Monheim Weißer Ring Opfer Kriminalität

Monheim : Monheimerin hilft Gewaltopfern

Marianne Melzer arbeitet ehrenamtlich bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring. Sie betreut Menschen, die Gewalt erlebt haben.

Das Wort „Opfer“ wird heutzutage in der Jugendsprache gebraucht, um jemanden herabzusetzen und verächtlich zu machen. Tatsächlich überkommen Opfer einer Straftat oft Gefühle von Ohnmacht und Scham, das Gefühl, ihr Schicksal womöglich selber verursacht zu haben, weiß Marianne Melzer. „So hilft es einer alten Dame wenig, wenn sie von ihrer Verwandtschaft nur Vorwürfe zu hören bekommt, weil sie beim Abheben ihrer Rente das Geld offen in die Tasche gestopft hat und Opfer eines Überfalls wurde.“

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Weißen Rings sei sie eine neutrale Stelle, die dem Opfer zuhört, ohne zu bewerten, und ganz praktische Hilfe leistet. „Wir nehmen die Menschen wie Kinder an die Hand und führen sie durch die Instanzen“, sagt die 65-Jährige. Wo das Opfer kurz nach der Tat durch Ängste gehemmt, verunsichert und kopflos ist, übernehme sie eine so genannte Lotsenfunktion.

Der alten Dame, die nun womöglich ohne Mittel dasteht, kann zum Beispiel eine Soforthilfe von bis zu 300 Euro ausgehändigt werden.  Melzer begleitet sie zur Polizei, um Anzeige zu erstatten, oder auf dem Weg zum Anwalt und besorgt ihr einen Termin in einer Traumaklinik, wenn der Überfall einen Schock ausgelöst hat.

„Wenn man auf offener Straße angegriffen wird, können dadurch auch alte, längst verschüttete Traumata aufbrechen“, sagt Melzer. Die Betroffenen könnten sich hernach nicht mehr unbeschwert im freien Raum bewegen. Viele ältere Leute gingen dann gar nicht mehr vor die Tür. Vor allem aber sei das Selbstwertgefühl eines Opfers stark angeschlagen: „Man muss ihm als erstes das Gefühl nehmen, etwas falsch gemacht zu haben“, sagt Melzer.

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In besonderem Maße treffe das auf Fälle häuslicher Gewalt zu. Wenn eine misshandelte Frau den Weißen Ring aufsuche, habe sie eine lange Phase der Selbstverleugnung und Schuldzuweisung an die eigene Person hinter sich. Dann sei oft ein größeres Hilfspaket zu schnüren.

Sind Kinder betroffen, muss das Jugendamt eingeschaltet werden. Oft müssen Mutter und Kind eine andere Wohnung beziehen. Meist sei auch psychologische Hilfe nötig. Die fünf Therapiestunden in der Traumaklinik reichten zumindest, um ein erstes emotionales Stützkorsett zu bilden, denn „auf die Schnelle“ einen Termin beim Therapeuten zu bekommen, sei unmöglich, sagt Melzer. Komme es zum Prozess, begleite sie die Klägerinnen auch zu den Verhandlungen.

Bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit habe sie mit der ganze Palette von Straftaten zu tun, mit Menschen, die einem Betrug, Raub, sexuellem Missbrauch, Einbruch und häuslicher Gewalt zum Opfer gefallen sind. „Ich finde es einfach schön, helfen zu können“, sagt sie. Als der Weiße Ring vor vier Jahren jemanden für den Südkreis suchte, habe sie sich gemeldet. „Ich fand die Tätigkeit hochinteressant.“ Anfangs habe sie einen erfahrenen Helfer begleitet, nach ihrer „Grundausbildung“ habe sie dann viele Fortbildungen besucht. „Da wird viel gemacht“, lobt sie.

Das Problem sei, dass sie alle diese Schicksale berührten, besonders wenn es um missbrauchte Kinder gehe. Ihre Ausbildung als Qigong-Lehrerin helfe, die nötige Gelassenheit zu entwickeln, nicht nur, um für ihre Fälle einen strukturierten Hilfeplan erstellen zu können, sondern auch, um emotionale Distanz zu wahren, wenn Klienten sich sich als allzu hilfebedürftig erweisen und klammern.

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