Stadtfest Monheim: Trödler Klaus ist mit alten Büchern dabei

Stadtfest Monheim : Trödler Klaus ist mit alten Büchern dabei

Trödler wie der 62-jährige Klaus benötigen vor allem eine ausgefeilte Logistik, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können. Der gebürtige Oberfranke hat sich auf antiquarische Fachbücher spezialisiert. Seine Kunden: Ärzte, Ingenieure, Anwälte.

Um 3.45 Uhr in der Frühe ist Trödler Klaus schon da. Als Dreizehnter. Und hat nach seinem Dafürhalten bloß noch einen ziemlich entlegenen Platz auf dem Gänselieselmarkt abbekommen. Direkt neben dem Rathaus-Portal hat er sein Zelt aufgebaut. Davor parkt der dunkelgrüne VW-Bus des gebürtigen Oberfranken. "Über 30 Jahre habe ich direkt hinterm Schelmenturm gestanden." Jetzt macht er sich Sorgen, "ob das heute was wird. Die Leute suchen mich doch da." Er fürchtet, dass es heißen könnte: "Du warst 2013 ja gar nicht da."

Der 62-Jährige handelt vornehmlich mit antiquarischen Fachbüchern. Daneben hält er noch ausgesuchten Trödel bereit: sorgsam zusammengestellte Postkarten und Heiligenbildchen, eine klotzige alte Adler-Schreibmaschine oder das markante Porträt eines Mannes mit Pfeife und rotem Schal in Öl. Klaus kann zu jedem Stück eine Anekdote erzählen. Das Bild etwa habe er in der ehemaligen Schreinerwerkstatt seines Schwiegervaters gefunden. "Schöne Unterhaltungen" mit Gleichgesinnten nennt er denn auch das, was er am meisten am Trödlerdasein schätzt. "Und wenn sie solche Bücher verkaufen wie ich, dann kommen sie mit Ärzten, Ingenieuren oder Anwälten ins Gespräch."

Nicht nur das, auch seine Allgemeinbildung verdanke er seiner Leidenschaft. So habe er mal in einem antiquarischen Zahnheilkunde-Buch über Wurzelbehandlungen im 18. Jahrhundert gelesen — und einer bei ihm stöbernden Zahnärztin davon erzählt. Als die ihm nicht habe glauben wollen, habe er ihr das Buch gereicht, sie darin lesen lassen — und nach einer Stunde Lektüre sei sie so fasziniert gewesen, dass sie das Buch mitgenommen habe. Für stattliche 1300 Mark.

800 Kilogramm Bücher wuchtet der schmale, grauhaarige Mann frühmorgens aus dem Bully und am späten Nachmittag wieder hinein. Und er wirft dabei geradezu mit Wissenshäppchen um sich: "Viele wissen gar nicht, dass dieses Gebiet hier bis 1815 bayerisch war und erst dann Preußisch wurde", sagt er an die Adresse der Marktbesucher

Die Stapel hat er nach Themengebieten sortiert und weiß auf Anhieb zu sagen, wo sich dieses oder jenes Buch befindet. Neben einer Abhandlung über Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem "preußischen Staate von 1861" liegt Geraldine Costers "Yoga und Tiefenpsychologie" von 1954 — "ich habe eigentlich alles, die Leute müssen nur noch bezahlen.

Meist möglichst wenig bezahlen wollen diejenigen, die sich hier noch vor sechs Uhr einfinden und von Stand zu Stand schlendern, auch wenn diese oft noch gar nicht fertig sind. "Das sind die Geier", erklärt Klaus. "Die wollen Schnäppchen machen."

Seit zwei Jahren fährt Klaus fast jedes Wochenende allein los. Bis dahin sei sein Vater stets dabei gewesen ("Der hat gern gehandelt!"), 2011 aber verstorben. Seine Frau sei froh, wenn daheim sturmfrei sei. Und er komme auch so auf seine Kosten. Gleich morgen, erzählt er und fixiert sein Gegenüber dabei mit blauen Augen, stehe der nächste Termin an: Bad Godesberg. "Und wenn Sie 'mal einen richtig tollen Trödel erleben wollen, dann müssen sie nach Münster ans Schloss kommen — einmalig."

(RP/anch)
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