Krefelds erste Grabeskirche

Krefeld: Ein Ort der Geborgenheit

Am Samstag um 11 Uhr wird Krefelds erste Grabeskirche an der Hülser Straße 576 am Inrath mit einem feierlichen Gottesdienst eröffnet.

Klare Formen in symmetrischer Anordnung: Nach vierjähriger Planung wird nun am Inrath die erste Krefelder Grabeskirche eröffnet. St. Elisabeth von Thüringen wurde 1894 geweiht und übernimmt nach mannigfachen Veränderungen im 20. Jahrhundert und zu Beginn des 21. eine neue Aufgabe im Nordwesten der Stadt.

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)

Geborgenheit für die Menschen zu schaffen, die an die Auferstehung und das ewige Leben glauben, ist das Ziel der Grabeskirche – sowohl für die Verstorbenen wie für die Trauernden. „Das haben wir mit der Verbindung von Licht, Kunst und Architektur erreicht“, ist Pfarrer Klaus Stephan Gerndt überzeugt. Unter seiner Leitung ist das Projekt verwirklicht worden. Die Planungen begannen 2014, nachdem durch die Zusammenlegung der Gemeinden eine Entscheidung dazu getroffen werden musste, auf welche Pfarrkirche man verzichten könnte. Und vor allem, welchem Zweck man sie zuführen könnte. Denn eine sakrale Aufgabe sollte weiterhin erfüllt werden.

Klarheit und Ruhe, Stille und Zuversicht wirken auf den Besucher des sakralen Ortes ein. Gleich hinter dem Portal geht er durch die „Rosentür“. Sie ist aus Glas gefertigt. Auf ihr blühen weiße Rosen, und Blütenblätter verwelken. „Damit beziehen wir uns auf unsere Namenspatronin Elisabeth von Thüringen, die durch ein Rosenwunder bekannt wurde“, sagt Pfr. Gerndt und ergänzt: „Die Blüten sind Zeichen für Leben und Sterben.“ Diese beiden Elemente menschlichen Daseins spiegeln sich auch in der architektonischen Auffassung für die Grabstätten. Vier längliche Quader stehen parallel zur Mittelachse im Kirchenschiff. Sie enthalten die Grabkammern für die Urnen. An den Pfeilern rechts und links im Gotteshaus befinden sich weitere Grabkammern. Sie streben nach oben und symbolisieren zusammen mit den gelben Pfeilern die Auferstehung.

Hier haben die beiden Architekten Monika Aulbur und Willi Theelen mit der Wirkung der Farbe gearbeitet und so Leben und Tod nebeneinander gesetzt. Die katafalkartigen Quader sind mit dunklen Natursteinplatten von 30 x 30 Zentimetern ausgestattet, die aufstrebenden mit Sand- und leichten Erdtönen. Die Architekten haben für jede Platte ihre Position bestimmt. Der Boden ist hell – wie der Weg durch eine Sommerlandschaft – sinnbildlich für die Hoffnung auf das ewige Leben.

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche, Eingangstür mit Rosen Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)

Eine Art Lebenslinie verläuft vom Eingang bis zum Altar und verbindet den Kirchenraum vor dem Altar mit dem Friedhof und seinen Grabstätten. Die schmale Linie besteht aus Messing, in den Boden der Kirche eingelassen. Gleich hinter der Rosentür thront auf ihr das alte Taufbecken, an ihrem Ende der Altar. Beides sind Werke des Krefelder Künstlers Albert Sögtrop, der sie in den 60-er Jahren für die Kapuziner fertigte. Den Altar damals für die Seitenkapelle, der jetzt vor einer neu geschaffenen gewölbten Holzwand ruht. Von den Kapuzinern stammt auch der Osterleuchter auf halbem Weg zwischen Taufbecken und Altar.

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche, Truhenorgel Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)
  • Pfarrer Heinz-Albert Schmitz : Über Auferstehung

Weitere erhaltene Stücke aus der Kapuzinerkirche sind die geschnitzten Figuren der Heiligen Elisabeth, einer Pietà und der Inrather Muttergottes. Sie blickt jetzt sanftmütig auf die Grabstätten in der Kirche. Zu ihr muss man zwei Stufen hinansteigen und befindet sich dann in der Kirche. „Einige Menschen aus diesem Stadtteil“, so berichtet Pfarrer Gerndt, „haben sich eine Ruhestätte vis-à-vis der Maria gekauft, weil sie sich dort besonders gut aufgehoben fühlen.“

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)

Zum Geborgenfühlen trägt auch das Licht bei. Jochem Poensgen hat neue Rundfenster und ein weiteres Fenster zum Garten geschaffen. Sie sind so gestaltet, dass der Lichteinfall sie ständig verändert und sie damit auch wieder auf das Wechselspiel des Lebens Bezug nehmen. Sechs riesige Deckenleuchten sind mittig im Kirchenschiff angeordnet; sie stammen vom Krefelder Lichtentwerfer Stephan Gotzes.

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)

Am heutigen Samstag nun stellt Pfarrer die Grabeskirche in einer Messe den Gemeindemitgliedern und Bürgern vor – und auch all denen, die sich schon eine Stätte gesichert haben. Mit dem heutigen Tage endet der Eröffnungsverkauf, in dessen Verlauf 395 Nutzungsrechte vergeben wurden.

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche, Elisabeth von Thüringen mit Rosen, Kirchenpatronin Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)

Schon in der kommenden Woche werden sechs der Menschen bestattet, die in der Zwischenzeit verstorben sind. Ihre zukünftigen Stätten sind an Platten mit Rosen zu erkennen. Darunter auch eine ökumenische Bestattung, denn die Grabeskirche steht allen Menschen offen, deren Glaubensgemeinschaft zu der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zählt. Pfarrer Gerndt: „Wir bestatten hier alle Menschen, die an die Auferstehung und das ewige Leben glauben.“

Elisabeth von Thüringen, Grabeskirche, Fenster neu Foto: Lammertz/Lammertz, Thomas (lamm)