Geflüchteter SUV-Fahrer gefasst

Kind verletzt: „Ich habe den Jungen nicht berührt“

Innerhalb weniger Tage hat Polizeihauptkommissar Rene Bogers einen geflüchteten SUV-Fahrer ausfindig gemacht, der auf dem Nassauerring in einen Unfall mit einem zwölfjährigen Radfahrer verwickelt war. Das Kind wurde verletzt.

Bei jährlich rund 1700 Verkehrsunfällen im Zuständigkeitsbereich des Krefelder Polizeipräsidiums versucht der Schuldige, sich nach dem Crash heimlich aus dem Staub zu machen. Doch die Chance, auf diesem Weg einer Strafe zu entgehen, steht schlecht. Wenn es nicht bei kleinen Blechschäden bleibt, sondern Menschen verletzt werden, dann setzen die technisch hochgerüsteten Ermittler des Verkehrskommissariats all ihre Fahndungsmethoden ein, von der Kamera-Drohne bis zum Lack-Mikroskop. Die Aufklärungsquote bei Unfallflucht mit Personenschaden liegt in Krefeld bei rund 70 Prozent, erklärt Polizeihauptkommissar Rene Bogers. Innerhalb weniger Tage hat er einen SUV-Fahrer ausfindig gemacht, der in einen Unfall mit einem zwölfjährigen Radfahrer verwickelt war. Das Kind wurde leicht verletzt. Der 75-jährige Krefelder gab eine Beteiligung zu.

Dabei hat Bogers unmittelbar nach der Fahrerflucht, die am 28. Juni geschah, eigentlich fast nichts in der Hand - nur den Ablauf des Unfalls: Gegen 15.40 Uhr fährt an diesem Tag ein Zwölfjähriger mit seinem Fahrrad vom Krüllsdyk über einen Radweg zur Kreuzung Kliedbruchstraße / Nassauerring. An der Ampel will er über den Nassauerring in Richtung Freibad fahren. Im Kreuzungsbereich erfasst ihn ein Auto. Der Junge stürzt und verletzt sich leicht. Der Pkw-Fahrer steigt aus, fragt, ob alles in Ordnung sei, steigt wieder in seinen Wagen und verschwindet.

„Der Junge informiert  seine Mutter, die meldet  sich bei der Polizei. Das Kind konnte nur mitteilen, dass es sich bei dem Auto ,um eine Art SUV’ gehandelt habe“, beschreibt Bogers die Situation. Und der Experte weiß: Es beginnt die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Viel Kleinarbeit und noch mehr kriminalistischer Instinkt sind gefragt. Doch schon knapp 48 Stunden später hält der 45-Jährige das Ende eines Fadens in der Hand. Ein erster Ansatzpunkt, eine Spur liegt auf dem Tisch.

Nach einem Zeugenaufruf in der Zeitung hat sich eine Frau gemeldet, die den Vorfall beobachtet hat. Sie war zu besagtem Zeitpunkt mit ihren Pkw ebenfalls vor Ort, sah einen Teil des Unfalls. „Die Zeugin hielt sofort an und lief zurück zur Kreuzung“, so Borgers. „Doch Fahrzeug und Kind waren bereits verschwunden.“

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Erst durch den Aufruf in der Presse wendet sie sich am 30. Juni an die Polizei. „Die Zeugin gab an, dass das Unfallfahrzeug ein schwarzer Mercedes-SUV mit Krefelder Kennzeichen gewesen sei“, sagt der 45-Jährige. Und er ergänzt: „Ihr Lieblingsauto.“ Eine Abfrage beim Kraftfahrbundesamt bringt 380 „Treffer“ mit diesen Kriterien. Zuviel, um überhaupt eine Liste mit den entsprechenden Haltern zu bekommen. Dann hat der Spezialist eine Idee: Wie in einem Spinnennetz arbeitet er sich vom Unfallort aus vorwärts. Die Ausgangshypothese: Der Gesuchte könnte im Umfeld des Unfallorts wohnen. Bogers lässt die Suchanfrage um die Postleitzahl 47803 ergänzen. Minuten später spuckt der Computer des Kraftfahrtbundesamtes eine Liste mit 52 Haltern aus, die in diesem Bereich einen schwarzen Mercedes SUV besitzen.

Nach der Kopf- beginnt die Fußarbeit. Einzeln klappert der Polizeihauptkommissar die Adressen ab, begutachtet die Autos. Es war die Spur 26, die am Donnerstag schließlich zum Erfolg führt. „Ich habe den Jungen nicht berührt“, war der erste Satz, den der 75-jährige Unfallfahrer dem Polizisten an der Haustür sagt. Erleichterung und tiefe Zufriedenheit machen sich bei Rene Bogers breit. „Es ist, als ob man sich selbst innerlich abklatscht“, beschreibt der Polizist das Gefühl. Es ist immerhin ein ein verletztes Kind beteiligt. Das geht stets unter die Haut.

Der Rest ist Formsache: Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, wird der Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Eine Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort sowie fahrlässiger Körperverletzung bei einem Verkehrsunfall sind möglich.

Und zwei Telefonate führt der 45-jährige Polizist noch. Eines mit der Mutter des Zwölfjährigen, der mitgeteilt wurde, dass der Fahrer des Unfallwagens ermittelt worden ist. Der zweite Anruf gilt der Zeugin, die den entscheidenden Tipp gegeben hat. „Das gehört sich so“, sagt Bogers. „Natürlich bedanke ich mich bei ihr dafür.“