Verein ging. Und ausgerechnet Markus Becker war es, der einst der sehr jungen Dustin Thöne zum SC lotste, bei dem er sich seinerzeit um die A-Jugend kümmerte. „Ich denke, dass ich Dustin entdeckt habe“, sagt Becker, „und ich glaube, aus ihm ist ein vernünftiger Kreisläufer geworden.“ Dass es sich um eine maßlose Untertreibung handelt, weiß er natürlich selbst.

In seiner Zeit bei der SGL ging die Entwicklungs-Kurve von Thöne weiter steil nach oben – so steil, dass er in der Premieren-Saison der Langenfelder in der 3. Liga das Interesse von Zweitligisten weckte. Nach der Serie 2016/2017 sagte der 25-Jährige jedoch seinem alten Verein zu, dessen zweite Mannschaft unter dem Trainer Becker in der Oberliga spielte. „Damals habe ich mir gedacht, dass ich den Spieß umdrehe und Markus nach Langenfeld hole“, erzählt Thöne. Auch das ist nicht ganz ernst gemeint, hat allerdings ein Körnchen Wahrheit. Dustin Thöne konnte der SGL den Tipp geben, dass in Becker ein ehrgeiziger Trainer zur Verfügung steht – und Becker mit genauen Informationen über Langenfeld versorgen. Das Geschäft klappte, denn Markus Becker wechselte vor der Saison 2018/2019 zur SGL. Zuerst war er im Drittliga-Team der Co-Trainer von Jurek Tomasik, ehe er dessen Nachfolge antrat (Rücktritt nach dem dritten Spiel).

„Ich kann über Markus nur Gutes sagen“, betont Thöne, „es hat mit ihm immer viel Spaß gemacht. Und ich drücke Langenfeld wirklich sehr die Damen, dass sie die Klasse halten. Sie können überall die Punkte holen – nur nicht am Freitag. Da kenne ich keine Verwandten.“ Becker erwartet sowieso nichts anderes von seinem Ex-Schützling, von dem er unverändert sehr viel hält: „Dustin ist ein emotionaler Leader und eine Kampfmaschine. Er hat eine hohe Auffassungsgabe und einen unglaublich starken Willen. Er wird gegen uns richtig heiß sein – wie alle Longericher.“

 Der Erfinder: Langenfelds Coach Markus Becker gilt als Trainer, dem auch für schwierige Aufgaben immer etwas einfällt.

Der Erfinder: Langenfelds Coach Markus Becker gilt als Trainer, dem auch für schwierige Aufgaben immer etwas einfällt.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Er selbst will probieren, komplett auszublenden, welche Halle er betritt: „Wir sind 60 Minuten Gegner. Ich werde versuchen, Longerich mit allen taktischen und spielerischen Mitteln zu schlagen. Bei aller Verbundenheit bin ich am Freitag Trainer der SG Langenfeld.“ Natürlich wird er ein Kribbeln im Bauch nicht verhindern können, zumal auf der Tribüne alte Wegggefährten, Freunde und ein Teil seiner Familie sitzen. Beckers vielleicht größtes Handicap: „Ich war in Longerich noch nie in der Gäste-Kabine.“ Dustin Thöne, der kürzlich beim LSC für weitere zwei Jahre verlängert hat, könnte ihm ja den Weg zeigen.

Sportlich scheinen die Karten klar verteilt zu sein. Langenfeld ist Vorletzter und verlor zuletzt gegen den Dritten Leichlinger TV unnötig mit 26:32. Longerich ist Zehnter und gewann am vergangenen Wochenende trotz personeller Probleme mit 31:29 gegen den Zweiten SG Schalksmühle-Halver Dragons. „Wo wir jetzt stehen, das ist nicht unser Anspruch“, erklärt Thöne, der sich mit Longerich ans obere Drittel heranarbeiten will. Vom Langenfelder Team hält er viel: „Wir müssen an unsere Grenze gehen. Die Achse mit Felix Korbmacher, Maurice Meurer und Henrik Heider im Rückraum ist wirklich stark.“ Daraus ergibt sich automatisch, dass auch auf Dustin Thöne ein sehr arbeitsreicher Abend zukommt – denn er ist als Kreisläufer und als zentraler Abwehrspieler gefordert. In dieser Rolle wird Thöne Freundschaften erst nach dem Spiel wieder pflegen können. Dann wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bier in der Hand haben. Und unter anderem mit Markus Becker anstoßen. Beide sind Handballer aus Leidenschaft. Beide sind Kölsche Jungs. Und es ist schließlich auch die Geschichte einer Freundschaft.