Monheim : Stadt startet Forum für mehr Miteinander

Im Bürgerhaus Baumberg kamen zwar gut 70 Menschen zusammen, die meisten haben aber beruflich mit den Themen Jugend, Soziales, Integration zu tun. Thema war das Handlungskonzept interkulturelle Bildung.

2400 Monheimer, die bei der Kommunalwahl für die AfD votiert haben sowie die bei der Diskussion über die Moscheebauten laut gewordenen Vorurteile gegenüber Muslimen sind für Bürgermeister Daniel Zimmermann  Anlass, eine Diskussion über interkulturelle Bildung anzustoßen.  Zudem hat unlängst die so genannte Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung  offenbart, dass mehr als die Hälfte der Angehörigen der bürgerlichen Mitte Vorurteile gegen Asylsuchende hegen. Es sei eine typische menschliche Neigung, durch Gruppenbildung Identität zu stiften, meist entlang bestimmter Eigenschaften wie ethnischer Herkunft, Religion, dem Alter - und sich damit gegenüber anderen abzugrenzen, erläuterte Prof. Beate Küpper vom Institut Social Concept der Hochschule Niederrhein bei der Auftaktveranstaltung  über das Handlungskonzept „Voneinander lernen- Miteinander leben“ am Dienstagabend. Ob jemand die Vielfalt, so wie sie die Monheimer Bürgerschaft verkörpere, wertschätze, hänge vor allem von der persönlichen Haltung ab: Betone ich das „Wir“? Bin ich bereit, mich in die anderen hineinzufühlen? Möchte ich mir Wissen über das mir Fremde aneignen? Habe ich Lust auf Veränderung oder nehme ich lieber eine Abwehrhaltung ein?

Die Anstrengung, etwaige Vorurteile zu überwinden, nahmen zumindest am Dienstag nur sehr wenige Bürger freiwillig in Kauf. Die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer an dem Workshop bestand aus (zwangsrekrutierten) Verwaltungsmitarbeitern und Experten, die ohnehin beruflich mit Themen wie sozialen Hilfen, Integration und Flüchtlingsarbeit zu tun haben. Eine Ausnahme bildete Karl-Heinz Hoppen, der eigenen Angaben zufolge aus Neugierde gekommen war. Der auf Textilfarben spezialisierte Chemiker im Ruhestand hat 17 Jahre in Persien und Korea gearbeitet und gelebt und ist dankbar, dort „nicht als Fremdling herumgeschubst“, sondern immer freundlich aufgenommen worden zu sein. Bei der Veranstaltung erkannte er indes keinen einzigen Bekannten aus Baumberg.

In der Gruppenarbeit an den Thementischen stellte sich schnell das Berliner Viertel als anschaulicher Beleg für das fehlende „Miteinander“ heraus. Von „Ghettoisierung“, einer „ethnischen Entmischung“ war die Rede, denn die letzten (indigenen) Deutschen würden das Viertel, wenn möglich, verlassen. Eine Mitarbeiterin von Mo.Ki unter drei hielt dagegen, dass viele Menschen dort gerne lebten. Anderswo hieß es, das Ziel sei, „da rauszukommen“, das heißt den sozialen Aufstieg zu schaffen. Manfred Poell (Grüne) hat den Eindruck, die Menschen dort wollten sich nicht vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben.  Die für Soziales zuständige Bereichsleiterin, Christiane Schärfke, beklagte, dass viele Ansätze, die Menschen dort zu erreichen, nicht gefruchtet hätten. Tatsächlich waren am Dienstagabend nur einige bewährte Multiplikatoren aus dem Viertel vertreten.

Am Thementisch Religion wurde überdies das Problem besprochen, dass muslimische Kinder zwar gerne christlich geprägte Kitas besuchten, dort aber nicht mit halal Essen versorgt würden. Es gebe auch einige Vereinen, die „bewusst oder unbewusst ausgrenzen“, hatten die Freizeitexperten festgestellt. Besser gelinge das Miteinander in Vereinen, die auf Sport oder Kinder ausgerichtet seien. Alle Gruppen waren zu dem Ergebnis gekommen, dass gemeinsames Essen immer noch die stärkste integrative Kraft böte.

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