Fischeln: Umbau des Rathauses wird teurer wegen Brandschutz-Auflagen

Umbau des Fischelner Rathauses : Brandschutz: Sanierung des Fischelner Rathauses wird teurer

Über die Nutzung der Räume im Denkmal gibt es mindestens zwei Meinungen: Für Kanzleien und Arztpraxen auf der einen und Räume für Vereine und Bürger auf der anderen Seite.

Mehr als 20 Jahre hat der Kampf um ein barrierefreies Rathaus in Fischeln gedauert – jetzt geht der Umbau tatsächlich bald los. Am Mittwoch haben Verwaltung und der beauftragte Architekt die Planung in der Bezirksvertretung Fischeln vorgestellt. Die Bezirksverordneten wurden mit überraschenden Neuigkeiten konfrontiert: Der Umbau wird nicht nur wesentlich umfangreicher, als gedacht, sondern auch wesentlich teurer.

Denn mit dem Einreichen eines Bauantrages für das denkmalgeschützte Gebäude erlischt der Bestandsschutz. Das bedeutet, dass im Zuge der Baumaßnahmen zwangsläufig der Brandschutz im Rathaus nach modernen Standards ertüchtigt werden muss. „Ohne Brandschutz keine Baugenehmigung“, fasste Architekt Alexander Littgen die Sachlage zusammen. Somit wird sich das vertraute Bild des Rathauses verändern: Die Flure und das hölzerne Treppenhaus bekommen Brandschutztüren. Littgen verspricht, dass „Transparenz und Großzügigkeit“, auch im Treppenhaus, erhalten bleiben werden. Ein zweiter Fluchtweg aus dem Obergeschoss wird als Stahl-Wendeltreppe  im Gebäude eingebaut und für Besucher unsichtbar bleiben. Den ersten Vorschlag, den Fluchtweg außen am Gebäude anzubringen, hatte der Denkmalschutz abgeschmettert. Weitere zusätzliche Maßnahmen sind geplant, und zwar in den Bereichen Kanalisation, Trinkwasser und Elektrik. Es mache Sinn, diese Problemstellen direkt mit zu ertüchtigen, wenn man schon einmal dabei sei, das Gebäude anzupacken. Bis 2020 soll der Umbau fertig werden.

Wie hoch die Mehrkosten sind, ist derzeit noch offen. Die Verwaltung ließ verlauten, es sei sicher, dass die fehlenden Gelder, zusätzlich zu den bereits etatisierten 250.000 Euro, bereitgestellt und der Zeitplan eingehalten werden könne. Der Baubeginn soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 erfolgen, die Kosten werden „deutlich“ über 500.000 Euro liegen.

Das Rathaus wird künftig über die Gebäuderückseite barrierefrei zu erreichen sein. Über eine Rampe geht es in ein kleines Foyer und von dort zum Aufzug, der zentral im Gebäude angeordnet wird. Der Aufzug hat zwei Türen, so dass Rathaus-Besucher direkt im Eingangs-Foyer des Erdgeschosses oder vor dem Ratssaal auskommen. Der Aufzug wird bis ins Dachgeschoss fahren. Neu eingebaut werden auch mehrere Toilettenanlagen: Öffentliche, barrierearme Besuchertoiletten im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss sowie Personaltoiletten für die Mitarbeiter von Bürgerbüro und Polizei.

Architekt Littgen hat, wie immer wieder von der Politik gefordert, auch in Richtung Nutzungskonzept fürs Rathaus gedacht und geplant. Er schlägt vor, die Dienstelle der Polizei ins Erdgeschoss zu verlegen, so dass freiwerdende Räume im ersten OG – und im Dachgeschoss – einer „hochwertigen Nutzung“ zugeführt werden könnten, wie er formulierte. Als Beispiele nannte er „hochwertige Vermietung“ an Arztpraxen oder Kanzleien. Dieser Vorschlag regte Widerspruch im Gremium: Jürgen Oppers (SPD) forderte, man müsse zunächst an Fischelner Vereine oder Beratungsstellen denken, bevor man eine Vermietung ins Auge fasse. Johannes Eisenhut (Linke) sagte, das Projekt werde „monströs aufgebläht“ und fragte nach der Finanzdisziplin in Krefeld.

Mehr von RP ONLINE