SGL verliert das Derby, LTV seinen Regisseur

Handball : SGL verliert das Derby, LTV seinen Regisseur

Handball-Drittligist Langenfeld kam beim 26:32 total vom Kurs ab. Leichlingens Valdas Novickis erlitt einen Riss der Achillessehne.

Am Ende hatte niemand richtig viel Spaß am Abend. Sportlich galt das in erster Linie für den Handball-Drittligisten SG Langenfeld (SGL), der lange an einen überraschenden Sieg glauben durfte, dann aus der Spur geriet und gegen den Leichlinger TV (LTV) mit 26:32 (13:14) unterlag. Die Gäste, die ohne den privat verhinderten Trainer Lars Hepp angetreten waren, feierten bei der Schluss-Sirene zunächst – bis wenig später eine bittere Botschaft eintraf. Die Verletzung von Valdas Novickis in der Schlussphase erwies sich tatsächlich als der befürchtete Riss der Achillessehne, sodass der Regisseur für einige Monate ausfällt. So standen beide unter Schock – die weiter auf Rang 15 liegenden Langenfelder (6:32 Punkte) und die Leichlinger, obwohl sie ihren dritten Tabellenplatz festigten (27:9).

Das Aufgebot der Gäste bestand aus lediglich neun Feldspielern, da neben Bastian Munkel (Schambein-Entzündung) und Tim Menzlaff (Leiste) noch Henning Padeken, Mike Schulz (beide krank) und Kris Zulauf (Muskelfaserriss) passen mussten. Vermutlich deshalb zeigte sich der LTV als Verfechter einer neuen und an tiefste Lethargie grenzenden Langsamkeit. Langenfeld, dem André Boelken (nach Kreuzbandriss im Aufbau-Training) und Vinzenz Preissegger (Sprunggelenk) fehlten, machte dagegen aus seinen Möglichkeiten in der von vielen Fehlern geprägten Partie immerhin fast das Beste. Der Versuch der Hausherren, über hohes Tempo zum Erfolg zu kommen, klappte ganz gut – und erst recht am Anfang der zweiten Halbzeit.

Die SGL nutzte ihren ersten Angriff zum 14:14-Ausgleich (31.) durch Henrik Heider, ehe Felix Korbmacher (32.) und Maurice Meurer (34.) das 16:14 folgen ließen. Beim 18:15 (35.) und 20:17 (39.) lag der mit Leidenschaft kämpfende Außenseiter jeweils mit drei Treffern vorne, bevor Dominik Jung einen Strafwurf ins 21:17 ummünzte (42.). Zusätzlich gab es eine Zeitstrafe gegen Leichlingens Hendrik Rachow, sodass die SGL alle Trümpfe in der Hand zu halten schien. Es war ein gravierender Irrtum – und nur der Anfang vom Ende. Langenfelds konsternierter Trainer Markus Becker beschrieb es so: „Es ist mir ein Rätsel. Wir haben viel zu viele falsche Entscheidungen getroffen.“ LTV-Co-Trainer Björn Aust, der unmittelbar nach dem 17:21 eine Auszeit genommen hatte, äußerte Gelassenheit und Erleichterung: „Ich wusste, dass wir genügend Qualität haben, um das zu drehen. Ich finde es großartig, wie die Mannschaft den Schalter umgelegt hat.“ Unter dem Strich war es allerdings eher eine Mischung aus beiden Komponenten, denn die SGL machte plötzlich fast nichts mehr richtig und der Favorit besann sich auf einmal auf seine spielerischen Möglichkeiten.

In Überzahl gewann Langenfeld zunächst den Ball, doch Maurice Meurer warf den Ball neben das verwaiste LTV-Tor. Dann kassierten die Gastgeber das 21:18 (44.) und Torschütze Dennis Aust-Herde nur Sekunden darauf ebenfalls eine Zeitstrafe. In Überzahl musste der Abstiegskandidat das 21:19 (45.) von Valdas Novickis und das 21:20 (46./Siebenmeter) von David Kreckler hinnehmen. Die SGL konnte mit dem 22:20 (46.) von Dominik Jung und dem 23:21 (47.) durch Henrik Heider antworten, den Zug allerdings nicht mehr aufhalten. Entscheidend daran beteiligt: Leichlingens Winter-Neuzugang Christoph Gelbke. Der zuletzt für den Regionalligisten TV Jahn Köln-Wahn tätige Spielmacher nutzte jetzt jede Lücke entschlossen aus. Seine Treffer zum 22:23 (48.), 25:23 (50.). 26:23 (51.) und 27:24 (52.) trafen die auf mehr Risiko setzenden Langenfelder ins Mark. „Darauf habe ich gewartet“, bestätigte der 30-Jährige, der seine Leistung im ersten Einsatz für den LTV als ordentlich einstufte: „Ich habe gemerkt, dass ich ein halbes Jahr nicht gespielt habe.“

Zweiter Trumpf der Gäste war Keeper Mathis Stecken, der zahlreiche wichtige Bälle parierte. Beispiele: Beim Stande von 25:23 wehrte er einen Siebenmeter von Dominik Jung ab (50.) und beim Stande von 27:24 (52.) einen freien Wurf. Passend zur Geschichte der Partie: Felix Korbmacher (SGL) jagte den Ball nach einem Tempogegenstoß an die Latte (55.). 90 Sekunden später drückte der sehenswerte Siebenmeter-Leger von David Kreckler (LTV) zum 30:25 (56.) die Gemütsverfassung beider Teams gut aus. Die SGL hatte da längst kein Vergnügen mehr an diesem Abend und wenig später verging auch den Gästen der ganz große Spaß.