Krefeld: Die Fassade des Hülser Rathauses muss saniert werden

Aus den Stadtteilen : Hülser Rathaus soll gerettet werden

Fachleute sagen, ein Anstrich sei bei weitem nicht genug. Die Bezirksvertretung will daher die Rettung des Hülser Rathauses einleiten. Die Fassade soll gründlich saniert werden.

Die Fassadensanierung des Hülser Rathauses wird die politischen Vertreter in der 35. Sitzung der Hülser Bezirksvertretung beschäftigen. In einem gemeinsamen Antrag hinterfragen die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP den Nutzen des geplanten Anstrichs, der im Haushalt 2019 mit 50.000 Euro veranschlagt ist. Die Argumentation: „Bei einem reinen Anstrich des Mauerwerks ohne Fenster sehen die Fenster noch schlimmer aus, da der Kontrast noch stärker hervortritt. Dies wäre keine fachmännische Arbeit.” Zumal ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen vor einem Jahr das Rathaus begutachtet und die Notwendigkeit einer Fassadensanierung festgestellt habe. So heißt es in der im Antrag zitierten Stellungnahme der Experten: „Es gibt an zahlreichen Stellen Feuchteinträge in Wand und Bereiche, an denen sich die Farbe abgelöst hat. Wir empfehlen auch in Hinblick auf mögliche Folgeschäden eine großflächige Sanierung der Fassade.”

Ein Blick auf die Fenster des Hülser Rathauses lässt ahnen, in welchem Zustand die Fassade und das ganze Gebäude sind. Foto: WE

Damit zeichnet sich ab, dass eines der unter Denkmalschutz stehenden Kleinode von Hüls regelrecht gerettet werden muss. SPD, Grüne und FDP beantragen deshalb eine neue Beschlussfassung, um „den für 2019 vorgesehenen Etatansatz in Höhe von 50.000 Euro in den Haushalt 2020 zu übertragen und für das Haushaltsjahr 2021 einen Etatansatz von 150.000 Euro vorzusehen, so dass im kommenden Jahr mit einer umfassenden Sanierung der Rathausfassade begonnen werden kann.” Im Zuge dieser Arbeiten sollen die Holzfenster überarbeitet und die alte Beschichtung der Fassade entfernt werden. Abschließend soll eine neue Beschichtung aufgetragen werden. Da die Experten den Zustand des Daches als gut bewerteten, besteht hier kein Handlungsbedarf. Insgesamt schätzten die Mitarbeiter des externen Unternehmens die Kosten für die Sanierung von Fenstern und Fassade auf rund 200.000 Euro.

Rathaus Hüls Fassade. Foto: WE

Das Rathaus ist ein Gebäude, das in seiner jetzigen Form für eine Phase des Wachstums an Menschen und an Wohlstand in Hüls steht. Südlich des Mühlentores stand über Jahrhunderte der Gasthof „Zum Wilden Mann“, für den 1846, als das Mühlentor abgebrochen worden war, ein klassizistischer Neubau errichtet wurde – Zeichen für Wohlstand.

Hüls war im 19. Jahrhundert politisch immer mal wieder Spielball zwischen den umliegenden Städten, was der kontinuierlichen Entwicklung aber keinen Abbruch getan hat. Die Zahl der Einwohner wuchs von 1500 im Jahr 1815 auf gut 6000 im Jahr 1888. Die Wirtschaft des Ortes profitierte von der Seidenindustrie, deren Zentrum Krefeld war. So war die Hausweberei in Hüls neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. 1880 gab es in Hüls bei 1366 Haushaltungen noch 1268 Handwebstühle für Samt und 197 für Seide. Der Ort war immerhin so wohlhabend, dass er nach einem Einsturz der alten Kirche von 1865 bis 1868 die neue, prächtige Pfarrkirche St.Cyriakus bauen konnte.

Das heutige Rathaus wurde vom Gasthof zum „Hotel Schäfer“, und im Jahre 1949 richtete die damalige Gemeinde Hüls das Gebäude zum Hülser Rathaus her. Das Rathaus ist, wie oft bei solchen Gebäuden, beliebt als identitätsstiftendes Gebäude, aber von der öffentlichen Hand schlecht gepflegt. 2016 gab es in der Bezirksvertretung einen Vorstoß des fraktionslosen Bezirksvertreters Wolfgang Eitze, das Gebäude zu veräußern und zurückzumieten. Der Vorschlag wurde abgelehnt, die fällige Sanierung aber nicht auf den Weg gebracht. Insofern drohte dem Rathaus ein ähnliches Schicksal wie den Herbertzhäusern in Uerdingen, die in städtischer Hand lange vergammelten. Der Sanierungsbedarf wurde immer größer. Der Ruf nach einem privaten Investor ist insofern immer ein Alarmruf zum Zustand eines Gebäudes.

Die Hülser Bezirksvertretung steht daher am Scheideweg. Ein bloßer Anstrich wird von Fachleuten als Stümperei abgelehnt, eine große Sanierung der Fassade ist wohl fällig. Ein Blick auf die Fenster genügt auch für den Laien, um Handlungsbedarf zu erkennen.