Langenfeld : Verein bringt „#Me Too“ auf die Bühne

„#The Pink Ghost“ heißt das Theaterstück, das der Verein Sag’s initiiert hat. Es soll am 23. Mai gezeigt werden und kann von Schulen gebucht werden.

Den ignoranten Moderator, der es nur auf Quote abgesehen hat, nimmt man Niklas Iwannek sofort ab. Sein gold-glänzender Anzug signalisiert. „Hier bin ich der Star und ich verkaufe den schönen Schein.“ Doch er hat die Rechnung ohne seinen Talkshow-Gast Helene (gespielt von Joyce Thumb von Neuburg) gemacht. Sie ist erfolgreiche Bloggerin und kämpft in dem Theaterstück „The Pink Ghost“ gegen die Tabuisierung von sexuellem Missbrauch. Die Regie führt Katja Früh.

„Der Traum von Alexandra Schneider stand am Anfang“, erzählt Früh bei den Proben im Schaustall am Winkelsweg. Die ehemalige Vorsitzende des Langenfelder Vereins Sag’s, der sich um Opfer von sexueller Gewalt kümmert, wollte schon lange ein Theaterstück machen und hat ein Thema gesucht. Früh, die selbst bei Sag’s aktiv ist, und Stefan Rensch hatten die Idee. „Die #Me-Too-Debatte hat schließlich den Ausschlag gegeben und wir haben sie mit der Präventionsarbeit von Sag’s verbunden.“

Für das Stück hat das Duo ein Bild für etwas Unfassbares gesucht, berichtet Katja Früh. „Und so sind wir auf einen Geist gekommen: #The Pink Ghost.“ Und der wird sich in dem 50-Minuten-Stück materialisieren, die Tabuzone des Schweigens durchbrechen.

Die beiden professionellen Schauspieler Niklas Iwannek (29) und Joyce Thumb von Neuburg (22) hat Regisseurin Früh bei einem E-Casting ausgewählt. „Dazu kommen noch Schüler aus den umliegenden Schulen für den Chor, der das Gespräch zwischen Moderator und Talk-Gast kommentiert“, erläutert Früh. Dafür hat sie sich an Schulen in Langenfeld, Monheim und Hilden umgeschaut. „Es war gar nicht so einfach, Mitspieler zu finden“, berichtet sie. „Das Stück ist schon schwere Kost“, räumt sie ein. Aber Skript und Regie setzen dem etwas entgegen: laute, leise, bunte Elemente – etwa mit Videoprojektionen. „Außerdem ist das Opfer gar nicht schwach“, erläutert die Regisseurin. „Die Figur Helene beweist auf der Bühne Mut und Kraft und vor allem Schlagfertigkeit, mit der sie den oberflächlichen Moderator durchaus in Schwierigkeiten bringt.“ Denn pflegeleicht „wie die Fischer“ ist Helene im Text nicht vorgesehen. „#The Pink Ghost“ wird sich im Stück outen, das schützende Kostüm ablegen und sich befreien.

Auf der Bühne wird Joyce Thrumb von Neuburg einen schwarzen Kapuzenpulli tragen. „Je nach Szene gehe ich schon einmal bedrückt aus den Proben“, sagt die Studentin der Theaterwissenschaft. „Man identifiziert sich ja mit der Rolle“, sagt sie. „Das Thema ist tabu, aber es taucht immer wieder auf, in vielen kleinen Dingen. wie die #Me-Too-Debatte zeigt.“

Niklas Iwannek hat BWL studiert und spielt Theater, seit er 20 ist. Er begrüßt es, dass das Thema Missbrauch aus der Tabuzone heraus geholt wird. Er findet vor allem die Schuldgefühle erschreckend, die Missbrauchsopfer oft mit sich herumtragen. Die Rolle des ignoranten Moderators zu spielen findet er interessant. „Die Proben machen trotz des tiefen Ernsts auch Spaß“, sagt er. „Die klamaukigen Elemente zeigen die Machtstruktur, die so nicht sein soll“, ergänzt Joyce Thumb von Neuburg. Sie findet vor allem gut, dass „Helene“ nicht nur Opfer ist.

Das Stück, das nur einmal – am 23. Mai – in der Langenfelder Stadthalle gezeigt wird, kann anschließend von Schulen gebucht werden – nebst Begleitung vom Sag’s-Team. Lehrer Frank Nau von der Sekundarschule in Hilden – aus Hilden ist eine Schülern dabei – hat sich die Proben schon mal angeschaut. „Gut, dass das Thema jetzt auf die Bühne kommt“, kommentiert er.

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