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Designerinnen schneidern Mode wie um 1900 im Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld

Krefeld : Mode um 1900 inspiriert Designerinnen

Nähen wie im Modeatelier anno 1900: Krefelder Designerinnen ließen Stoffe nach historischen Vorlagen aus der Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum fertigen und nähten daraus Kleider, die damals Trends setzten.

Am Eingang zum Nähstübchen sind drei Kleider auf Figurinen drapiert: Im Rahmen von „Impuls“ zeigen Krefelder Modemacherinnen ihr Können. Jeden ersten Donnerstag im Monat lädt das Kaiser-Wilhelm-Museum bei freiem Eintritt zu einem Abend ein – immer mit Bezug zur aktuellen Ausstellung. Das ist derzeit in der oberen Etage „Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“. Das Haus bezieht sich damit auf eine Ausstellung vor 119 Jahren, die in der Stadthalle gezeigt wurde.

Von der Malerei der Präraffaeliten geht es heute über Gesamtkunstwerke des Jugendstils und der Kunst der Expressionisten auch um zahlreiche Entwürfe der Wiener Werkstätte. Einige ihrer Stoffe sind in Vitrinen anzuschauen – diese haben die Modemacherinnen sich zum Vorbild genommen.

Kleider passend zur Tapete: So wie hier im Museum hätte es vor gut 100 Jahren in den Salons aussehen können. Foto: Sandra Wenk

Zwei Baumwollstoffe von Josef Hoffmann in der Kollektion des Museums haben sie ausgewählt. Einer trägt den poetischen Namen „Schmetterlingsauge“, erzählt Angelika van Neerven, Obermeisterin der Innung. „Wir wollten gern, dass die beiden Stoffe zueinander passen“, sagt sie. Beide Muster wurden für die Aktion im Museum auf Fahnenstoff, einen Kunststoff, gedruckt. Die Verseidag hat einen Teil der 25 Meter in Überbreite zur Verfügung gestellt.

Daraus haben die Schneiderinnen dann die Teile für kleine Beutel zurechtgeschnitten und auch entsprechende Henkel vorbereitet. Die drei Kleider haben sie am Tag vor und am Tag von „Impuls“ geschneidert. Die Schnitte dafür haben sie sich von Ausstellungsstücken abgeschaut, die beiden Stoffe haben sie kombiniert: „Das ist unsere Profession“, sagen sie.

Dieses Plakat lockte 1900 in die Modeausstellung im Museum. Foto: Petra Diederichs

Aus den vorbereiteten Taschenzuschnitten sind dann am Abend ungefähr 45 Taschen entstanden. Die Meisterinnen haben die Henkel mittels Schablone angesteckt. Vom Berufskolleg Vera Beckers sind Jale Bulut und Daria Alishiri dabei. Sie sitzen im Nähstübchen an den Kopfenden des roten Tisches. Sie nähen die Griffe fest und schließen die Nähte der Taschen. Die Produkte des Teams, zu dem auch noch Maria Stratmann, Sandra Wenk und Wolfgang Schinke gehören, werden dann den ganzen Abend lang an der Kasse des Museums für zwölf Euro das Stück verkauft. Und sind auch danach noch zu haben.

Das Kaiser-Wilhelm-Museum ist an diesem eintrittsfreien Abend wieder gut besucht. Es gebe Fans, die jedes Mal wiederkommen, berichtet Museumsleiterin Katia Baudin,  und auch andere, für die das Neuland sei. „Wir wollen ein Format, das alle Krefelder anspricht“, ist ihre Intention. „Zum Programm gehören jeweils andere Partner in der Stadt, die ihr Können zeigen“, sagt Baudin, „von städtischen Einrichtungen oder auch Partner der freien Kultur.“ So wie in diesem Fall die Innung für das Modeschaffende Handwerk Niederrhein, die in ihrem Nähstübchen „Patches & Stitches“ großen Zuspruch hatte.