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Krefeld: Das neue Hannah-Arentd-Gymnasium. Ein Kommentar

Krefeld : Glückliche Namenwahl

Warum Hannah Arendt als Namenspatronin für das neue Innenstadtgymnasium eine glückliche Wahl ist.

Das neue Innenstadtgymnasium wird aller Voraussicht nach „Hannah-Arendt-Gymnasium“ heißen. Es ist kaum zu erwarten, dass der Rat, bei dem die letzte Entscheidung liegt, dem Wunsch der Schulfamilie nicht folgt. Die Wahl ist eine glückliche Wahl, auch wenn Anna Tervoort als Namenspatronin auch aller Ehren wert ist. Eine Hülser Bauersfrau, die zur Nazi-Zeit Juden versteckt und rettet, ist ein Vorbild, ohne Zweifel.

„Kosmopolit“ – so der dritte Vorschlag – wäre umstritten, mindestens sperrig gewesen. Vielleicht auch an der Zeit vorbei: Integration heute hat doch das vordringliche Ziel, Einwanderern eine Heimat zu geben. Kosmopoliten sind eher Leute, die eine Heimat haben und die Weite der Welt suchen.

Warum ist Hannah Arndt eine gute Wahl? Die jüdische Philosophin und Publizistin eröffnet zum einen Bezüge zu dem Teil der deutschen Geschichte, der nicht vergessen oder verdrängt werden darf: Sie ist Zeitzeugin des Nationalsozialismus, sie hat die Aufarbeitung der NS-Verbrechen im Prozess gegen Adolf Eichmann begleitet („Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht über die Banalität des Bösen“).   Arendt ist aber auch eine politisch brennend interessierte Intellektuelle,  für die Philosophie nie Gelehrsamkeit im Elfenbeinturm der Universität war. Ihre Schriften tragen Titel wie „Die Freiheit, frei zu sein“, „Wahrheit und Lüge in der Politik“ oder „Macht und Gewalt“. Ihre Analysen entzündeten sich an Ereignissen der Gegenwart, etwa in dem Essay „Die Lüge in der Politik“, in dem sie die berühmt-berüchtigten „Pentagon-Papiere“ analysiert, die 1971 in den USA veröffentlicht worden sind. Die „New York Times“  hatte mit der Veröffentlichung aufgedeckt, wie die amerikanische Öffentlichkeit über die Kriegsabsichten der Regierung im Kampf gegen den Kommunismus  getäuscht worden war.

Mit dieser Intellektuellen im Gepäck lässt sich gymnasiale Bildung schärfen – als Förderung der Fähigkeit, einen analytischen, leidenschaftlichen Blick auf die Gegenwart zu richten. Es bleibt zu hoffen, dass diese Namenspatronin wirklich Thema in der Schule wird. Und Lust am eigenen Denken weckt.