Stadtfest Monheim: Bürgermeister gewinnt Stadtwette

Stadtfest Monheim : Bürgermeister gewinnt Stadtwette

Eine Stadt feiert sich und die Schuldenfreiheit. Das Monheimer Stadtfest war gut besucht wie nie.

Am Samstag um 18.25 war es soweit. Unter dem Jubel unzähliger Zuschauer vor der Bühne an der Krischerstraße überreichte Bürgermeister Daniel Zimmermann einen Scheck über rund 2,9 Millionen Euro an Arndt M. Hallmann. Der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf bedauerte augenzwinkernd den Verlust eines "guten Schuldners" und fand lobende Worte für die erstaunliche Entwicklung in der Gänselieselstadt: "Ich habe höchsten Respekt für diese Leistung."

Weit über 300 Monheimer haben sich als Cowboys und Indianer verkleidet und halfen Bürgermeister Daniel Zimmermann so, seine Wette zu gewinnen. Foto: ati

Damit ist der letzte offene Kredit der Stadt offiziell getilgt. Die Schuldenlast hat sich von etwa 130 Millionen Euro auf null reduziert — innerhalb von drei Jahren. Möglich wurde das "Monheimer Finanzwunder" 2011 durch eine unerwartet hohe Nachzahlung der Gewerbesteuer von rund 40 Millionen Euro. Die plötzlich vorhandenen finanziellen Spielräume nutzte die damalige Nothaushaltskommune für eine mutige Entscheidung. 2012 beschloss der Stadtrat einstimmig, den Gewerbesteuersatz von 435 auf 300 Punkte zu senken — ein einmaliger Vorgang in ganz NRW.

"Seitdem haben sich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer verzehnfacht", freut sich Zimmermann, der gleich mehrmals betonte, dass die Schuldenfreiheit nicht allein sein Verdienst sei: "Alle Fraktionen im Stadtrat haben diesen Schritt gemeinsam beschlossen."

Die Sogwirkung auf Unternehmen ist seitdem hoch. 2010 lag der Erlös aus der Gewerbesteuer noch bei knapp 20 Millionen Euro. Inzwischen sind es mehr als 200 Millionen. Ein großer Teil der Einnahmen stammt von Firmen, die sich erst in den vergangenen zwei Jahren in Monheim angesiedelt haben. "Trotzdem müssen wir weiterhin sparsam mit dem Geld umgehen", betont das Stadtoberhaupt. "Mit den Einnahmen steigen auch die Umlagen, die wir an den Kreis und das Land zahlen müssen." Umso wichtiger sei es, Rücklagen zu bilden, um nicht wieder in die Schuldenfalle zu geraten.

100 Liter Freibier gab es am Samstagabend anlässlich der Schuldenfreiheit. Zudem wurden 1000 Münzen geprägt, die an das historische Ereignis erinnern (siehe Infokasten). Daniel Zimmermann ist derweil für die meisten Bürger zu einer Art Heilsbringer mutiert. "Er ist bürgernah, kompetent und offensichtlich ein Naturtalent", meint Nadine Spauszus. Ihr Mann Heiko sieht es ähnlich: "Hoffentlich macht er einfach weiter so." Dass von den gesparten Zinsen nun unter anderem die Kita-Gebühren abgeschafft werden, kommt den jungen Eltern sehr gelegen: "Das ist für Familien natürlich sehr attraktiv."

Monika Reiners, seit mehr als 50 Jahren Monheimerin, ist ebenfalls voll des Lobes: "Die Geschichte ist einfach sensationell und ich freue mich, dass es nach den schwierigen Jahren jetzt steil bergauf geht."

Angesichts der allgemeinen Begeisterung ist es kein Wunder, dass Zimmermann die Stadtwette mit der Drogeriekette "dm" spielend gewinnen konnte. Gestern kamen weit mehr als die benötigten 300 Cowboys, Cowgirls, Squaws und Indianer vor das Monheimer Tor — ausgerüstet mit Hüten, Federschmuck und Lederwesten. Der Trägerverein des Abenteuerspielplatzes kann sich also über 2000 Euro freuen.

Ansonsten gab es wieder reichlich zu sehen, schmecken und erleben auf dem 4. Stadtfest. Wo bis Donnerstagabend noch eine Großbaustelle war, saßen die Besucher und ließen sich Hamburger und Spare Ribs schmecken. Am "Pfad des großen Geistes" entlang der kleinen Kirmes auf der Krischerstraße konnten die von Schulen und Kitas gebastelten und bemalten Steckenpferde, Totempfähle und Kakteen bestaunt werden. Auch der neun Meter hohe Hochseil- und Klettergarten sowie die Kunstmeile am Rathauscenter, Rodeoreiten und Voltigieren auf dem Ernst-Reuter-Platz waren beliebt. Viele Vereine nutzten zudem die Gelegenheit, um sich und ihre Angebote zu präsentieren. "Es hat einfach alles gepasst", freut sich City-Managerin Petra Mackenbrock. "Das Stadtfest 2013 war etwas ganz Besonderes — nicht nur, aber vor allem wegen der Schuldenfreiheit."

(RP/anch/EW)