Krefelder Grüne mit eigenem OB-Kandidaten - Interview mit Karsten Ludwig

Politik in Krefeld : Grüne mit eigenem OB-Kandidaten

Die Grünen richten sich auf ihre neue Stärke ein: Grünen-Parteichef Karsten Ludwig rechnet für die Kommunalwahl 2020 mit einer starken Vergrößerung der Ratsfraktion. Die Partei tritt auch mit eigenem OB-Kandidaten an.

Die Krefelder Grünen schöpfen aus den guten Wahlergebnissen der jüngeren Vergangenheit frisches Selbstbewusstsein: Die Partei wird aller Voraussicht nach mit einem eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten in die Kommunalwahl im Herbst 2020 gehen. Dies erklärte der Parteichef der Grünen, Karsten Ludwig (26). Das letzte Wort hätten die Parteimitglieder, betonte er, doch alle Signale sprächen dafür, dass dies gewünscht werde.

Das neue Selbstbewusstsein der Grünen stützt sich auf das phänomenale Ergebnis der Europawahl im Mai dieses Jahres. Die Krefelder Grünen hatten ein historisches Ergebnis eingefahren: Mit 24,49 Prozent wurden sie zweitstärkste Kraft in Krefeld und standen auf Augenhöhe mit der CDU (26,76). Die Partei ist zuversichtlich, dass das Ergebnis auch die kommunalen Mehrheiten widerspiegelt. „Wir werden die Kandidatenliste für die Kommunalwahl bis auf Platz 35 ziehen“, berichtet Ludwig, „bei der letzten Kommunalwahl haben wir 20 Plätze benannt“. Hintergrund: Wenn sich etwa die Zahl der Ratsmitglieder von sechs heute auf zwölf verdoppelt, ist es ratsam, genügend Nachrücker zu benennen. „Wenn man keinen Nachrücker benennt, entfällt der Sitz im Rat“, erläutert Ludwig, „und es kann schon sei, dass innerhalb einer Legislaturperiode eine ganze Reihe von Mandatsträgern ausscheiden.“ Im November und Dezember werden die Namen für die Liste geklärt.

Am 27. und 28. September stimmen sich die Grünen auf einem sogenannten Kommunalkonvent auf den Kommunalwahlkampf ein. Eingeladen sind auch Nicht-Parteimitglieder; es geht darum, Positionen für den Wahlkampf zu erarbeiten. „Es geht um fünf Themenschwerpunkte“, erläutert Ludwig: (1) Mobilität, (2) ökologische Stadtentwicklung, (3) soziales und ökologisches Wirtschaften, (4) Bildung und Jugend sowie (5) Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft.

Die Öffnung der Partei für Nicht-Mitglieder haben die Grünen systematisiert: Zum „grünen Donnerstag“ (jeden zweiten Donnerstag im Monat, ab 19 Uhr, Roßstraße 200) sind alle Interessenten eingeladen. „Wir machen das seit einem halben Jahr, und jedesmal kommen mehr Menschen“, resümiert Ludwig. Erfreulich für die Grünen ist auch die Entwicklung der Mitgliederzahl: Sie ist von 170 vor einem Jahr auf heute 220 gestiegen.

Was die Oberbürgermeisterwahl angeht, hält Ludwig es nicht für unmöglich, dass die Grünen sogar gewinnen. „Die Zeiten des klassischen Lagerwahlkampfs sind vorbei“, sagt er; die Lager seien durchmischt; die Grünen hätten bei SPD-, CDU- und vielleicht auch FDP-Wählern hinzugewonnen. Sollte wirklich in NRW für die OB-Wahl die Stichwahl abgeschafft und eine einfache Mehrheit im ersten Wahlgang reichen, „dann könnte es auf einen Dreikampf hinauslaufen“. Die von der grünen Fraktionschefin im Rat, Heidi Matthias, ins Gespräch gebrachte Variante, als Grüne Meyer zu unterstützen, ist vom Tisch. Auch wenn es Gemeinsamkeiten gibt: „Meyer ist ein SPDler und kein Grüner. Und bei uns gibt es bei grünen Themen wie dem Ausbau des Radwegenetzes doch andere Prioritäten als bei den Sozialdemokraten.“

Der grüne Spitzenkandidat wird wohl bis Ende des Jahres benannt. Als ein Bewerber gilt Grünen-Ratsherr Thorsten Hansen. Er ist bei der OB-Wahl 2015 angetreten und hat achtbare 14 Prozent geholt. Natürlich fällt einem auch die Krefelder Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws ein; sie steht aber weniger für das grüne Urthema Umweltschutz, sondern eher für frauenpolitische Anliegen. Insofern steht sie weniger für das Feld, auf dem die Grünen so erstarkt sind.

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