Fußball : Treff zweier formstarker Mannschaften

Regionalliga: Beeck spielt morgen gegen Wiedenbrück. Beide Teams sind seit drei Spielen ungeschlagen. Der SC ist sehr torhungrig.

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wie weit bei Rot-Weiss Essen Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen (zumindest bei vielen Fans), dann erbrachte den vergangenen Samstag beim schmeichelhaften 1:1 gegen den FC Wegberg-Beeck ein Transparent auf der Gegentribüne: "Der Meister muss aufsteigen", stand darauf - bezogen auf den Umstand, dass der Regionalliga-Meister anschließend in die Relegation muss.

Diese Meinung teilen ganz sicher die meisten Fußballfans - nur: "Was hat RWE in dieser Saison damit zu tun?", ist man geneigt zu fragen. Bei weiterhin nur zwei Punkten Vorsprung auf Beeck, das mit fünf Zählern auf dem ersten Abstiegsplatz steht, muss der Blick beim Deutschen Meister von 1955 eindeutig nach unten gerichtet werden. Unter der Woche wurde in Bergeborbeck, der Heimat von RWE, viel über den heftig in der Kritik stehenden Trainer Sven Demandt diskutiert. Entlassen wurde er aber nicht - der Ex-Profi sitzt auch heute Abend im brisanten Derby bei der SG Wattenscheid auf der Bank.

Sorgen um seinen Trainerjob muss sich Friedel Henßen nicht machen - Beecks Teamchef sitzt äußerst fest im Sattel. Erst recht nach den überzeugenden Vorstellungen der vergangenen Wochen: Mit der guten Leistung beim 1:2 gegen Tabellenführer KFC Uerdingen sind die Schwarz-Roten in der Liga angekommen. Es folgten drei ungeschlagene Spiele mit fünf Punkten. Wobei es eigentlich neun hätten sein müssen. Schon beim 0:0 gegen Bonn hatten die Kleeblätter die eindeutig besseren Chancen. Ganz krass war das dann in der zweiten Halbzeit in Essen - da vergab der FC beste Chancen im halben Dutzend (anzuschauen beim Internetportal Youtube, in der Suchmaske einfach nur "Essen Beeck" eingeben).

"In der Tat hätten wir da gewinnen müssen", pflichtet Henßen bei - und nimmt vor allem aber das Positive mit: "Dieses Spiel hat uns weiteres Selbstvertrauen gegeben. In der zweiten Halbzeit haben wir richtig guten Fußball gespielt, uns etliche Chancen klasse herausgespielt. Wir merken, dass wir immer besser in die Saison reinkommen."

Speziell mit der Defensive ist der Teamchef schon sehr einverstanden: "Wir haben sowohl in Köln als auch gegen Bonn und nun in Essen nur sehr wenig zugelassen. Für das Spiel gegen den Ball gebe ich daher die Schulnote zwei." Speziell an der Chancenverwertung gelte es dagegen noch mächtig zu arbeiten: "Wir werden nicht häufig so viele Chancen wie in Essen bekommen. Wir müssen einfach dahin kommen, dass wir auch mal aus drei Chancen zwei Tore machen."

Ansonsten stimmt Henßen sein Mantra an: "Wir müssen jedes Spiel mit der unbedingten Bereitschaft, Einstellung, Einsatzwillen und Konzentration angehen. Bringen wir nur ein halbes Prozent weniger mit, sind wir in der Liga direkt wieder ein Kandidat für vier, fünf Gegentore."

Mächtig auf der Hut müssen seine Jungs morgen sein. Dann kommt mit dem SC Wiedenbrück (Anstoß 14 Uhr) ein sehr torhungriges Team ins Waldstadion: Bereits 15 mal haben die Westfalen getroffen - nur Viktoria Köln, Düsseldorf und Rödinghausen haben noch jeweils einen Treffer mehr erzielt. Speziell in den beiden vergangenen Spielen hat es der SC ordentlich krachen lassen: 4:2 in Essen - und jüngst 4:0 gegen RW Oberhausen. "Acht Tore gegen diese Teams: Da weiß man, was gebacken ist", merkt Henßen mit einigem Respekt an.

Vor allem zwei Offensivakteure haben sich dabei in Vordergrund gespielt: Viktor Maier erzielte gegen RWO das 1:0. Dem ließ Aygün Yildirim in der zweiten Halbzeit einen lupenreinen Hattrick folgen. Beide haben nun schon jeweils vier Mal eingelocht - Maier hat zudem auch schon vier Assists auf dem Konto. Viktor Maier ist übrigens nicht mit dem exakt genauso geschriebenen Viktor Maier vom Ligarivalen SC Verl zu verwechseln, der bis 2016 für Alemannia Aachen spielte und ebenfalls ein Stürmer ist.

Wie Beeck ist auch Wiedenbrück seit drei Partien ungeschlagen. "Diese Serie wollen wir natürlich noch ausbauen", sagt SC-Coach Björn Mehnert. Der übernahm das Team im Sommer, nachdem er zuvor sechs Jahre lang den SV Rhynern trainiert hatte - und zur Krönung im Mai den Aufstieg in die Regionalliga feierte. Bereits im Januar stand aber sein Wechsel zu Wiedenbrück fest - da zeichnete sich Rhynerns Aufstieg noch lange nicht ab.

Wie Henßen vor Wiedenbrück hat umgekehrt auch Mehnert vor Beeck einigen Respekt: "Das wird für uns eine ganz schwierige und komplizierte Aufgabe. Beeck ist mittlerweile voll in der Liga drin, bringt vor allem Tugenden wie Kampfgeist und Zusammenhalt mit, überzeugt als Kollektiv. Damit bügelt der FC seine individuelle Unterlegenheit aus. Wir werden uns daher in Beeck schon mächtig strecken müssen. Dafür reichen ganz sicher keine 98 Prozent."

Mehnert zählt wie Henßen zu den wenigen Regionalligatrainern, die vollzeit einem "normalen" Job nachgehen: Mehnert arbeitet als Abteilungsleiter bei einem Dienstleister einer Bank. "Auch die meisten meiner Spieler arbeiten, sind in Ausbildung oder studieren. Wir trainieren daher nur abends - fünf Einheiten pro Woche."

(emo)
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