Krefeld. Han Chen gibt Kawai-Konzert in der Musikschule

Kawai-Konzert in der Musikschule : Bei Han Chen kommt jeder Ton zu seinem Recht

Der gebürtige Taiwaner gab einen Soloabend in der Reihe der Kawai Konzerte im Mönkemeyer Saal der Musikschule. Das Publikum war begeistert.

Auf eine Vorliebe des Gastpianisten stellte Philipp Potz von Kawai Europe das Publikum gleich ein. Han Chen interessiert sich sehr für moderne Musik und setzt auch gerne Zeitgenössisches auf sein Programm. So begann der gebürtige Taiwaner, Absolvent der berühmten Juilliard School in New York City und derzeit Doktorand am New England Konservatorium, sein Konzert am Freitag mit einem Werk von Steven Stucky (1949-2016). 2014 schrieb der amerikanische Komponist seine Sonate for Piano, mit der Chen seinen Auftritt im Helmut Mönkemeyer Saal der Musikschule startet. „Darauf müssen Sie sich ein bisschen einlassen“, bereitet Potz die Zuhörer vor.

Doch diese „Warnung“ ist nicht nötig. So experimentell ist diese Komposition keineswegs, sie geht gut ins Ohr und bietet durchaus Assoziationen an Musik, die aus dem späten 19. Jahrhundert stammt. Deutlich wird dies bei Passagen, die stark an das Ballett der nicht ausgeschlüpften Küken in ihren Eierschalen in den Bildern einer Ausstellung (1874) von Modest Mussorgski erinnern.

Mit einem Wechsel von musikalischen Ausrufezeichen und zarten melancholischen Klängen beginnt die Komposition von Stucky und Chen stellt die unterschiedlichen Stimmungen des einsätzigen Werks sehr pointiert heraus. Eine große Stärke und viel Einfühlungsvermögen zeigen sich in den leisen, langsamen Passagen. Da kommt jeder Ton zu seinem Recht. Gleitend gestaltet er die Übergänge zu dramatischeren Passagen.

Auch ein energisches kraftvolles Spiel und stärker rhythmisch akzentuierte Abschnitte der Sonate kommen sehr überzeugend. Dem Publikum wird eine interessante Entdeckung zeitgenössischer Musik geboten - vermutlich ist es das jüngste Werk, das bislang in der Reihe der Kawai Konzerte geboten wird. Der Applaus fällt jedoch eher höflich aus und würdigt keineswegs angemessen die spielerischen Fähigkeiten des Pianisten.

Die nachfolgende Klaviersonate in A-Dur (DW 664) von Franz Schubert (1797-1828) trifft da eher den konservativen Geschmack. Das Allegro moderato bietet dem Pianisten die Gelegenheit, mit einem lyrischen Einstieg dem Ohr zu schmeicheln. Träumend, wiegend – schön phrasiert ist seine gefühlvolle Interpretation. Feinste Nuancen in der Lautstärke unterstreichen seine Gliederung des Satzes. Noch inniger wird sein Spiel im nachfolgenden Andante.

Im Allegro kann er sein technisches Können in den Tempi beweisen, leicht perlend und unaufdringlich virtuos kommen die Läufe daher. Dabei gestaltet er immer fein nuanciert; mal kommt ein keckes Spiel heraus, dann gibt er ihm einen heiteren tänzerischen Charakter und dies alles mit großer Leichtigkeit.

Nach der Pause folgt von Sergej Prokofjev (1891-1953) die Klaviersonate Nr. 8 in B-Dur, op. 84. Welch ein Genuss, dass der Komponist diesem Werk zwei Sätze mit der Bezeichnung Andante gibt und die interpretatorische Stärke von Chen gerade bei solchen Sätzen herauskommen kann.

Der dritte Satz, ein Vivace, bietet ihm dann die Gelegenheit, seinem Soloabend einen virtuosen Ausklang zu geben, bei dem er viele Facetten und Nuancen der Komposition herausstellt. Abschließend bedankt sich der Künstler für den sehr kräftigen Applaus des Publikums mit einer spanisch temperamentvollen Zugabe von Ravel.

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